Kisten-Aktion der Tafel: Am Ende reicht es nicht für alle

Von: Holger Bubel und Elisa Zander
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Saft, Gemüse, Kuscheltiere: Die Weihnachtskisten für die Würselener Tafel sind gut gefüllt. Und für die Kinder gibt es Spielsachen. Foto: E. Zander
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Haben fleißig für Bedürftige in Alsdorf gesammelt und Kisten gepackt: die Schüler der Realschule Marienschule. Foto: Holger Bubel

Alsdorf/Würselen. Ob die Kisten am Ende reichen werden? Jürgen Hohlfeld, Vorsitzender der Würselener Tafel, kann nur hoffen. Etwa 200 Weihnachtskisten stehen nach vier Stunden Annahme im Pfarrheim St. Sebastian auf den Tischen. Gebraucht wird mindestens die doppelte Anzahl.

„Wir hoffen, dass wir niemanden ohne dieses Geschenk gehen lassen müssen“, sagt Hohlfeld. Aber bis zum Abend bleibt noch Zeit. Dann wird Bilanz gezogen.

Nach Herzogenrath und Baesweiler am Vortag war am Mittwoch in Alsdorf und Würselen Annahme der Weihnachtskisten, eine Aktion unserer Zeitung und des WDR.

Auf rückläufige Spendenbereitschaft wollen Hohlfeld und seine Stellvertreterin Ursula Best die Anzahl der Kisten nicht zurückführen. Im Gegenteil: „Wir bekommen in der Weihnachtszeit relativ viele Geldspenden“, erzählt Hohlfeld. Doch wenn die Weihnachtskisten verteilt werden, erscheinen auch Bedürftige zur Ausgabe, die sonst nicht die Unterstützung der Tafel nutzen. „Ich vermute, die Barriere zur Tafel zu gehen ist größer, als dieses eine Mal hierher zu kommen“, schätzt Hohlfeld die erhöhte Nachfrage ein.

Auch Kinder unterstützen die Aktion. Tische voller Spielzeug reihen sich im Pfarrheim St. Sebastian aneinander. Kinder haben gespendet, darunter die des Familienzentrums Gerhart-Hauptmann-Straße. Untereinander teilen und aneinander denken – „das lernen sie schon in der Kita und das prägt für das Leben“, sagt Hohlfeld. Schließlich sollen die Kinder nicht Spielzeug aussortieren, sondern etwas weitergeben, das ihnen selbst wichtig ist.

Genügend Lebensmittel im Lager

In Alsdorf werden alle Kunden des Tisches eine Weihnachtskiste erhalten, kann Diakon Joachim Stümpel versprechen. „Wir habe noch genügend Lebensmittel auf Lager, um unseren rund 500 Kunden mit etwa 120 Kindern ein schönes Fest zu bescheren.“ Was Stümpel besonders berührt: Viele der Spender haben selbst nicht viel. Und sind dennoch bereit zu teilen. „Eine zunehmende Verarmung der Menschen ist erkennbar. Ich möchte keine Prognose erstellen, ob wir in kommenden Jahren diese Aktion noch in diesem Rahmen fortführen können.“

Umso erfreulicher sind für den Diakon Aktionen, wie sie die Realschule Marienschule initiiert hat. Die Religions- und Philosophie-Lehrer der Schule ermuntern seit vier Jahren die Schüler, Kleinigkeiten – Lebensmittel, aber auch Spielzeug – für Bedürftige mitzubringen: „Und die Schüler machen das gerne“, erklärt Lehrerin Michaela Pachow.

Mehr als 40 Kisten sind es in diesem Jahr gewesen, die Diakon Stümpel an der Realschule abholen konnte. Auf die Ausgabe freut er sich schon: „Dann kommen alle ehrenamtlichen Mitarbeiter. Zu sehen, wie die Menschen sich freuen, ist auch ein bisschen der Lohn für die Arbeit übers Jahr. Das ist immer eine ganz besondere, vorweihnachtliche Atmosphäre.“

Einige Zeit später steht in Würselen fest: Es wird nicht für alle Bedürftigen reichen. 320 Kisten sind es eine Stunde vor Annahmeschluss. „Das kriegen wir dieses Jahr wohl nicht hin“, sagt Hohlfeld traurig, betont aber auch, dass man keine Kisten umpacken wolle: „Es ist ein Geschenk und das soll so bleiben. Eine Tafel kann nur so viel geben, wie sie hat.“

Im nächsten Jahr will man verstärkt Kitas und Schulen zur Mithilfe ansprechen. Damit jeder Bedürftige in der Düvelstadt ein schönes Fest dank Weihnachtskiste feiern kann.

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