Herzogenrath - Kirchgemeinden wachsen wieder zusammen

Kirchgemeinden wachsen wieder zusammen

Von: Verena Müller
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Enger Schulterschluss der Kirchengemeinden Herzogenrath (Mitte und Kohlscheid) und Merkstein: (v.l.): Frank Ungerathen, Dr. Britta Schwering, Renate Fischer-Bausch, Marianne Helbig, Joachim Wehrenbrecht und Dr. Britta Rosen. Foto: Verena Müller

Herzogenrath. Nachdem die Evangelischen Kirchengemeinden Alsdorf, Würselen und Hoengen-Broichweiden zum Jahresbeginn zur Christusgemeinde fusioniert sind, steht nun die nächste Fusion im Nordkreis an: Die bislang eigenständigen Gemeinden Herzogenrath und Merkstein wollen sich zu Beginn des kommenden Jahres zur „Evangelischen Lydia-Gemeinde Herzogenrath“ zusammenschließen.

„Die Standorte und Gottesdienststätten bleiben vor Ort“, erläuterte Pfarrerin Renate Fischer-Bausch (Martin-Luther-Kirche Merkstein) bei der Vorstellung der Fusion. Und Dr. Britta Rosen, Baukirchmeisterin in Herzogenrath, ergänzt: „Es geht nicht darum, Standorte zu schließen.“

Jeder Bereich soll aber so aufgestellt werden, dass er langfristig wirtschaftlich ist. Heißt, dass an den einzelnen Standort Schwerpunkte gesetzt werden. Die Frauenhilfe zum Beispiel bleibt, wo sie bereits stark ist, nämlich in Merkstein. In Kohlscheid und in Herzogenrath-Mitte hatte sie sich eh schon aufgelöst. Das Familienzentrum bietet sich für Kinder- und Familienthemen an, weitere Akzente sollen Senioren, Spiritualität und Kultur sein.

Das Gottesdienstangebot soll vielfältiger werden, so ist beispielsweise ein Termin für den Samstag angedacht. So soll jeder nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich nach „Neigungen“ entscheiden können, wie Pfarrer Joachim Wehrenbrecht (Markuskirche Herzogenrath) sagte. Ab September soll bereits ein reger „Kanzeltausch“ stattfinden. Mit anderen Worten: Die Bindung an eine Kirche wird aufgelockert, jeder predigt auch mal von einer anderen Kanzel.

„Wir setzen auf die Mobilität künftiger Generationen“, fügte Wehrenbrecht an. Und was ist mit der aktuellen, vor allem älteren Generation? Auch wenn sich das neue Gemeindegebiet in der Längenausdehnung „nur“ auf 16 Kilometer erstreckt? Presbyterin Marianne Helbig (Merkstein): „Wir denken über einen Fahrdienst nach.“

Die Presbyterien bleiben bis zum nächsten Wahltermin 2020 bestehen, ab 2018 aber in Form eines Bevollmächtigtenausschusses. Danach wird ein gemeinsames, neues Presbyterium gebildet.

Die Gemeindemitgliederzahl beläuft sich derzeit für Merkstein auf 2305, Kohlscheid: 2297 und Mitte: 1951. Vor 1960 gehörten auch noch Richterich und Horbach zum Gemeindegebiet, damals wurden 8000 Mitglieder gezählt.

Zusammengelegt werden sollen ab Januar die Gemeindebüros und Archive sowie das Vermögen und: Es wird gerade ein neues Siegel gestaltet. Bislang gibt es nur Entwürfe, wahrscheinlich sind die Motive Fisch, Kreuz und Wasser.

Das Wasser verweist auf die Taufe und damit auch auf die neue Namensgeberin, Lydia: „Unsere fusionierte Gemeinde liegt im Dreiländereck. Wir unterstützen mit der Namenswahl bewusst den europäischen Gedanken und Einigungsprozess“, führte Wehrenbrecht aus. „Lydia steht dafür, dass das Evangelium allen Menschen gilt, unabhängig von ihrer Nationalität oder kulturellen Herkunft.“ Lydia hieß nämlich die erste Christin in Europa.

Sie ließ sich gemeinsam mit ihrer gesamten Hausgemeinschaft taufen, nachdem die Purpurhändlerin den Apostel Paulus von Tarsus und seinen Begleiter Silas in ihr Haus aufgenommen hatte. „Wir vergegenwärtigen mit der Namenswahl, dass Frauen ebenso wie Männe für die Verbreitung des Evangeliums sorgen und sich mit besonderer Verantwortung im Gemeindeleben engagieren“, schloss Wehrenbrecht.

Die Vorbereitungen, beziehungsweise die ersten Gespräche über eine Fusion laufen bereits seit 2014. „Mein Eindruck ist, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagte Pfarrer Frank Ungerathen (Lukas-Gemeindezentrum Kohlscheid). Unaufgeregt und positiv sei die Stimmung – wie man auch beim offiziellen Termin deutlich spüren konnte. Vielleicht, weil es bereits gemeinsame Wurzeln gibt: Merkstein gehrte nämlich früher zu Herzogenrath und ist er seit April 1960 eigenständig. „Es gibt mehr, was uns verbindet, als uns trennt“, stellte Fischer-Bausch fest. Und einen gemeinsamen Gemeindebrief gibt es ja eh schon.

Übrigens dürfte dies nicht die letzte Fusion im Nordkreis gewesen sein, sondern nur die vorletzte: Derzeit laufen auch in Baesweiler und Setterich-Siersdorf Gespräche. Dieser Zusammenschluss stünde aber erst 2019 an.

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