Keine Sicherheitsbedenken für Häuser im Nordkreis

Von: Katrin Fuhrmann
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Nach dem Brand im Londoner Grenfell Tower, ist die Debatte über die Fassadendämmung Polystyrol wieder entbrannt. Symbolfoto: dpa

Nordkreis. Dass hierzulande bei der Fassadendämmung Polystyrol verwendet wird, ist keine Seltenheit, sondern entspricht laut Corinna Kodim, Referentin für Energie, Umwelt und Technik beim Eigentümerverband für Haus und Grund Deutschland, eher der Regel. „Polystyrol ist sehr preiswert und lässt sich leicht verarbeiten“, sagt sie. Deswegen werde es häufig zur Dämmung von Fassaden verwendet, auch im Nordkreis.

Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da hat die Feuerkatastrophe im Londoner Grenfell Tower mit mindestens 79 Toten weltweit für Entsetzten gesorgt. In Wuppertal hat man nach dem Inferno Konsequenzen gezogen und am Dienstag ein Hochhaus mit rund 70 Bewohnern evakuiert.

In Deutschland regelt die Landesbauordnung, wie ein Haus, im konkreten Fall Hochhäuser, gebaut werden dürfen – und wie nicht. Zusätzlich gibt es Brandschutzverordnungen, an die sich Eigentümer per Gesetzt halten müssen. Deswegen ist die Situation in Deutschland eigentlich unproblematisch. Das können auch die Kommunen im Nordkreis bestätigen.

In Würselen, Alsdorf und Baesweiler hat es laut der zuständigen Feuerwehren in den vergangenen Jahren keine Brände gegeben, bei denen Polystyrol ein Problem gewesen ist. Generell gebe es zwar viele Gebäude, deren Fassaden mit Polystyrol gedämmt seien, aber keine Hochhäuser.

Als Hochhaus gelten in Deutschland laut Landesbauordnung Gebäude, bei denen der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt. Bedeutet konkret: Ein Haus muss mindestens 22 Meter hoch sein, um als Hochhaus klassifiziert zu werden. In Baesweiler gibt es laut Stadt kein einziges Gebäude, dass in diese Kategorie fällt. In Würselen gibt es laut Bernd Schaffrath, Pressesprecher der Stadt, nur ein Hochhaus. Das sei allerdings verklinkert und besäße dementsprechend keine Dämmung aus brennbaren Stoffen.

In Herzogenrath hat man das Ereignis von London zum Anlass genommen, vier Häuser, die laut Gesetzt nicht als Hochhäuser gelten, zu überprüfen. Laut Ragnar Migenda, Technischer Beigeordneter der Stadt Herzogenrath, sei man mit der Hausverwaltung in Kontakt. Die vier Häuser kratzten nämlich allesamt an der 22-Meter-Marke.

Migenda sieht vor allem ein Problem: In der Regel seien Fassadendämmungen nicht baugenehmigungspflichtig. Daher wüsste die Stadt auch nicht über jedes Dämmungsverfahren Bescheid. Grundsätzlich empfehle es sich bei solchen Vorhaben immer, das Bauordnungsamt zu kontaktieren. Denn: Die Hausverwaltung trägt in jedem Fall die Verantwortung – auch im Falle eines Brandes.

In Alsdorf gibt es zwar viele hohe Gebäude, aber kein einziges Hochhaus. Viele dieser hohen Gebäude seien aus Backstein oder Klinker und hätten daher keine Fassadendämmung, wie Christoph Simon von der Feuerwehr Alsdorf auf Anfrage mitteilt. „Dennoch ist Polystyrol ein Problem“, sagt er.

Warum? Das lässt sich schnell erklären. Polystyrol ist leicht entzündbar und führt zu einer massiven, schnellen Rauchentwicklung im Fall eines Brandes. Gerade bei Gebäuden, die höher als 22 Meter sind, hat die Feuerwehr in solchen Fällen massive Probleme, dem Feuer Herr zu werden. Die Drehleitern der Wehren sind zudem nicht höher als 22 Meter – das ist ein zusätzliches Problem beim Löschen von Bränden in extrem hohen Gebäuden. Das bestätigt auch Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands in Berlin. Zwar dürfe aus brandschutztechnischen Gründen bei Gebäuden, die höher als 22 Meter sind, ohnehin kein Polystyrol verwendet werden, aber überprüfen ließe sich das in vielen Fällen ohnehin nicht. Nach dem Vorfall in London stünde man vor der Frage, ob man brennbare Stoffe grundsätzlich verbieten müsse.

Laut Ziebs sei das nicht nötig, denn wenn das Material ordnungsgemäß verwendet wird, ginge von ihm keine Gefahr aus. Inwieweit das Material allerdings ordnungsgemäß verwendet wird, ist fraglich.

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