Keinen Job – aber große Hoffnungen

Von: Stefan Schaum
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Gemeinsam kreativ, gemeinsam optimistisch: Jacqueline, Irina und Petra hoffen darauf, irgendwann wieder Fuß im Arbeitsleben zu fassen. Foto: Stefan Schaum
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Tipps geben, aber selbstständig hantieren lassen: Die Projektbetreuer Sonja Schneider, Dagmar Offermann, Alexander Plum und Michael Warrimont (v.r.) sind gerne Ansprechpartner für die Teilnehmer. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Es kann weitergehen, zumindest für ein Jahr. Die Förderungsbewilligung vom Jobcenter ist ein großer Erfolg für ein Haus, in dem sonst eher kleine Erfolge zählen. Und davon hatten die, die bei der Recycling- und Kreativwerkstatt des Vereins „Wabe“ landen, in ihrem bisherigen Leben nicht allzu viele. Hier packt an, wer es in einem Job nicht packen würde. Eine Lehre hat keiner hinter sich, einen Schulabschluss haben die wenigsten. Erfahrungen mit Schulden und Drogen dafür umso mehr.

Seit dem 1. Juni 2012 sind eine ehemalige Lagerhalle und angrenzende Büroräume an der Joseph-von-Fraunhofer-Straße die Heimat des Projektes. Knapp 400 Quadratmeter – viel Platz für winzige Schritte und kleine Chancen. „Wir haben hier überhaupt nicht den Ehrgeiz, die Teilnehmer gleich in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln“, sagt Alois Poquett, Geschäftsführer des Wabe-Vereins im Diakonischen Netzwerk Aachen. Wie sollte das auch gehen? Schließlich sind die so weit weg davon, wie man es sich nur vorstellen kann. „Es muss aber solche Angebot geben, um die grundsätzliche Arbeitsfähigkeit von Menschen zu erhalten. Oder zumindest zu verhindern, dass sie sich noch verschlechtert.“ Die allernötigsten Grundlagen für weitere Qualifizierungen zu schaffen – darum geht es hier.

Seit wenigen Monaten ist Irina dabei. „Flöckchen“ wird die 24-Jährige von den anderen Teilnehmern genannt, der Spitzname klingt niedlich, der gefällt ihr. Überhaupt komme sie gerne her, sagt sie. Sie will nämlich Struktur in ihre Tage bekommen. Nicht wieder reinbekommen, sondern erstmals. Die Schule hatte sie abgebrochen, mit 18 Jahren war sie schon Mutter. „Dann von einer Maßnahme in die nächste geschickt, aber nie was Richtiges.“ Ihr Kind ist bald sechs Jahre alt, „ich habe jetzt Zeit, mal mehr auf einen Job zu schauen“. Einen Traum hätte sie schon: Köchin werden. Irgendwann. Momentan legt sie den Grundstein dafür. Pünktlichkeit, Team- und Konfliktfähigkeit – das wird täglich in Häppchen geübt. Richtig ranklotzen soll ohnehin niemand hier – bei minimal 15 und maximal 30 Wochenstunden. In einer Werkstatt können die Teilnehmer mit Werkzeugen hantieren und alte Möbel aufpolieren. Die Betreuer des Projektes dürfen Tipps geben, aber nicht gezielt anleiten. Schließlich sei es keine berufliche Qualifizierungsmaßnahme, wie Alois Poquett mit Blick auf die finanzielle Förderung betont.

Keine Bäume ausreißen

Zum 1. April hat das Jobcenter die Förderung verlängert, bis zum 31. März 2014. Selbstverständlich ist das nicht. „Dafür sind die Mittel längst nicht mehr so üppig“, sagt der stellvertretende Sprecher des Jobcenters in der Städteregion, Horst Mendez. Umso glücklicher sei er, dass es weitergehen kann. „Von den Teilnehmern erwarten wir gar nicht, dass sie Bäume ausreißen. Es geht um sinnstiftende Arbeit, die auch Lust auf mehr machen soll.“

Lust hätte Jacqueline aus Bardenberg schon, aber beruflich beweisen konnte sie sich noch nicht, trotz abgeschlossener Handelsschule. Erst wurde ihr Vater arbeitslos und sie musste mit Aushilfsjobs schauen, das Geld in die Familienkasse kam. Dann hat sie ihre Mutter gepflegt. „Acht Jahre lang, am Ende war ich richtig depressiv.“ Jetzt ist sie 31 Jahre alt und will endlich richtig anfangen. „Ich mache das hier, um zu sehen, dass überhaupt noch was geht“, sagt sie.

Sie hofft sehr, dass ihr eine Umschulung zur Steuerfachgehilfin bewilligt wird, wenn sie sich hier bewährt. Meist greift sie dazu zum Pinsel, denn neben einer Schneiderwerkstatt gibt es auch ein kleines Atelier im Projekt. Die Bilder, die hier entstehen, sind meist nur für die eigenen Flure gedacht, denn Gewinn muss das Projekt nicht erwirtschaften. So wird jedes beendete Bild vor allem zu einem Symbol: Die Teilnehmer sehen, dass sie eine begonnene Sache tatsächlich zu Ende bringen können.

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