„Kinder haben zu wenig Zeit für Sport“

Von: Jessica Küppers
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Ein deutliches Zeichen setzen: Der Turm soll symbolisieren, dass Kinder und Jugendliche mehr Freiräume im Alltag brauchen, um Sport zu machen. Jeder Baustein ist an Aktionstagen der Freiräumer Tour unterschrieben worden. Foto: J. Küppers

Alsdorf/Baesweiler. Als kleiner Junge hat er mit dem Turnen beim HTC Hoengen angefangen. Mittlerweile ist Julian Huppertz Vorsitzender der Sportjugend des Regiosportbundes. Im Wochenendinterview erzählt er, woran es in Sportvereinen noch hapert, welche Hürden er in seiner neuen Rolle nehmen muss und welche Ziele er sich gesteckt hat.

Haben Sie heute schon Sport gemacht?

Huppertz: Ein kleines bisschen. Nach dem Aufstehen mache ich immer ein bisschen Physiotherapie. Ich hatte vor kurzem eine Schulteroperation und daher mache ich im Moment keinen Leistungssport.

Welchen Leistungssport machen Sie sonst?

Huppertz: Ich habe lange geturnt. Nach einer Verletzung in Folge eines Fahrradunfalls musste ich das leider unterbrechen. Jetzt fange ich langsam wieder an. Ich bin wieder in der Halle. Nicht mehr nur als Übungsleiter, sondern demnächst auch wieder, um selber zu trainieren.

Sie sind zum neuen Vorsitzenden der Sportjugend gewählt worden. Warum ist die Wahl auf Sie gefallen?

Huppertz: Zum einen natürlich, weil ich ein sehr gutes Team vorstellen konnte. Wir wurden alle an diesem Abend gewählt, auch meine Stellvertreter, die Jugendsprecherin, die Beisitzer. Ich denke wir haben uns an dem Abend in einer Art und Weise präsentiert, so dass wir die Unterstützung der Verbände dann sichern konnten.

Vom Sportler zum Vorsitzenden ist es ein langer Weg. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich in der Form zu engagieren?

Huppertz: Also man wächst ein wenig hinein. Bei mir war es so, dass ich sehr früh im Turnverein aktiv war. Ich habe mit sechs Jahren beim Eltern-Kind-Turnen angefangen und dann ging es immer weiter. Zuerst in die Gerätturngruppen und irgendwann ging es los, dass man den Übungsleiterschein macht, dann die Kampfrichterlizenz und dann wurde ich vom Vorsitzenden gefragt, ob ich im Turnverein als Jugendwart arbeiten möchte. Wir hatten damals keinen aktiven Jugendausschuss und den hab ich auch aufgebaut. Ich habe mir Leute gesucht, die mit mir die Arbeit machen wollen und Events anbieten. Auf der Jahreshauptversammlung bin ich tatsächlich auch als Jugendwart gewählt worden und habe dort einige Zeit ganz gut gearbeitet. Dann kam irgendwann die Anfrage vom Regiosportbund, ob ich mir nicht vorstellen könnte Ähnliches zu machen. Also wieder ein Team zusammen zu stellen, mit dem wir dann die Aufgaben der Sportjugend erfüllen können.

Stichwort Aufgaben: Welche sind das?

Huppertz: In erster Linie sind wir die Interessenvertretung für sämtliche jugendliche Mitglieder in der Städteregion. Gemeint sind alle unter 27-Jährigen. Wir haben aber viele verschiedene Handlungsbereiche. Dazu zählt Kinder- und Jugendpolitik, Bildung, Partizipation, ehrenamtliches Engagement ist ein großes Thema, Zusammenarbeit mit Vereinen und Bildungseinrichtungen.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Huppertz: Wir sind im Prinzip schon mittendrin. Wir nehmen gerade an einem Programm von der Sportjugend NRW teil. Das nennt sich Freiräumer Tour.

Was steckt dahinter?

Huppertz: Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche durch den Ganztagsunterricht immer weniger Zeit für Sport und Ehrenamt haben. Ich merke das auch selber immer wieder, wenn die Kinder direkt im Anschluss an den Unterricht zu mir in die Halle kommen. Kinder arbeiten zum Teil mehr als Erwachsene und können gar nicht mehr richtig abschalten. Wir fangen dann erstmal mit Bewegungsspielen an, weil die dann den ganzen Tag gesessen haben. Sport ist das A und O, weil mittlerweile auch durch zahlreiche Studien belegt ist, dass die Leistungsfähigkeit der Kinder durch Sport verbessert werden kann. Darauf wollen wir mit der Kampagne aufmerksam machen. In dem Wort Freiraum steckt aber nicht nur die zeitliche Komponente, sonder es kann auch räumlich verstanden werden. Es fehlen auch Räumlichkeiten, die den Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem Tourbus machen Sie am 22. Juni auch Halt in Baesweiler. Was passiert dann?

Huppertz: Um 15.30 Uhr kommt der Tourbus der Freiräumer-Kampagne zur Fußballwiese am Malteser Jugendtreff Setterich in der Wolfsgasse 61. Alle, die sich auch für die Ziele der Freiräume-Tour einsetzen wollen, können dort einen Baustein unterschreiben. Aktuell haben wir ungefähr 350 Stück zusammen. Aus den Bausteinen soll dann im Herbst vor dem Düsseldorfer Landtag ein großer Turm als Zeichen für mehr Freiräume von Kindern und Jugendlichen aufgestellt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, mit Vertretern der Politik darüber ins Gespräch zu kommen.

Welchen Einfluss haben Sie auf die Politik?

Huppertz: Wir sind Teil des Kinder- und Jugendhilfeausschusses der Städteregion Aachen. Da gibt es immer Gespräche mit Politikern. Die nutzen wir, um Probleme hinzuweisen und Probleme weiterzugeben, die uns von Verbänden und Vereinen geschildert werden.

Und welche Ziele verfolgen Sie langfristig?

Huppertz: Langfristig ist das Ziel, unser Team zu vergrößern. Es gibt bis jetzt den Sportjugend-Vorstand und ein J-Team – das Jugendteam. Dieses Team liegt derzeit noch etwas brach. Da suchen wir noch Mitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Beispielsweise für nächstes Jahr planen wir eine sportlich orientierte Ferienfreizeit anzubieten und das kann man nicht zu neunt machen. Dafür suchen wir noch junge Leute. Die Vergrößerung ist also das eine. Das zweite Ziel ist Qualifizierung von uns selber. Es wäre beispielsweise gut, wenn wir im Jugendsportvorstand alle die Jugendleiterkarte erwerben. Einige bringen sogar schon einen Übungsleiterschein mit, der schon darüber steht. Wir wollen eine qualifizierte Basis schaffen. Fortbildung muss immer sein.

In welchen Bereichen wird aus ihrer Sicht bisher noch zu wenig getan?

Huppertz: Es wäre nötig, dass jeder Stadtsportverband und Gemeindesportverband in der Städteregion eine funktionierende und gut aufgestellte Jugendabteilung hat. Das ist schon in einigen Städten und Gemeinden der Fall. In anderen müssen wir noch daran arbeiten und dabei unterstützen.

Wenn Sie nicht verletzt sind, wie oft machen sie selbst Sport?

Huppertz: Zwei Mal in der Woche bin ich dann in der Turnhalle. Es ist schwierig, aber die Zeit muss man sich nehmen.

Was bedeutet Sport für Sie?

Huppertz: Sport ist unglaublich wichtig. Zum einen natürlich der gesundheitliche Aspekt, aber der ist bei mir eher hinten angestellt. Bei mir stehen eher soziale Kontakte und Spaß im Vordergrund. Dazu kommt die Möglichkeit, auch Dinge selber zu gestalten. Da gehe ich jetzt wieder weg vom eigentlichen Sport hin zum Bereich ehrenamtliche Arbeit.

Was empfehlen Sie Jugendlichen, die mit einer neuen Sportart anfangen möchten?

Huppertz: Viele Dinge ausprobieren. Also ich kenne selber viele Jugendliche, die das eine angefangen haben und im Endeffekt woanders gelandet sind. Man sollte auch möglichst früh mit dem Sport anfangen. Das ist wichtig, um Sportarten ausprobieren zu können.

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