Kirche in Ofden weicht Kindergarten

Von: Karl Stüber
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Dieses Foto wird in wenigen Monaten historischen Wert haben: Die Paul-Gerhardt-Kirche und deren Nebengebäude werden abgerissen, um dort den Kindergarten neu zu errichten. Nur der Kirchturm bleibt erhalten. Zudem sind barrierefreie Wohnungen geplant. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Helmut Pustolla hält Wort und macht Dampf. Auf Grundlage des Beschlusses des Bevollmächtigtenausschusses der evangelischen Gemeinde Alsdorf, dessen Vorsitzender er ist, hat der Baesweiler Architekt Siegfried Schaffrath ein Bebauungskonzept für das Areal der Kirchengemeinde in Ofden entwickelt, das er jetzt im Stadtentwicklungsausschuss vorstellte.

Der Planer, der übrigens dem Presbyterium der evangelischen Gemeinde in Baesweiler angehört, stellte klar, dass die Planung stetig verfeinert werde. An dem grundsätzlichen Konzept werde sich aber nicht mehr viel ändern.

Das bekräftigte auch Helmut Pustolla auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Konzept ist am vergangenen Sonntag nach einem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche auch in einer Versammlung der Gemeinde vorgestellt worden. „Da war kein Widerspruch zu hören“, sagte Pustolla. Bei dieser Gelegenheit wurden zudem die ehemaligen Presbyter offiziell und feierlich verabschiedet. Der Bevollmächtigtenausschuss war vom Kirchenkreis eingesetzt worden, weil das Presbyterium nach einigen Rücktritten nicht mehr handlungsfähig war.

Das Konzept lehnt sich an Vorüberlegungen zum Bau von barrierefreien Wohnungen an und nimmt den Grundsatzbeschluss des Bevollmächtigtenausschusses auf, den evangelischen Kindergarten völlig neu zu bauen. Um die der Kommune zugesagte Einrichtung der U3-Betreuung zum aktuellen Kindergartenjahr umzusetzen – die Stadt Alsdorf hat im Gegenzug den Anteil des „armen“ evangelischen Kiga-Träger EVA in Höhe von rund 77.000 Euro jährlich übernommen – wurden für zwei Jahre Container aufgestellt. In dieser Zeit muss der Kindergarten neu errichtet werden und soll das Provisorium ausgedient haben.

Das überarbeitete Konzept sieht nun vor, die bereits entwidmete Paul-Gerhardt-Kirche abzureißen, ebenso das Jugendheim und das Pfarrheim nebst ehemaliger Pfarrerwohnung. „Wir wollen Ende 2015 mit dem Neubau des Kindergartens fertig sein. Deshalb könnte schon im Januar mit dem Abriss der Altbauten begonnen werden“, sagte Pustolla. Nur der Kirchturm bleibt stehen – und das aus zwei Gründen, die Architekt Schaffrath darlegte. Zum einen stellt der Kirchturm einen hohen ideellen Wert gerade für die älteren Ofdener dar. Zum anderen bleibt der Turm aus wirtschaftlichen Gründen stehen, denn auf dem „Kopf“ thronen diverse Richtfunkantennen, für die die evangelische Gemeinde jährlich gutes Geld einnimmt, das dringend gebraucht wird. Dies bestätigte der Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses, Helmut Pustolla, gegenüber unserer Zeitung. Im Ausschuss war die Rede von „Identifikationspunkt“ und „prägnantem städtebaulichem Blickpunkt“.

In einem ersten Bauabschnitt wird die neue Kindertagesstätte im nordöstlichen Grundstücksteil an der Theodor-Seipp-/Ecke Daniel-Schreber-Straße errichtet. In der Endausbaustufe soll ein drei Gruppen umfassender Kindergarten errichtet werden, alles ebenerdig, so der Architekt. Die Flächen zwischen den Baukörpern werden überdacht. Laut Pustolla hat sich zwischenzeitlich die evangelische Gemeinde mit dem städtischen Jugendamt angestimmt. Jetzt werde der notwendige Antrag an den Landschaftsverband Rheinland gestellt, um für Investition und Betrieb entsprechende Förderung zu erhalten. Der Neubau des Kindergartens werde rund eine Million Euro kosten. Der Bevollmächtigtenausschuss wird jetzt dem Trägerverein EVA einen den gesetzlichen Grundlagen entsprechenden Mietvertrag auf 20 Jahre vorlegen.

In einem zweiten Bauabschnitt werden nach Umzug der Kinder und des Betreuungspersonals der alte Kindergarten abgerissen und auf der Fläche drei barrierefreie Mehrfamilienhäuser zu je sechs Wohnungen errichtet. Ein Wohnblock soll Eigentumswohnungen beinhalten, die beiden anderen Mitwohnungen. Bereits am Rande der letzten Gemeindeversammlung haben sich Bürger für die barrierefreien Wohnungen interessiert, sagte Pustolla. Der Stadtentwicklungsausschuss beschloss, dass die Verwaltung die bereits laufende Anpassung des bestehenden Bebauungsplans, der die ursprünglichen Überlegungen der evangelischen Gemeinde zur Grundlage hatte, stoppt und nun ein dem geänderten Vorhaben „städtebauliches Plankonzept“ erarbeitet, um die Grundlage für entsprechendes Baurecht zu schaffen.

Noch eines haben der Bevollmächtigtenausschuss beschlossen und die evangelische Gemeinde akzeptiert. Die Totenglocke, die an die Opfer des Bergwerksunglücks in Alsdorf im Jahre 1930 erinnert und lange in Ofden stand, wird nicht im Bereich Gemeindezen-trum Martin Luther aufgestellt, sondern der vom Bergbaumuseumsverein Grube Anna 2 errichteten neuen Barbarakapelle überantwortet, wie Pustolla sagte. So finden die heilige Barbara, die in Zeiten des Steinkohlenbergbaus unter Tage über die Geschicke der Bergleute wachte, und die Totenglocke zusammen.

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