Kirchengemeinde stellt Pfarrhäuser für Flüchtlinge zur Verfügung

Von: bea
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Integration ist hier Programm: Pfarrer Frank Ungerathen (2.v.r.), Flüchtlingsberaterin Judith Kuntz (hinten 2.v.l.) und Verena Muhl (r.) heißen die neuen Gemeindemitglieder willkommen. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Das Wort Willkommenskultur mit Leben zu füllen, darum bemüht sich die evangelische Kirchengemeinde Herzogenrath schon seit vielen Jahren. Begonnen hatte alles mit der Flüchtlingsberatung, aus der der rührige multinationale Arbeitskreis „Hand in Hand“ erwachsen ist, der, koordiniert von Flüchtlingsberaterin Judith Kuntz, viele Aufgaben in der Betreuung stemmt.

Angesichts des Wohnraummangels hat sich die Gemeinde entschlossen, nun auch die beiden Pfarrhäuser für Asylsuchende zur Verfügung zu stellen. Sie wurden an die Stadt Herzogenrath vermietet, die die entsprechenden Umbauten vornahm. In der Lukas-Gemeinde herrschte jetzt freudige Aufregung, als die neuen Bewohner einzogen.

16 Menschen leben nun in einer Wohngemeinschaft zusammen, teilen sich eine Küche, zwei Badezimmer, drei Toiletten und mehrere Waschmaschinen. Alle haben in anderen Unterkünften gelebt und müssen sich an die neue Gemeinschaft gewöhnen. Doch Fuß zu fassen, soll ihnen leicht gemacht werden, durch individuelle Unterstützung und Integration ins Gemeindeleben.

In Freiheit geboren

So kommt der 30-jährige Bakri Junus gerade in Begleitung von Arbeitskreis-Mitglied Verena Muhl aus dem Krankenhaus zurück. Seine Frau Neima hat ein Baby bekommen, Azim soll der Kleine heißen. Das Paar stammt aus Eritrea. Vor dem Krieg im Irak sind Ali Mukhlef (31) und Marwa Al-Mahdawi (30) mit ihren beiden kleinen Töchtern geflohen. Die beiden Ärzte hoffen auf einen Neuanfang in Deutschland.

Trotz Sprachbarriere, Deutschkurse konnten sie noch nicht besuchen, wollen sie sich einbringen, wo sie können. Mukhlef ist auf Basis seiner Englischkenntnisse ein gefragter Dolmetscher, zudem ärztlicher Berater bei der VSG Kohlscheid. Lehrerin für Chemie war Pari Sabawoon (55), bevor sie mit ihrem 16-jährigen Sohn aus Afghanistan fliehen musste. Auch Azal Al Badri hat jetzt ein kleines Zimmer in Kohlscheid, bisher war die Buchhalterin aus Bagdad in Bierstraß untergebracht.

Noch eine fünfköpfige Familie, kurdische Yesiden aus Syrien, wohnt mit im Haus. „Sie alle sind ein Gewinn für die Gemeinde“, sagt Pfarrer Frank Ungerathen und erinnert: „Nach dem Krieg wurden Millionen Binnenflüchtlinge aufgenommen. Da sollten heute ein paar Zehntausend Flüchtlinge mehr kein Problem sein.“ Diese Haltung wolle man der Gemeinde vermitteln. Auf der Landessynode der Rheinischen Kirche war unlängst betont worden, welche Schande es für Europa sei, dass Menschen massenhaft im Mittelmeer stürben und das System der Verteilung von Flüchtlingen nicht funktioniere.

Ungerathen, der Erfahrung mitbringt aus der seelsorgerlichen Begleitung von Asylbewerbern und traumatisierten bosnischen Bürgerkriegsflüchtlingen, lobt die Stadt Herzogenrath dafür, „alles Mögliche zu tun, um auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge einzugehen“.

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