Nordkreis - Kein lohnendes Geschäft: AVV schließt Verkaufsstelle in Kohlscheid

Kein lohnendes Geschäft: AVV schließt Verkaufsstelle in Kohlscheid

Von: Katrin Fuhrmann und Sophie Kersgens
Letzte Aktualisierung:
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Der Verkauf von Bustickets gehört bald der Vergangenheit an: Seit etwa 30 Jahren werden Fahrkarten der Aseag in einem Schreib- und Tabakwarengeschäft an der Südstraße in Kohlscheid verkauft. Damit ist ab Januar Schluss.
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Vorverkaufsstellen bleiben eine wichtige Säule des Vertriebs, sagt Paul Heesel, Pressesprecher der Aseag.

Nordkreis. Metin Sak (54) betreibt in Kohlscheid an der Südstraße einen Kiosk. Seit mehr als 30 Jahren werden dort neben Süßigkeiten, Zeitschriften und Tabakwaren auch AVV-Bus- und Bahnkarten verkauft. Jetzt will die Aseag die Vorverkaufsstelle allerdings schließen. Bereits ab Januar soll es in Saks Einzelhandel keine Tickets mehr zu kaufen geben. Der Grund: Es lohne sich für die Aseag schlichtweg nicht.

Für Sak hat das Konsequenzen: Durch den Wegfall der Vorverkaufsstelle fehlen ihm Einnahmen. Seine Existenz ist dadurch nicht bedroht, aber spüren würde er den Verlust mit Sicherheit schon, sagt er.

Mindestumsatz nicht erfüllt

Sak hat den Laden erst vor kurzem von seiner Vorgängerin Silvia Drager übernommen. Sie geht in Rente. Als Sak bei der Aseag nachhörte, ob auch er weiterhin Tickets verkaufen könne, verneinte man ihm. Es hieß, laut Sak, die Verkaufstellenstrategie habe sich geändert. Da man bereits im Kohlscheider Zentrum eine Verkaufsstelle betreibe, bräuchte man keine weitere. Der monatliche Verkauf an Fahrkarten durch Saks Vorgängerin habe bei weitem nicht den Anforderungen entsprochen, die in den neuen Verträgen festgeschrieben seien. Aus diesen Gründen, so habe es von Seiten der Aseag geheißen, könne man Sak leider keinen AVV-Fahrkartenverkauf mehr anbieten.

Die Asaeg bestätigt das gegenüber unserer Zeitung. „Der Umsatz ist an diesem Standort einfach viel zu gering“, sagt Pressesprecher Paul Heesel.

Sak kann das nicht nachvollziehen. Er fühlt sich diskriminiert. „Wir werden unsere Öffnungszeiten ab Januar erweitern“, sagt er. Dadurch könne er gewährleisten, dass mehr Tickets verkauft werden. Sicher weiß Sak das natürlich nicht.

Dass das Geschäft in Zukunft samstags immer bis 18.30 Uhr geöffnet hat, ändert nichts daran, dass das Interesse, Bustickets vorab zu kaufen, in der vergangenen Zeit zumindest in Kohlscheid abgenommen hat.

Dennoch: In Herzogenrath und Alsdorf gibt es derzeit (noch) je acht Verkaufsstellen, in Baesweiler sind es zwei, in Würselen fünf. Wie Heesel auf Anfrage unserer Zeitung weiter mitteilt, könne er zum jetzigen Zeitpunkt keine Einschätzung darüber geben, wie sich der Ticketverkauf weiterentwickelt. Man stehe in Sachen Digitalisierung noch am Anfang und probiere vieles aus. Heesel betont jedoch auch, dass die Vorverkaufsstellen für die Aseag immer noch eine wichtige Säule des Vertriebs sind.

Längst können Fahrscheine auch über eine App gekauft werden. Mit der Einführung dieser elektronischen „eTickets“ verspricht die Aseag „effizientere Abläufe“ und „neue Angebote“.

Probleme mit „eTickets“

Allerdings gab es mit den „eTickets“ in der Vergangenheit immer wieder Probleme (wir berichteten). Wegen eines angeblichen Datenchaos‘ wurde den Eltern von 600 Schülern fälschlicherweise die Kündigung der „School & Fun-Tickets“ ins Haus geschickt. Zudem konnten 7500 Semestertickets von Studenten nicht gelesen werden. Die Frage ist also, inwieweit das „eTicket“ zurzeit schon eine Alternative zum herkömmlichen Ticket sein kann.

„Für den AVV und die ihm angehörenden Verkehrsunternehmen wird zurzeit eine zentrale Online-Vertriebsplattform entwickelt, die es möglich macht, Tickets voraussichtlich ab dem Jahr 2019 auch online zu kaufen“, sagt Heesel. Die könnten dann auch Gelegenheitskunden nutzen.

Heesel geht aber davon aus, dass die Vorverkaufsstellen auch zukünftig einen Platz in der Vertriebsstrategie haben werden. Zudem würden auch weiterhin Papiertickets verkauft.

Das sei gerade für ältere Menschen wichtig, merkt Sak dazu an. Gerade die Menschen, die ihre Fahrscheine regelmäßig im Schreib- und Tabakwarengeschäft an der Südstraße erwarben, müssten nun einen längeren Weg in Kauf nehmen.

Eine weitere AVV-Ticketstelle sei zwar nach wie vor in etwa einem Kilometer in der Kohlscheider Innenstadt, allerdings, so die Rückmeldungen einzelner Kunden, sei ihnen das fußläufig einfach zu weit.

Generell müssen sich Interessenten, also meistens Kioske, die auch Zeitschriften, Bücher, Tabak und Süßigkeiten verkaufen, um den Ticketverkauf bewerben. Die Aseag entscheidet dann, wem sie den Verkauf anbietet und wem eben nicht. So zumindest schildert Sak das Vorgehen. Die Aseag konnte bis Redaktionsschluss zu den entsprechenden Richtlinien keine Stellung beziehen.

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