Kennenlernen am Küchenherd: Rezept hilft beim Abbau von Vorurteilen

Von: Jule Klieser
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Teamwork an der Küchenzeile:
Teamwork an der Küchenzeile: Jugendliche aus allen Würselener weiterführenden Schulen knüpfen am Kochtopf neue Kontakte. Foto: Jule Klieser

Würselen. Es ist ein ungewöhnliches Team, das da in der Lehrküche der Albert-Schweitzer-Schule gemeinsam schnippelt und brutzelt. Und es ist ein ungewöhnliches Ereignis: das Kochen mit Event-Charakter für einige Schüler aus den weiterführenden Würselener Schulen.

Dabei geht es um weitaus mehr als die reine Speisenzubereitung. Es geht um Miteinander statt Nebeneinander, es geht auch um den Abbau von Vorurteilen.

25 junge Leute und einige Lehrer tummelten sich an diesem Tag zwischen Kochtöpfen und Küchenherden. Es dauerte gar nicht lange, bis es duftet, dampft und brutzelt. Sie stecken die Köpfe über dem Schneidebrett zusammen, auf dem Möhren, Rettich und Gurken für das Sushi zurechtgemacht werden. Sie studieren ihr Rezeptblatt und beratschlagen, wie die Putenfleischstreifchen für die gebratenen Nudeln wohl am besten zu garen sind. Die Jüngsten bedienen gemeinsam das Waffeleisen, um den Nachtisch zu kreieren, Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne stehen auf der Speisekarte. Und: Sie kommen ins Gespräch, lernen sich kennen, lösen Probleme gemeinsam.

Jede fünfköpfige Kochgruppe besteht aus Teilnehmern unterschiedlicher Schulen. Schüler aus den Schülervertretungen von Realschule, Heilig-Geist-Gymnasium (HGG), städtischem Gymnasium, Hauptschule und Albert-Schweizer-Förderschule wurden deshalb mittels Auslosung vor Beginn der Aktion zusammengewürfelt.

„Ich finde die Aktion gut. Es macht Spaß, dass alle Schulen zusammen sind und dass man sich kennenlernt”, meint Waffelbäckerin Alex aus der 6. Klasse des Gymnasiums. Jan vom HGG, Klasse 10, ist in der Bruschetta-Gruppe für den Knoblauch zuständig. Ein ganzer Berg Zehen liegt vor ihm und will geschält werden. „Eine gute Idee” sei das Kochevent, sagt er. „Man trifft sich, und so redet man mehr miteinander als wenn man nur beisammensitzt und über Schulthemen spricht.” Dustin vom 10. Jahrgang der Albert-Schweitzer-Schule assistiert unterdessen bei allen Kochhandgriffen. „Ich finde das super, die anderen Schüler kennenzulernen. Sonst hat man nicht die Gelegenheit.”

Austausch ist erklärtes Ziel

Genau dieser Austausch und das persönliche Kennenlernen sind erklärtes Ziel der Aktion. „Die Vorurteile sind wirklich enorm”, hat Bernhard Wiesemann, Lehrer am städtischen Gymnasium und Erfinder des Kochevents, festgestellt. Auf der einen Seite würden Gymnasiasten als hochnäsig gelten, bei den anderen seien Hauptschüler als Schläger verschrien. „Wenn man einander kennt, weiß man, dass das nicht stimmt”, betont Wiesemann. Deshalb hat er sich das Kochen und Essen ausgedacht, bei dem die Schüler ganz unverkrampft miteinander umgehen können. „Auch die Lehrer kennen sich nicht untereinander, selbst wenn die Schulen nebeneinander liegen”, bedauert Wiesemann.

Es sieht so aus, als würde sich das mit der Zeit ändern. An Herd und Kochtopf.
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