Kinder sollen rechtzeitig die „Kurve kriegen”

Von: Stefan Schaum
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Umgeschaut und eingesteckt. Au
Umgeschaut und eingesteckt. Auch junge Ladendiebe stehen bei dem Präventionsprojekt „Kurve kriegen” im Fokus. Foto: Imago/Kristin Schnell

Alsdorf. Die Botschaft ist hier womöglich noch wichtiger als der Inhalt: Das Pilotprojekt „Kurve kriegen” des nordrhein-westfälischen Innenministeriums will auffällig gewordene Unter-14-Jährige vor einem Abgleiten in die Kriminalität bewahren.

Mit der finanziellen Förderung von Präventionsprojekten hat man in Alsdorf offene Türen eingerannt. „Das ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass in diesem Bereich Gelder bereitgestellt werden”, sagt Michael Raida, im Jugendamt Leiter des allgemeinen sozialen Dienstes. „Das war absolut überfällig! Es ist endlich erkannt worden, dass eine intensive frühe Vorbeugung notwendig ist.” Alsdorf gehört zu einer von acht Polizeibehörden, die in NRW Projektpartner des Ministeriums sind.

Im Bereich der Aachener Behörde sind die Stadt Aachen, Alsdorf, Eschweiler und Stolberg im Boot. Nicht von ungefähr - denn nur solche Kommunen kamen für das auf zwei Jahre befristete Projekt in Frage, in denen sich die Zahl der Kinder gehäuft hatte, die als gewalttätig aufgefallen waren oder sich mehrfach als Ladendiebe entpuppt hatten. „Kinder ab acht Jahren mit mindestens einer rechtswidrigen Gewalttat oder drei schwere Eigentumsdelikte” - so liest es sich nüchtern in der Projektbeschreibung.

Täter werden immer jünger

Von solchen Kindern gebe es leider einige in der Stadt, sagt Raida. Die konkrete Zahl mag er zwar nicht genannt wissen, doch „der Eindruck, dass Täter heute immer jünger werden, täuscht nicht”. Es gibt Zwölfjährige, die bis zu 20 Straftaten verübt haben aber strafrechtlich erst ab dem 14. Lebensjahr belangt werden können.

An der Strafmündigkeit ändert sich freilich nichts, doch soll nun mit den Jüngeren ganz gezielt gearbeitet werden. Das vom Innenministerium bereitgestellte Geld - insgesamt 1,5 Millionen Euro für die teilnehmenden Kommunen in der Städteregion - kann in Projekte fließen. In einem „Konflikttraining” können Kinder beispielsweise in Rollenspielen lernen, wie man in einem Streit einen kühlen Kopf behält und Gewalt vermeidet. Ein „Eigentumsseminar” soll den Unterschied zwischen „Mein” und „Dein” verdeutlichen und zeigen, dass es auch Wünsche gibt, die man sich eben nicht erfüllen kann.

Für schulmüde Kinder soll es ebenfalls Kurse geben. Auch stationäre Unterbringungen von Kindern sind in diesem Projekt vorgesehen und finanzierbar. Es seien Projekte, mit denen man bei den älteren Kindern und Jugendlichen bereits großen Erfolg gehabt habe, sagt Raida. „Dass bestärkt uns darin, noch früher mit der Prävention einzusteigen. Man darf einfach nicht warten, bis ein Kind 14 ist.” Denn immer schlechter seien die Jugendlichen dann zu erreichen.

Auch die Eltern sind bei „Kurve kriegen” im Blick, um ihnen in der Erziehung den Rücken zu stärken. Das sei oftmals nötig. Raida: „Wir stellen hohe Erziehungsdefizite fest. Das ist aber nicht nur in Alsdorf so, sondern bundesweit!” Immer mehr Eltern seien im Umgang mit ihren Kindern überfordert und hielten die Zügel entweder viel zu straff oder viel zu locker. Und manche kümmern sich einfach überhaupt nicht. „Das ist gefährlich. Kinder können sich andere und womöglich schlechte Vorbilder suchen.”

Kooperation mit Polizei

Auf jede Straftat soll nun eine pädagogische Antwort folgen, so gehört ein Hausbesuch zum Protokoll. Die Kooperation von Polizei und Jugendämtern soll in Kürze durch eine psychologische Fachkraft ergänzt werden.

Auch bei der Polizei verspricht man sich viel von „Kurve kriegen”. Franz Schmitz betreut dort das Projekt: „Es ist zwar nur ein ganz geringer Teil der Kinder, der hier angesprochen wird”, sagt der Beamte. „Es ist aber einer, der uns große Sorgen bereitet!” Prävention wirkt - das ist sein Credo. „In diesem Alter ist kriminelles Verhalten oft episodenhaft. Wir reden hier schließlich von Kindern, die dürfen wir nicht vernachlässigen.”
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