Keine Patentlösung für Hochwasseropfer

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
als-versammlungbilder
So hoch stand das Wasser! Hunderte „Uberschwemmungsopfer” machten ihrem Ärger im Pfarrheim St. Josef in Alsdorf-Ost Luft. Foto: Stüber

Alsdorf. Sie haben in Baumärkten Sand und Säcke gekauft sowie Pumpen gehortet - Bewohner der Siedlung Alsdorf-Ost. Und sie schauen skeptisch zum Himmel. Es ist äußerst schwül am Donnerstagabend. Da baut sich ein Gewitter auf - womöglich noch so ein ein „Jahrhundert-Ereignis” innerhalb kurzer Zeit, wie vor etwa zwei Wochen, als viele Keller absoffen.

An diesem Abend sollen sie noch mal Glück haben. Der große Regen fällt diesmal aus. Die Opfer früherer Fluten, die auch die Kloake zurück in die Häuser drückte, füllen den Saal des Pfarrheims von St. Josef und hoffen darauf, dass Vertreter der Stadtverwaltung ein Konzept aus der Aktentasche ziehen, wie die nächste Flut verhindert werden kann.

Denn nach den vergangenen zwei großen „Schadenswellen” zahlen die Versicherungen kaum noch ein drittes Mal. Und Ältere mit schmaler Rente oder Einkommensschwache können sich diese Schutz ohnehin nicht leisten. Die Betroffenen sollen vergebens auf eine Patentlösung warten. Helmut Steen ist ihr Sprecher und moderiert die Versammlung. Blumenrather und Bewohner anderer betroffener Otslagen verfolgen ebenfalls die Diskussion.

Technischer Dezernent Harald Richter und Jörg Theißing (Technischer Eigenbetrieb) sehen sich mit einer ganzen Liste von Fragen und Vorwürfen konfrontiert. Der Tenor lautet: Mit für die Bürger teurer „Modernisierung” der Entwässerung und Umstellung von Zweikanal- auf Mischsystem im Jahre 2002 fingen die Probleme erst richtig an. Fehler der Stadt müßten die Siedler ausbaden.

Richter widerspricht: „Wir haben von uns aus keinen Fehler gefunden!” Die Querschnitte der Kanäle entsprächen den Regeln der Technik. Dagegen seien die Bürger selbst in der Pflicht, von der Stadt rechtzeitig dargelegte Vorkehrungen zu treffen.

Dazu gehörten Einbau und Wartung von Rückschlagklappen und die Einleitung von Regenwasser per Fallrohr an den richtigen Stellen. Aber gegen ein „mehr als 100-jährliches Ereignis” wie sei kein Kanalnetz gefeit. Wetterextreme würden weiter zunehmen. „Dies ist unsere Form des Klimawandels”, sagt er.

Auf Vorschlag von Dezernent Richter sollen nun einige Betroffene mit der Stadt eine Info-Broschüre erarbeiten, in der aufgezeigt wird, was die Siedler gegen Wassereinbrüche unternehmen können. Zudem könne von der Städteregion, der Stadt Alsdorf und ihren Bürgern ein „Impuls” in Richtung Land und Bund gehen, die Normen für den Kanalbau dem Klimawandel anzupassen.

Stadtverordneter Hans-Detlef Loosz erklärte, auf Initiative der SPD werde sich der Stadtrat in einer Sondersitzung mit dem Thema befassen. Nur der Termin stehe noch nicht fest. Außerdem machten sich die Genossen für einen Hilfsfonds für Überschwemmungsopfer stark. Das Spendenkonto soll beim Bürgermeister geführt werden - die SPD bringe schon mal 500 Euro ein.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert