Kerkrade richtet sich für die Zukunft ein

Von: Beatrix Oprée
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66 neue barrierefreie Wohnungen im Herzen Kerkrades: Ein siebenstöckiger Wohnturm samt Seitenflügeln ist Hauptbestandteil des Centrumplans. Im Parterre sind Gewerbeflächen vorgesehen, die auch mit deutschen Firmen gefüllt werden sollen, rechts Bibliothek und Theater. Die Entwürfe stammen aus der Feder der Engelman Architecten aus Roermond.
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Ein Parkplatz und ein Rundgang durch eine neue offene Passage: Viel Grün flankiert die Planungen, die in den kommenden beiden Jahren in die Tat umgesetzt werden sollen. Animationen: Engelman Architecten
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Grundfeste: Der erste Pfeiler für den Centrumplan wurde unter anderem von Bürgermeister Jos Som (3.v.r.) und dem Provinzbeauftragten Ger Koopmans (r.) gegossen. Foto: Stefan Schaum

Kerkrade. „Das, was hier passiert, ist ganz groß!“ Kerkrades Bürgermeister Jos Som konnte seinen Enthusiasmus im Gespräch mit unserer Zeitung kaum bremsen. Vor rund einem Jahr war das, während nur wenige Meter von seinem Amtszimmer im alten Rathaus entfernt geräuschvolle Bagger ganze Arbeit leisteten.

Abgeräumt wurde das, was zum neuen Bild der 47.000-Einwohner-Gemeinde nicht mehr passte, was einst im architektonischen Charme der 60er Jahre entstand und sich nicht in die ambitionierten Vorstellungen moderner Planer einfügen will. „Unsere Stadt wird bald nicht mehr zu erkennen sein“, schwärmte Som. „Für uns ist es das vielleicht größte Projekt nach dem Krieg!“

Doch auf der stattlichen Brache, die die Abrissbagger schließlich neben dem Theater an der Wijn-gracht hinterließen, geschah in der Folgezeit nicht viel – außer vielleicht noch, dass ein mittelalterlicher Graben freigelegt wurde.

Am Montag aber erfolgte endlich der wohlinszenierte offizielle Baubeginn für das Vorhaben, das unter dem Arbeitstitel „Centrumplan Kerkrade“ bis zuletzt die Gemüter erregte.

Jetzt sind die Wogen offenbar geglättet, herrschte trotz Sommerregens eitel Sonnenschein am Rednerpult und beim obligatorischen Foto unterm Bauschild. Die Ziele des fulminanten Vorhabens sind hoch gesteckt: Wohnen, Einkaufen und Kultur sollen sich schon bald in symbiotischer Harmonie ergänzen.

Das hat seinen Preis: Auf 100 Millionen Euro werden die Gesamtkosten des 22 Hektar umfassenden Gebietsentwicklungsplans Kerkrade-Zentrum mittlerweile taxiert, zu dem neben dem Centrumplan ein neuer Stadtpark ebenso gehört wie die „C-City“ – ein Gebäudeensemble aus dem Continium sowie den neuen öffentlichen Einrichtungen „Cube“ und „Columbus“, die derzeit auf dem Museumplein entstehen.

Bezuschusst durch die Provinz, müssen die Kosten im Wesentlichen durch kommunale und private Gelder getragen werden. Ein großzügiger Immobilienerwerb im Volumen von zwölf Millionen Euro markierte den Auftakt. „Ich weiß, wir haben teilweise zu teuer gekauft“, sagt der Bürgermeister. „Aber was wir in kurzer Zeit zurückbekommen, ist unbezahlbar. Man muss eben den Mut haben, in die Zukunft zu investieren.“ Und Vorbild zu sein, auch für Kommunen jenseits der deutschen Grenze, legt Som gleichermaßen optimistisch wie selbstbewusst dar.

Die Philosophie hinter dem Centrumplan ruht auf drei Grundpfeilern: Erstens hat Jos Som akzeptiert, dass seine Gemeinde nicht mehr wächst – dieser Einsicht sind auch jenseits des Stadtzentrums schon massive Wohnblocks gewichen.

Zweitens soll die Kommune endlich etwas abbekommen vom Besucherstrom zu den Attraktionen im Umland: Millionen Menschen tummeln sich Jahr für Jahr in Gaia-Zoo, Leisure Dome, Skihalle in Landgraaf, Continium und Rodahalle. Bald schon soll auch das Herz der Stadt von diesem Andrang profitieren – und anfangen zu schlagen. Unter anderem aufgrund von Schrittmachern wie „der besten Bibliothek der Niederlande“, die sich neben dem gründlich zu renovierenden Parkstad-Limburg-Theater samt Café als Treffpunkt etablieren soll.

Und durch „qualitätvolle“ Einzelhandelsangebote auf 6500 Quadratmetern neuer Ladenfläche, „lange nicht so viel, wie möglich wäre“, betont Som. Denn dass die Menschen beim Shoppen verstärkt aufs Internet setzen, ist eine weitere Erkenntnis, der in der südlimburgischen Kleinstadt Taten folgen. „In vielen Städten entstehen immer noch neue Einkaufscenter“, sagt Som. „Wir aber gehen einen anderen Weg.“ Den einer „einzigartigen Kombination“ aus Neu- und Umgebautem, um eine kompakte und „behagliche“ Umgebung in der City zu schaffen.

Strahlkraft in die Städteregion

So komplettieren 66 barrierefreie Wohnungen das Konzept, unter anderem in einem siebenstöckigen, halbrunden Apartementhaus. Aufpoliert wird zudem der öffentliche Raum, um dem Ganzen einen einheitlichen Anstrich zu geben, wie Kerensa Giesen ergänzt, Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung. Ihr obliegt die Umsetzung des „Centrumplans“. So wird unter anderem die komplette City neu gepflastert, „hochwertiger und neutraler“. Das Schachbrettmuster, das den Markt bislang dominierte, ist schon verschwunden. Und ein Wassertisch mit Spielfontänen erfreut vor allem die jungen Besucher. Kerkrade soll den Qualitätsimpuls bekommen, den es verdiene, wirbt der Bürgermeister. Und werde bald Strahlkraft haben – nicht nur ins eigene Land, sondern auch weit in die Städteregion Aachen hinein.

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