Baesweiler - „Kinderwunderladen“: Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern

„Kinderwunderladen“: Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern

Von: Stefan Schaum
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Ohne „Lucky“ läuft nichts: Die Hunde-Stoffpuppe soll für Sozialpädagogin Svenja Hansen und den Fachkrankenpfleger für Pyschiatrie, Jörn Keller, ein wichtiger Begleiter bei den Gruppentreffen für Kinder psychisch kranker Eltern sein. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Manchmal hat Mama richtig gute Tage. Dann schmiert sie morgens das Pausenbrot und steht mittags fröhlich winkend am Fenster, wenn das Kind von der Schule kommt. Doch gibt es auch die schlechten Tage. Die verbringt Mama im Bett und spricht kein einziges Wort. Wenn ein Elternteil psychisch krank ist, ändert sich für Kinder der Alltag meist gravierend.

Doch warum das so ist, verstehen die Kleinen oft nicht. Deshalb geht es im „Kinderwunderladen“ auch darum, Verständnis zu wecken. Oder eher: das Verstehen zu fördern. Eine Gruppe für Kinder psychisch kranker Eltern wird in wenigen Wochen erstmals in Baesweiler starten.

„Wir wollen keine Therapiegruppe sein“, sagt Jörn Keller, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie. Deshalb wird nicht bloß geredet, sondern auch viel gespielt. „Es geht vor allem darum, eine gute Zeit zu verbringen und Kindern nach und nach ein Gefühl dafür zu geben, warum es ihren Eltern geht und warum sie manchmal anders reagieren als die Kinder es gewohnt sind.“ Seit 18 Jahren arbeitet er mit psychisch kranken Erwachsenen. Er kennt sich aus mit vielen Formen der Leiden. Die Kinder nicht. Ihnen will er dabei helfen zu verstehen, dass sich zum Beispiel eine depressive Erkrankung an manchen Tagen kaum bemerkbar macht, an anderen dafür umso mehr. Und vor allem: „Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie nicht schuld daran sind. Dass der Papa sich nicht deshalb häufig so schlecht fühlt, weil das Kind vielleicht mal böse war.“

Der Bedarf ist da

Der für den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) tätige Keller wird die Gruppe gemeinsam mit der Sozialpädagogin Svenja Hansen leiten, die in der Katholischen Familienberatungsstelle der Caritas in Alsdorf-Schaufenberg arbeitet. Die Kooperation der beiden Träger sei ein Glücksfall. Dadurch sei es leichter, viele Familien – und vor allem die Kinder – zu erreichen. Der Bedarf sei ganz klar da, unterstreicht das Duo vom „Kinderwunderladen“, der im SkF-Büro an der Kückstraße 16 in Baesweiler öffnen wird, aber auch Kindern aus Alsdorf und Herzogenrath offensteht. „Die Auswirkungen psychischer Erkrankungen von Eltern geraten bei der Jugendhilfe zunehmend in den Blick“, sagt Svenja Hansen. Dass die Zahl der Patienten mit psychischen Erkrankungen stetig zunimmt, spricht ebenfalls dafür, dass das Angebot vielen eine Hilfe sein kann.

Zunächst sind Kinder von sechs bis zwölf Jahren im Blick für die wöchentlichen Gruppentreffen, die ab dem 16. September dienstags um 15.30 Uhr beginnen sollen. Für die Kinder soll das Angebot kostenfrei sein, die Finanzierung kann in der Regel vom Jugendamt getragen werden. Auch ein eigener Fahrdienst wird eingerichtet, damit der „Kinderwunderladen“ für möglichst viele erreichbar wird. Für diesen besonderen Shuttle-Service habe man einen Sponsor gewinnen können, sagt Svenja Hansen.

Hier und da wird sicher das Jugendamt einen Tipp geben, welches Kind von dem Angebot profitieren kann. Doch hoffen die Macher, mit ihrem niedrigschwelligen Angebot auch andere Familien zu erreichen. Leicht wird das womöglich nicht. „Familien, in denen es psychische Erkrankungen gibt, isolieren sich häufig“, sagt Jörn Keller.

Oftmals müssten Kinder notgedrungen Aufgaben im Haushalt übernehmen, die ihrem Alter nicht entsprechen. Für Freunde bleibt da mitunter wenig Zeit. Keller: „Auch daran wollen wir arbeiten. Wir wollen ein Gruppengefühl entwickeln und das Selbstwertgefühl der Kinder stärken.“ Neben einem gemeinsamen Spielraum gibt es im Wunderladen auch Rückzugsmöglichkeiten für individuelle Gespräche. Am Ende der zwölf Treffen soll dann für jedes Kind ein „Notfallplan“ stehen. Einer für die schlechten Tage von Mama oder Papa. Auf dem kann stehen, wie Kinder ihre Eltern dann unterstützen – oder wen sie um Hilfe bitten können. Damit sie nicht diejenigen sind, die unter dem Leid der Eltern leiden.

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