Nordkreis - Kita-Notgruppen nur für den größten Bedarf

Kita-Notgruppen nur für den größten Bedarf

Von: Beatrix Oprée und Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Zu welchem Preis? Nach den bundesweiten Warnstreiks und Demos in den vergangenen Wochen soll nun der unbefristete Streik eine Lösung bringen. Foto: stock

Nordkreis. Auf Organisationsprobleme müssen sich junge Eltern spätestens ab Montag wieder einstellen. Nach der Komba, die zum Deutschen Beamtenbund (dbb) gehört und die sich bei der Urabstimmung in NRW mit 96,5 Prozent für einen unbefristeten Streik ausgesprochen hat, folgte am Mittwoch das bundesweite Votum der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di mit gut 93 Prozent.

Ver.di-Chef Frank Bsirske rief zugleich die Kommunen in die Pflicht und forderte die Eltern auf, bei den Arbeitgebern Druck zu machen: „Lassen Sie nicht zu, dass die Arbeitgeber versuchen, den Konflikt auf Ihrem Rücken und dem Ihrer Kinder auszusitzen. Wenden Sie sich an Ihren Oberbürgermeister, Bürgermeister, Landrat, an die Vorsitzenden der Stadt- und Gemeinderats- sowie Kreistagsfraktionen, damit diese ihren Einfluss im Arbeitgeberverband zur Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe nutzen.“

Vor Ort stellen sich die Jugendämter derweil wieder auf die Einrichtung von Notgruppen ein. Betroffen vom Ausstand sind nur die städtischen Einrichtungen, nicht die kirchlichen Häuser oder Kita-Initiativen freier Träger oder etwa des DRK beziehungsweise der AWO.

Drei von 22 Kitas sind in Herzogenrath vom Streik betroffen – am Wasserturm in Merkstein, an der Roermonder Straße in Pannesheide sowie am Astrid-Lindgren-Weg in Straß. In Rodas städtischen Einrichtungen werden rund 150 von stadtweit rund 1450 Kita-Kindern betreut. „Wir haben die entsprechenden Eltern schon sehr früh, nämlich als die Verhandlungen abgebrochen wurden, darauf aufmerksam gemacht, dass es nun zu einem unbefristeten Streik kommen könne und sie alle Möglichkeiten in Betracht ziehen sollten, ihre Kinder unterzubringen“, sagt Jugendamtsleiter Bernd Krott.

Für Kinder, deren Eltern nicht auf Verwandte oder Nachbarn setzen können, soll eine Notbetreuung eingerichtet werden. Krott: „Wir können allerdings kein Angebot für 150 Kinder machen.“ Denn die Stadt stößt schnell an ihre Grenzen. Krott: „Jetzt zeichnet sich ab, dass voraussichtlich nur zwei Fachkräfte nicht streiken und zur Verfügung stehen werden.“ Zusammen mit dem – nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD) bezahlten und deswegen nicht streikenden – pädagogischen Personal aus der integrativen Kita in Straß möchte der Jugendamtschef versuchen, die Notgruppe in den Räumen an der zentral im Stadtgebiet gelegenen Astrid-Lindgren-Weg einzurichten. „Für eine Woche könnten wir so das Schlimmste auffangen“, sagt er. Wohl wissend, dass sich die beiden besagten Erzieherinnen aber auch noch kurzfristig für den Streik entscheiden könnten: „Niemand muss das vorher bekannt geben.“ Ebenfalls bereits im Vorfeld hat das Jugendamt sondiert, wie viele Eltern eventuell eine Betreuung in Anspruch nehmen müssten.

Bernd Krott: „Wir hatten ja noch gehofft, dass sich Ver.di verhandlungsbereit zeigt, was die Einrichtung von Notdiensten angeht in den Städten, in denen alle kommunalen Kitas bestreikt werden. Doch das ist abgelehnt worden.“ In Baesweiler gibt es neben drei katholischen Kitas, einer evangelischen und dreien in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes neun städtische. Beziehungsweise: solche in Trägerschaft der Städteregion, da Baesweiler kein eigenes Jugendamt hat. Im Städteregionshaus war am Mittwoch auf Anfrage noch keine Rede von Plänen für Notfallgruppen. Noch wird beobachtet, wie sich die Lage entwickelt. Soll heißen, dass sich Eltern in Baesweiler auf eventuell kurzfristige Informationen einstellen müssen, wenn Kitas dicht bleiben.

Auch in Alsdorf gibt es noch keine fertigen Pläne, doch an denen wurde am Mittwoch bereits mit Hochdruck gearbeitet, wie der stellvertretende Fachgebietsleiter Jugend, Manfred Schmidt, sagte. Möglichst zeitnah sollen die Eltern informiert werden können – und es könnten einige betroffen sein. Zwar sind in Alsdorf „nur“ sechs Kitas in städtischer Trägerschaft und 13 weitere nicht – aber die Stadt betreibt die größten Einrichtungen. Etwa das Familienzentrum Florianstraße mit allein sechs Gruppen. Rund 40 Prozent der Kita-Plätze sind städtisch. Und rund die Hälfte der Erzieherinnen ist laut Schmidt gewerkschaftlich organisiert. Da tut es Not, sich auf das Drohende vorzubereiten.

Die Stadt Würselen unterhält vier Kindertagesstätten – Heidegarten, Gerhart-Hauptmann-Straße, Lessingstraße und In der Dell. Die Kindertagesstätte Heidegarten wird wieder komplett und dauerhaft bestreikt, berichtet Stadtsprecher Bernd Schaffrath auf Anfrage. „Hier können auch keine Notgruppen angeboten werden. Familien, die dringende, nicht selber lösbare Unterbringungsprobleme haben, sollten sich ans Stadtjugendamt wenden.“ Die Kita Gerhart-Hauptmann-Straße wird teilweise bestreikt. Dort gebe es in Folge reduzierte Öffnungszeiten. In der Dell wird ebenfalls teilweise bestreikt, jedoch nur von einigen wenigen Mitarbeiterinnen; dort sei die Betreuung demnach sichergestellt. Und die Kita Lessingstraße sei vom Streik nicht betroffen, teilt Bernd Schaffrath mit.

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