Kita-Umzug wird zu einem großen Abenteuer

Von: Stefan Schaum
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Vorne Familienzentrum, hinten Bergmannsgebäude: Durch die Fluchttür der improvisierten Kita ist die riesige Halle sichtbar. Die dient nun auch als Lagerraum. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Das selbstgemalte Schild bringt die Sache auf den Punkt: „Abenteuer Langhaus“. So steht es auf einer gelben Sonne über einem der Gruppenräume. Abenteuer – da weiß man nie, was auf einen zukommt. Dass eine Kita mit 110 Kindern in nicht mal 14 Tagen komplett in ein ehemaliges Bergmannsgebäude umzieht, hat es in Alsdorf noch nicht gegeben.

Von der Florianstraße in die Kraftzentrale – ein ziemlich großer Schritt. Mit ein paar Stolperfallen. Vermeidbar war dieser Umzug nicht. Ursprünglich sollte die Kita bloß um eine sechste Gruppe erweitert werden, dann gab es während der Arbeiten einen Wasserschaden und im Zuge der Instandsetzung wurden große Schäden an zwölf tragenden Holzpfeilern des Gebäudes entdeckt (wir berichteten). Jetzt muss aufwändig saniert werden. Vielleicht dauert das sechs Monate, vielleicht auch deutlich länger. Ein ganzes Jahr könnte es werden. „Wir müssen jede einzelne Stütze genau prüfen und alle nach und nach instand setzen“, sagt Jacqueline Führen, die den Umbau für die Grund- und Stadtentwicklungsgesellschaft (GSG) betreut – und nun obendrein einen Umzug im Eiltempo stemmen musste.

Wohin die Reise gehen sollte, war schnell klar. „Wir hätten die einzelnen Gruppen auch auf die Mehrzweckräume anderer Kitas in der ganzen Stadt aufteilen können – aber wir wollten, dass alle Kinder und die Erzieherinnen zusammenbleiben“, sagte der stellvertretende Jugendamtsleiter Manfred Schmidt. Genug Platz dafür bot nur das Langhaus. Genauer: Die beiden Etagen des Verwaltungstraktes, die bereits als Heimat des Bergbaumuseumsvereins dienten. Die räumliche Lösung wurde bei einem eilig einberaumten Elterninfoabend vorgestellt, bei dem die Stimmung auffällig sachlich blieb.

Protest gegen den Umzug hagelte es seitens der Eltern nicht. Viele Fragen gab es jedoch. Ob das Gelände rund um das Langhaus künftig besser gepflegt und von gefährlichen Scherben und Unrat befreit werde? Ja. Jacqueline Führen: „Wir betreuen jetzt auch das Umfeld seitens der GSG und sorgen dafür, dass es da sauber bleibt.“ Ob sich der improvisierte „Spielplatz“ auf dem Außengelände noch deutlich aufhübschen lässt? Ganz sicher. Manfred Schmidt: „Der macht wirklich nichts her, da könnten wir noch ordentlich Sand draufschütten.“ Ob eine Art Fahrdienst von Schaufenberg zur Carl-von-Ossietzky-Straße eingerichtet werden kann? Schwierig. Schmidt: „Aufgrund der unterschiedlichen Betreuungszeiten der Kinder ist das kaum machbar. Aber wir versuchen, auch dafür Lösungen zu finden.“

Die Vorzüge bewerben

So manches ist eben Provisorium und wird es bleiben, die Vorzüge der Kraftzentrale wurden beim Infoabend von städtischer Seite aber fleißig beworben: Viel mehr Platz in den Gruppenräumen – insgesamt mehr als 200 Quadratmeter zusätzlich – viel mehr Parkplätze vor der Tür. Lange Flure, über die die Kleinen mit Tretautos flitzen können und viel Licht, das durch große Fenster hineinfällt. In der Tat: Nachdem einige Trockenbauwände eingezogen und alle Steckdosen kindersicher gemacht worden sind, nachdem das ganze Mobiliar aus der Florianstraße herangeschafft und aufgestellt worden ist, nachdem in den Waschräumen Podeste aufgebaut worden sind, damit die Kinder an die Wasserhähne heranreichen können, macht die „Kita Kraftzentrale“ im Inneren gar kein schlechtes Bild. „Wir dürfen hier auch bohren und Bilder aufhängen“, sagt Leiterin Gerda Backes. In den nächsten Tagen soll die Holzvertäfelung bemalt werden, die aus Sicherheitsgründen an das Geländer im Treppenhaus angebracht wurde.

„Das Ganze ist natürlich nicht so schön und wirkt aus einem Guss wie eine Kita, die von Grund auf geplant worden ist“, sagte beim Elternabend Alsdorfs Erster Beigeordneter Ralf Kahlen. Gut möglich, dass sich im täglichen Leben in der Kita Schwierigkeiten auftun, dass in Sachen Sicherheit hier und da nachgebessert werden muss. Das Abenteuer hat jedenfalls begonnen und das Ziel ist die Rückkehr in die erweiterte und sanierte Kita Florianstraße. Ein Abriss dieses Gebäudes, wie er als schlimmste Möglichkeit im Raum stand, sei nach der bislang erfolgten Prüfung endgültig vom Tisch, so Kahlen. Wann die Kinder zurückkehren können, wird sich zeigen. Der Weg dorthin dürfte jedenfalls für alle Beteiligten spannend bleiben.

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