„Kinder haften für ihre Eltern“: Das heikle Thema Elternunterhalt

Von: Anne-Christine Müller
Letzte Aktualisierung:
elternunterhalt
Praktische Tipps: Rechtsanwalt Michael Bogalski.

Würselen. „… das war jetzt einmal ,Tatort‘“, scherzte Rechtsanwalt Michael Bogalski am Ende seines Vortrags. Er blickte in erschrockene Gesichter: Seinen Zuhörern hatte er in der Tat einen Tatort präsentiert – einen rechtlichen. „Kinder haften für ihre Eltern“ war das Thema des Abends, zu dem das Seniorenhaus Serafine eingeladen hatte.

Zum wiederholten Male informierte Bogalski, ehemals Heimleiter und inzwischen Jurist und spezialisiert auf Fragen, die das Alter betreffen, im Broichweidener Seniorenhaus.

Begriffe wie demographischer Wandel, Altersvorsorge und Altersarmut sind den meisten bekannt, bleiben jedoch meist abstrakt. Bis zum Eintreffen eines gelben Briefs vom Sozialamt mit der Aufforderung, für die Eltern zu zahlen. „Doch dann ist es meistens schon zu spät“, wie Bogalski sagt: „Es gibt ein Leben vor und ein Leben nach dem Brief.“

Altersarmut betrifft zunehmend mehr Menschen, dadurch ist die Pflege oftmals nicht mehr aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Pflegebedürftige und Sozialamt stehen somit vor der Frage der Heimaufenthaltsfinanzierung. Zwar greift der Sozialstaat sofort bei einer Zahlungslücke, tritt im weiteren Verlauf allerdings mit Forderungen an die Kinder heran.

Die erstaunt bis entsetzten Gesichter im Saal spiegelten das Problem, auf das der Jurist aufmerksam machte. In der Regel sei nur der Kindes- und Ehepartnerunterhalt bekannt. Daran könne man das Informationsdefizit rechtliche Fragen das Alter betreffend erkennen.

In den meisten Fällen handele es sich um rund 800 Euro, die von den Kindern aufgebracht werden müssten, um die Zahlungslücke zu schließen. Familie, so Bogalski, sei generell ein emotionales Thema, dieses entschärfe sich durch Zahlungsaufforderungen nicht gerade. „Es geht um die Geschichte hinter den Zahlen“, erklärte Bogalski, „denn Zahlungsbereitschaft setzt intakte Familienverhältnisse voraus“.

Sein Vortrag vermittelte einen ersten Eindruck vom scheinbar bodenlosen Fass „Elternunterhalt“, vor dem Bogalski anhand ausführlicher Praxisbeispiele gepaart mit der nötigen Portion Humor die Angst zu nehmen versuchte.

Schließlich sei auch der Staat „nur ein Mensch“ und rund 80 Prozent der Zahlungsaufforderungen fehlerhaft. Ein Gang zum Anwalt sowie eine rechtzeitige Beratung lohnen sich demnach in jedem Fall. So könnten auch Fehler bei eigenen Angaben, die dann zu fälschlicherweise höheren Zahlungen führen, vermieden werden.

Es empfehle sich auch, nach Eingang der Zahlungsaufforderung in die eigene Altersvorsorge und den Notgroschen zu investieren. Den dürfe das Sozialamt nämlich nicht anrühren. Den pflegebedürftigen Eltern gehe es deshalb nicht schlechter, versicherte Bogalski.

Eigene Vorsorge beachten

Es nütze niemandem, die eigene Vorsorge außer Acht zu lassen, denn immerhin würden mindestens 50 Prozent der Bevölkerung in Zukunft über 100 Jahre alt. Nach etwas mehr als 90 Minuten gab es einen regelrechten Ansturm an Fragen. Diese umfassten Themen wie den Selbstbehalt, Schenkungen und Wohnrecht.

Die nächste Infoveranstaltung im Seniorenhaus Serafine in Würselen findet am Dienstag, 8. November, zum Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmachten, statt.

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