Alsdorf - Kinder zu Neinsagern machen: Missbrauch früh ansprechen

Kinder zu Neinsagern machen: Missbrauch früh ansprechen

Von: udo
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Alsdorf. Nein. Das will Yvonne nicht. Das Essen etwa, das Mama wieder gekocht hat. Spinat – wie das schmeckt. Widerlich. Und Ingo, der will erst recht nicht wieder zum Blockflötenunterricht. Die Tonleiter rauf und auch noch wieder runter. Nein. Das will er nicht. Auch wenn Papa darauf besteht.

Ja, ja. Kinder können schon eifrige Neinsager sein. Doch was ist, wenn der Nachbar Yvonne ruft und ihr in seiner Küche ein Eis anbietet? Oder wenn Papas Bruder im Keller mit Ingo Carrerabahn spielen will? Da können aus den Nein- ganz schön schnell Jasager werden. Viele Eltern kennen das. Viele Kinder auch. Und in vielen Fällen geht das auch gut, in den meisten sogar. Aber eben nur in den meisten.

„Sexueller Missbrauch“, sagt Martin Tenholt, „findet zwar nicht nur, aber vor allem in der Familie und im Bekanntenkreis statt.“ Und vor diesem Hintergrund will der Rektor der Grundschule Alsdorf-Ofden aus möglichst vielen Kindern Neinsager machen, ihnen ein Rüstzeug an die Hand geben, „um in schwierigen Situationen, die die Kinder im Umgang mit Respektspersonen vielleicht auch zu überfordern drohen, die richtige Entscheidung zu treffen“ - zumal die Grenze gerade im heimischen Umfeld zwischen einer Zärtlichkeit und einem Missbrauch oft fließend sind.

Wie das geht, das haben den Dritt- und Viertklässlern in den vergangenen Wochen zwei Schauspieler der theaterpädagogischen Werkstatt aus Osnabrück gezeigt. „Mein Körper gehört mir!“ heißt das Programm, in dem zwar auch gelacht und gesungen werden darf, das die Acht- bis Zehnjährigen aber entlang zahlreicher Alltagsszenen auch mit unangenehmen Situationen und Fragen konfrontiert. Wichtig ist den Schauspielern Sophie Altmann und Michael Halbey, dass die Kinder neben dem Ja- vor allem auch ein Nein-Gefühl entwickeln und dies auch äußern können. Nein, lass das. Das will ich nicht. „Das hört sich so einfach an. Doch das ist es für manche Kinder eben gar nicht“, sagt Konrektorin Stefanie Kaehler, die wie Tenholt vom Erfolg des Programms überzeugt ist, das der Förderverein der Schule und der Mülheimer Verein „Menschen gegen Kindesmissbrauch“ unterstützen.

Sensibilitiert und gestärkt

Das heißt jetzt nicht, dass die Mädchen und Jungs von nun an vor sexuellem Missbrauch geschützt sind. Doch sie werden sensibilisiert und gestärkt. Ob im Sportverein, bei Verwandten, die Verabredung im Chat, die Begegnung im Park, im Bus oder zu Hause, die Kinder lernen, wie sie sich verhalten können, wenn sie etwas nicht mögen, wie sie sich jemandem anvertrauen, der ihnen hilft, dass sie über unangenehme Situationen reden sollen, damit es ihnen besser geht, und dass sie niemals Schuld sind, in eine solche Situation geraten zu sein. In der Hoffnung, dass dies nie nötig sein wird.

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