Kinder an Baesweiler Martinusschule wöchentlich „on air“

Von: Stefan Schaum
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Sie gehen auf Sendung: Lehrerin Isabelle Kaiser gibt Alica, Kim, Ewig, Luke, Alessandro und Saida (v.l.) Tipps zum Umgang mit Mikro und Geräuschrequisiten. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Für seine Geschichten arbeiten das Radioteam mit allen Tricks. Ein herbstliches Blätterrascheln wird mit in Händen geriebenen Plastiktüten imitiert, ein tosender Wind wird durch kräftiges Pusten ins Mikro gezaubert. So machen es auch die Profis. Doch diese Kinder sind keine. Sie sind sogar welche, die mit dem Sprechen und Sprachverstehen mehr oder weniger große Probleme haben. Und deshalb ist für die Schüler der Martinus-Sprachförderschule ihre wöchentliche Schulradio-Sendung auch ein Stück Therapie.

Während ihres Referendariats hatte Isabelle Kaiser ein solches Radioprojekt kennengelernt und es vor zweieinhalb Jahren mit an die Baesweiler Grabenstraße gebracht. Angelehnt ist das Ganze an die „Bärenbude“ des Senders WDR 5, dessen „Jingle“ die Martinusschule zur Eröffnung ihrer Sendungen benutzen darf. Die beginnen jeweils freitags um kurz vor zehn Uhr und erklingen über das schulinterne Lautsprechersystem in allen Klassen.

Dann stehen Alessandro, Saida, Ewig, Alica, Luke und Kim in einem kleinen Raum vor einem Mikrofon. Mit kleinen Zetteln in den Händen, auf denen sie sich einige Sätze notiert haben. Zwar werden einige Beiträge in den wöchentlichen Treffen – die Radio-AG ist Teil des Offenen Ganztagsbetriebs – vorbereitet und aufgezeichnet, doch ein paar Zwischenmoderationen werden live präsentiert.

„Das ist schon aufregend“, sagt Kim, die schon seit längerem im Projekt mitmacht. Wie ihre Mitschüler es wohl finden, ihre Stimme über den Lautsprecher zur hören? „Die sind stolz auf mich.“ Und das können sie auch sein, denn die kleinen Radiosprecher machen ihre Sache – trotz Nervosität, na klar – ganz prima.

Und nicht nur sie profitieren davon, sich vor dem Mikrofon zu konzentrieren und auf klare, genaue Aussprache zu achten. Laut genug zu Sprechen. Kleine Pausen zwischen den Sätzen zu machen. Es gibt ganz schön viel, auf das sie achten müssen. „Für die Kinder ist es ganz, ganz wichtig, beim Sprechen positive Erfahrungen zu machen“, sagt Isabelle Kaiser.

Die Radiosendung ist aber auch für die Zuhörer ein Gewinn. „Vielen unserer Schüler fällt es schwer, gesprochene Sätze richtig zu verstehen.“ Also ist das gemeinsame Lauschen auch ein Training der auditiven Wahrnehmung. Die Sendung fördert das ganz gezielt. Mit Klanggeschichten, bei denen eine Geschichte erzählt wird und die ganzen „Geräuschetricks“ zum Einsatz kommen.

Zum Schluss stellen die Radiokinder dann Fragen. Um wen geht es in der Geschichte? Welche Geräusche hat er gemacht? Auf Zetteln, die vor den Sendungen in den Klassen verteilt werden, könnend die Zuhörer die Antworten ankreuzen und die Blätter anschließend in einen Kasten werfen, der vor der Tür des kleinen Radioraums hängt. Süßigkeiten und andere Dinge winken ihnen dann als Preise.

Die Radiocrew hat noch viel vor. Ihre Schulleiterin Kathi Meiß-Schemmel hat sie für einen Beitrag schon interviewt. Und wer weiß – vielleicht schauen die Kinder mit dem Mikro auch mal beim Bürgermeister vorbei? Zutrauen würden sie es sich. Auch dem Selbstbewusstsein tut sie nämlich richtig gut, diese Radioshow.

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