Würselen - Kirche samt Kunst retten: Neues Schieferdach für St. Lucia

Kirche samt Kunst retten: Neues Schieferdach für St. Lucia

Von: Georg Pinzek
Letzte Aktualisierung:
Ortstermin: Architekt Mathias
Ortstermin: Architekt Mathias Paulssen (2.v.l.) bespricht mit Hans-Dieter Schmitz (l.), Harald Merzbach (2.v.r.) und Horst Schneider (l.) die Pläne.

Würselen. Dabei hat alles scheinbar ganz harmlos angefangen. Ein wenig Putz bröckelte von der Decke und den Wänden der Pfarrkirche St. Lucia. Das ist bei einem altehrwürdigen Gemäuer nicht gerade spektakulär.

In der Broichweidener Kirche, deren Markenzeichen das weithin sichtbare „Flachdach” des helmlosen Turms ist, gilt das besondere Augenmerk nicht nur den wunderschönen Glasfenstern von Professor Ludwig Schaffrath, sondern auch den bewundernswerten Deckenausmalungen, mit denen der Alsdorfer Künstler das Gotteshaus 1993 bis 1995 „himmlisch” verschönerte. Zunächst ahnte keiner, wie groß die Bedrohung für die weit über die Region hinaus bekannte und geschätzte Ausgestaltung des Gotteshauses ist. Erst bei genauem Hinsehen wurde offensichtlich, dass ein mächtiger Wasserschaden Ursache des Übels ist.

Richtig anpacken

Gott sei Dank wurde die Gefahr für Kirche und Kunstwerk erkannt. Das Dach war marode, Regenwasser drang ins Mauerwerk ein. Schnell wurde klar, dass mit kleineren Reparaturen das Ganze nicht erledigt werden kann. Das komplette schiefergedeckte Dach muss saniert werden. Ein gewaltiges Baugerüst verhüllt in diesen Tagen in großen Teilen das Broichweidner Wahrzeichen. Die gründlichen Sanierungsarbeiten laufen seit wenigen Wochen. In den vergangenen Jahren ist immer wieder und viel repariert worden. „Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, wo man die Sache richtig anpacken muss”, erklärt der zuständige Architekt Mathias Paulssen vom Aachener Büro Paulssen und Schlimm.

Bei Hans-Dieter Schmitz rennt er damit offene Türen ein. Der Broichweidener ist Mitglied des Bauausschusses von St. Sebastian und sorgt sich auch in der Großpfarrei weiterhin mit an verantwortlicher Stelle um die kirchliche Immobilie in Broichweiden. Für ihn ist und bleibt der Erhalt des Gotteshauses eine Herzensangelegenheit. Kirche samt Turm ist eben für eine Gemeinde ein steinernes Symbol des Glaubens und für so manche Außenstehende zumindest ein Fixpunkt der Heimat.

Bauausschussvorsitzender Horst Schneider lobt bei der Rettungsaktion die gute Zusammenarbeit mit dem Architekten, dem Verwaltungszentrum und der Bauverwaltung des Bistums. Die Verantwortlichen in der Domstadt hätten schnell und flexibel reagiert, als die Schäden entdeckt wurden.

Eine gute Qualität

In zwei Bau- und Finanzierungsabschnitten werden immerhin rund 830.000 Euro investiert, 30 Prozent der Kosten muss die Großgemeinde stemmen. 2013 sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein. 1800 Quadratmeter Dachfläche werden in Kürze mit neuem Moselschiefer eingedeckt. „Der hat eine gute Qualität und ist haltbarer, weil untertägig abgebaut”, informiert Paulssen beim Ortstermin. Überregional wurde die Baumaßnahme ausgeschrieben, den Zuschlag, weil am günstigsten, erhielt die Aachener Firma Vogel. „Die hat ein sehr kompetentes Team”, sagt der Architekt, „denn nur richtig gute Handwerker können bei solch einem Projekt bestehen.”

Spenden willkommen

Beim Wiederaufbau der stark zerstörten Kirche sei jede Menge Restholz verbaut worden, erklärt Paulssen. Auch alte Munitionskisten waren dabei. Die Dachschalung wird komplett ausgetauscht. Auch ein paar schadhafte Sparren sind bereits ausgewechselt worden. Paulssen: „Das Holzwerk wird ertüchtigt, da haben wir Gott sei Dank nicht so viel machen müssen.” Behoben werden auch noch verschiedene Mauerwerkschäden. Die bislang mit Zinkblech ausgeschlagenen Rinnen werden komplett neu gemacht und mit Bitumenpappe ausgekleidet. „Diesem Material machen die starken Temperaturschwankungen nicht so viel aus”, erläutert der Architekt. Lediglich außen sichtbar wird weiter ein Zinkband zu sehen sein. Für den Vierungsturm soll eine Stützkonstruktion eingebaut werden.

St. Lucia wird noch geraume Zeit eine prominente und große Baustelle bleiben. Auch im Innenraum werden die Handwerker noch viel zu tun haben. Die Kostenermittlungen für diese Reparaturen laufen noch. Dort ist das Ausmaß der Schäden noch gar nicht absehbar. So große Herausforderungen sind auch echte Nagelproben für die relativ junge Großgemeinde St. Sebastian. Verwaltungskoordinator Harald Merzbach freut sich über die gut funktionierende Zusammenarbeit auch bei diesem Projekt. Selbstverständlich sind Spenden für die Sanierung sehr willkommen. Das entsprechende Konto bei der VR-Bank Würselen hat die Nr. 100 228 017 (BLZ: 391 629 80), Stichwort: Dach St. Lucia.

Rund um St. Nikolaus gibt es noch etwas zu tun

Auch das Dach von St. Nikolaus in Linden-Neusen ist erst kürzlich neu mit Schiefer eingedeckt worden. Bis auf eine Langhausseite, die bereits in den 90er Jahren gemacht werden musste, wurden auch die Steinflächen überarbeitet. Für die Sanierung verantwortlich zeichnete ebenfalls das Aachener Architekturbüro Paulssen und Schlimm. Mathias Paulssen erläutert auf Anfrage: So seien auch die Natursteinmaßwerke ausgebessert worden.

Die Maßwerkkronen, die Schmuckteile im Fenster, seien in keinem guten Zustand gewesen. Im Zuge dessen seien die Gläser herausgenommen worden, instand gesetzt, gereinigt und wieder eingebaut worden. In Abschnitten sei rund eineinhalb Jahre an dem sakralen Bauwerk gearbeitet worden. Paulssen: „Was noch bleibt, sind Flächen um die Kirche herum. Das sind alte Asphaltflächen, die durch Wurzeln teils verworfen sind. Wegen Sturzgefahr müssen auch diese in Ordnung gebracht werden. Wenn wir sie entsiegeln können durch Splitt oder Pflaster, spart die Gemeinde Geld, weil die Niederschlagsgebühren sinken.” Mehrere hunderttausend Euro mussten auch hier für die Sanierung aufgebracht werden.

Turmbesteigung am Wochenende

Fest der Begegnung: Unter diesem Motto lädt die Gemeinde St. Lucia am Samstag, 8. September, zu ihrem Gemeindefest ein. Zwischen Kirche, Pfarrheim und Kindergartenwiese soll gemeinsam gefeiert werden. Auch in diesem Jahr wird der Gemeindeausschuss von vielen Vereinen und Gruppen unterstützt. Das Fest beginnt um 15 Uhr mit einem Wortgottesdienst in St. Lucia, ab 15.30 Uhr stehen Kaffee und Kuchen im Pfarrheim, Kinderspiele auf der Kindergartenwiese und Kirchenführungen mit Turmbesteigung auf dem Programm. Ab 17.30 Uhr ist ein gemütliches Beisammensein bei Essen und Trinken im Weidengarten angesagt. Abends laden die Gastgeber zu Lagerfeuer und Stockbrot ein.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert