Kita-Streik: Vor dem Heidegarten staut sich die Wut

Von: Stefan Schaum
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Klare Botschaft: Jetzt ist mal genug! Nach drei Wochen der Schließung zeigen viele Eltern des Familienzentrums Heidegarten nur noch herzlich wenig Verständnis für den Streik. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Licht aus, Türen dicht. Und das schon seit drei Wochen. Nichts geht mehr im Familienzentrum Heidegarten. Während andernorts in Würselen in den städtischen Kitas wieder halbwegs normaler Betrieb läuft, läuft in Bardenberg bloß Streik total. Zu sagen, dass die betroffenen Eltern mit dieser Situation nicht glücklich sind, wäre arg untertrieben. Stinksauer sind sie. Und von Tag zu Tag staut sich die Wut.

Die muss jetzt mal raus. Sie wollen reden mit der Presse, sich Luft machen. Sprechen wollen sie zum Beispiel darüber, dass sie aus der Zeitung erfahren müssen, welche Kitas wie bestreikt werden. Infos aus der eigenen Kita bekämen sie dazu nämlich nicht, sagen sie. Keine Aushänge, gar nichts. „Wir haben erst am Freitag vor dem Streik in der Kita gehört, dass ab Montag längerfristig geschlossen ist. Und zwar nur auf ganz konkrete, direkte Nachfrage“, sagt Ralf Krychowski. Der Vorsitzende des noch jungen Fördervereins des Heidegartens hat kein Problem damit, an dieser Stelle seinen Namen zu lesen. Andere schon. Zwar stehen viele erboste Eltern draußen vor der Kita – aber die meisten wollen ungenannt bleiben und fürchten, dass es andernfalls Reibungen mit Erzieherinnen geben könnte, wenn der Betrieb endlich wieder läuft. „Da ist schon jetzt einiges an Porzellan zerbrochen“, sagt einer, „persönliche Beziehungen werden sicher hier und da leiden.“

Erst nach 14 Tagen Streik habe es ein Schreiben aus der Kita an die Eltern gegeben. Beginnend mit den Worten: „Nach zwei Wochen Streik haben wir das Bedürfnis, mit Ihnen in Kontakt zu treten“. Einer in der Runde liest den Anfang des Schreibens vor, die anderen lachen bitter. Nach zwei Wochen – wie Hohn klingt das in ihren Ohren.

Aber was ist denn mit der Solidarität, die Eltern vielerorts mit den Forderungen der Erzieherinnen nach besserer Entlohnung zeigen? Ja, die gab es auch in Bardenberg durchaus mal. Grundsätzlich gibt es sie vielleicht sogar noch immer, „aber irgendwann ist auch mal gut damit“, sagt eine Mutter. „Wir können auch nicht alles ertragen. Solidarität ist nicht eingleisig – hier geht es immerhin um das Kindeswohl!“

Wenn eine alleinerziehend und berufstätig ist wie Bianca Mattar, dann geht sie ohne Kita am Stock. Erst Anfang Mai hatte sie eine neue Stelle als Demenzbegleiterin begonnen. Auf 450-Euro-Basis. „Da sollte ganz schnell eine Teilzeitstelle draus werden“, sagt sie. Doch dann kam der Streik, ihr Vierjähriger blieb daheim – und jetzt ist sie schon froh, wenn sie überhaupt noch die paar Stunden arbeiten kann. Das mit der Teilzeitstelle hat sie für sich bereits geknickt.

Die Eltern helfen sich, so gut es geht. Sie haben eine eigene Notgruppe gestartet in der ansonsten leeren Kita. Es gibt dazu ein stilles Einvernehmen mit der Stadt. Täglich kommen ein paar Eltern und kümmern sich von 8 bis 14 Uhr um 20 Kinder. 20 von gut 100. Mehr können sie zeitlich nicht stemmen. Also ist es für viele bloß ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Erste Beigeordnete Werner Birmanns, der den Eltern den Schlüssel zur Kita gab, nimmt da kein Blatt vor den Mund. „Das ist eine richtig beschissene Situation für die Betroffenen.“ Wie lange die noch dauert? Kann er nicht sagen. Warum es nicht möglich ist, Kinder aus dem Heidegarten in Notgruppen auf andere Kitas zu verteilen, wie die Eltern es sich wünschen? „Dazu fehlen uns die Räume und das Personal. Das haut nicht hin.“ Er versucht, Wege zu finden, derweil wolle er „das Risiko der Elterngruppe in Kauf nehmen“, denn wie es bei einem Unfall um den Versicherungsschutz bestellt ist, ist schwer zu sagen.

Vor dem Heidegarten heißt es warten. Klar wollen sie auch dort, dass sich Streikende und Arbeitgeber schnell einigen. Doch glauben sie nicht daran, dass das bald geschieht. „Würselen ist pleite, wie soll das hier überhaupt gehen?“, fragt eine. Dass sie ihre derzeit fälligen Kitagebühren nicht wiedersehen dürften, haben die Eltern realisiert. Doch die Kinder sollen nicht draufzahlen, sagen sie. Die sollen wieder an dem vertrauten Ort sein dürfen. In der Kita.

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