Kirche St. Gertrud wird mit großem Aufwand saniert

Von: Markus Bienwald
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Außen stehen die Gerüste noch eine Zeit lang, aber drinnen wird alles zum Eröffnungstermin am Sonntag, 3. September, fertig sein. Foto: Markus Bienwald (4)/Klaus Puhl
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Drei Männer, eine Mission: Klaus Puhl, Matthias Schillings und Pfarrer Dr. Guido Rodheudt (v.l.) wollten die Kirche St. Gertrud im Herzen von Herzogenrath wieder zum lebendig nutzbaren Denkmal machen. Foto: Markus Bienwald (4)/Klaus Puhl
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Die Orgel erstrahlt nun optisch wie klanglich wieder in neuer Pracht. Foto: Markus Bienwald (4)/Klaus Puhl
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Während der Sanierung war das Kirchenschiff innen natürlich kaum wiederzuerkennen. Foto: Markus Bienwald (4)/Klaus Puhl
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Die Welt auf den Kopf stellen: Das geht zumindest auf dem Trampolin schon seit 50 Jahren im Jugendzentrum HOT, das mit der Kirchen-Wiedereröffnung sein 50-jähriges Bestehen feiert. Foto: Markus Bienwald (4)/Klaus Puhl

Herzogenrath. Matthias Schillings atmet tief durch, als er durch die Tür der Pfarrkirche von St. Gertrud schreitet. Draußen steht noch ein Gerüst, die Arbeiten unten am äußeren Mauerwerk lassen erahnen, dass es dem Kirchengebäude, das vor rund einem Jahrhundert erbaut wurde, nicht gut ging.

 „Aber jetzt kann man den Aufenthalt in der Kirche wieder genießen“, ergänzt auch Klaus Puhl. Gemeinsam mit Pfarrer Dr. Guido Rodheudt gestatten die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde unserer Zeitung einen exklusiven Blick hinter die monatelang verschlossenen Portale. Drinnen breitet sich ein frisch getünchter Innenraum aus. Er ist nicht überarbeitet oder – wie mancher es formulieren würde – verschlimmbessert worden.

„Wir wollten, dass mit der notwendigen Sanierung der Kirche innen der alte Eindruck erhalten bleibt“, betont der Pfarrer. Natürlich wird es Ersatz für die durchgesessenen Sitzpolster geben, und auch die Beleuchtungstechnik ist neu. Ein Beispiel ist die Beleuchtung im Altarraum, die früher per 500-Watt-Strahler geschah, und nun einem energiesparenden Konzept gewichen ist. Was es im Gegensatz zu manch anderer in letzter Zeit modernisierter Kirche nicht gibt, sind neue Designelemente.

Die Heiligenfiguren wurden restauriert, die Fensteranlage überarbeitet und teils ersetzt, die Orgel gereinigt und überarbeitet, alles wurde gesäubert, ein neuer Anstrich wurde im Stil des Alten ausgeführt. Und im Verborgenen zog über eine angepasste Haustechnik im Verborgenen die Moderne ein. Dazu gehört unbedingt auch die verbaute Zwangsentlüftung, die elektronisch gesteuert wird, und die im Zusammenspiel mit der neuen Heizung das Raumklima im Kirchenschiff auf ein neues Niveau hebt.

Nötig wurde die erzwungene Entlüftung, weil die Kirche mit der Zeit Wasser aufsaugte wie ein Schwamm. „Aufgefallen ist uns das durch Flugschimmel“, so Matthias Schillings vom Bauausschuss der katholischen Kirchengemeinde. Was zunächst wie ein kleineres Problem aussah, entpuppte sich schnell als Großbaustelle.

Hausschwamm festgestellt

„Im rechten Seitenschiff wurde ein Hausschwamm festgestellt“, berichtet er weiter, die Kirche blieb bis auf Weiteres geschlossen. Bei der genauen Untersuchung sahen die Beteiligten, dass Wasser über ein defektes Stück Dach eindringen konnte. Verbunden mit der in den 1970er-Jahren eingebauten Dämmung bot sich der Feuchtigkeit so ein idealer Nährboden.

„Von außen war der Schaden nicht sichtbar, selbst eine Fachfirma konnte das erst feststellen, als sie das Dach öffneten“, berichtet der Geistliche. Da das Dach als geklebte Holzbalkendecke ausgeführt war und wie früher üblich mit Kies abgedeckt wurde, konnte der strukturelle Schaden erst so spät festgestellt werden.

Wichtige Anlaufstelle

Dass es zu spät war für das Kirchengebäude, war für die Gemeinde und auch das Bistum von vorneherein kein Thema. „Die Kirche hier ist eine wichtige Anlaufstelle und als Wegekirche nicht wegzudenken“, betont Pfarrer Pfarrer Dr. Guido Rodheudt. Die nur rund 800 Meter entfernte Kirche St. Maria Himmelfahrt wurde von vorneherein als Ausweichkirche ins Visier genommen, nur eine Kirche im Zentrum von Herzogenrath war nicht mit der Identifikation der Gläubigen vereinbar. „Ganz zu geht nicht“, so der Pfarrer, „in St. Gertrud haben wir eine ideale Anlaufstelle, die auch noch an einer Stelle mit guter Einsehbarkeit liegt, und sich somit als halbtags geöffnete Kirche geradezu anbietet“.

Über schlechten Besuch beschwerte man sich in St. Gertrud nicht, Pfarrer Rodheudt war eigentlich immer zufrieden, darum gab es für ihn keinen Grund, großartig über eine Schließung nachzudenken. Dennoch: Gerade in Zeiten, wo über das Kirchliche Immobilienmanagement (KIM) immer mal wieder die Notwendigkeit betont wird, aus Kostengründen Gebäude und Kirchen zu schließen oder anderweitig zu nutzen, war natürlich die Finanzierung eins der Hauptthemen, mit der sich die Gemeinde vor Beginn der Bauarbeiten beschäftigen musste.

800.000 Euro kostet die Sanierung nach jetzigem Stand, selbst bei den Zuschüssen durch das Bistum bleiben rund 280.000 Euro bei der Gemeinde hängen. „Davon kann man sich schon ein neues Häuschen bauen“, sagt der Pfarrer zu den Kostendimensionen. So wird immer noch Geld gesammelt, gleichzeitig betonen die Drei, dass die Zusammenarbeit mit dem Bistum Aachen, sowie den beteiligten Denkmalbehörden wunderbar geklappt hat.

Wunderbar ist für die drei Herren von der Gemeinde auch, dass „ihre“ denkmalgeschützte Kirche nun wieder als lebendiges Denkmal der Gemeinde nutzbar ist. „Schauen Sie, die Kirche wurde mitten im Ersten Weltkrieg gebaut, ein wirklich ungewöhnlicher Zeitpunkt, der aber viel darüber aussagt, dass die Menschen einen festen Glauben hatten“, sagt Klaus Puhl.

„Es gab einen Frauentausch“

Im Laufe der Jahre veränderte sich der Baukörper, durch die Stellung von Herzogenrath als aufstrebendem Industriestandort und dem daran angebundenen Zuzug von Menschen wurde die Kirche erweitert. „Lebendig erweitert, wie ich finde, denn damit ist die Kirche auch ein Zeitzeuge“, betont Matthias Schillings. Während der Sanierung offenbarte das Gebäude nicht nur seine Schwachstellen, sondern auch seine Geschichte, denn schließlich sind die Umbauten immer auch Teil der Kirchengeschichte gewesen. „Und auch dieses Kapitel trägt nun wieder seinen Teil dazu bei“, so der Pfarrer.

Ein Detail wird den Kennern des Gebäudes übrigens neu vorkommen, wenn am Sonntag, 3. September, die Kirche mit einem Festhochamt wieder neu präsentiert wird – übrigens pünktlich zum 50-jährigen Bestehen des benachbarten Jugendzentrums HOT und des Kindergartens St. Gertrud.

„Es gab einen Frauentausch an St. Gertrud“, meint Pfarrer Dr. Guido Rodheudt augenzwinkernd. Damit meint er den Tausch der Figuren der Mutter Gottes und der Namensgeberin der Kirche. „Die Mutter Gottes steht nun für den Besucher rechts vom Altar viel besser einsehbar, und direkt im Blickpunkt“, sagt der Pfarrer. Finanziert wurde diese Aktion übrigens von der Frauengemeinschaft St. Gertrud, die sich, wie viele andere auch, beim Umbau nicht nur finanziell, sondern auch ideell einbrachten.

Außenarbeiten gehen weiter

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, finden die drei Männer. „Endlich sieht es wieder aus wie eine Kirche“, schließt Matthias Schillings. Und mit dem Schlüssel zum Haupteingang in der Hand schreitet er den Weg ab, genießt die durch die neue Fensteranlage größere Helligkeit im Innenraum und atmet noch einmal tief durch. Denn auch, wenn außen noch die Gerüste ein wenig länger stehenbleiben – eine Fertigstellung von außen wird noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, ist in der Kirche nun wieder alles in Ordnung.

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