Nordkreis - „Kein Druck 1987“ lebt die Bergbaukultur

„Kein Druck 1987“ lebt die Bergbaukultur

Von: Yannick Longerich
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Die Neun fest im Visier: Fritz Bresser, Vorsitzender des Kegelclubs „Kein Druck 1987“ bringt die Kugel ins Rollen, streng beobachtet von seinen Vereinskameraden. Foto: Yannick Longerich

Nordkreis. Es war eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag irgendwann zu Beginn des Jahres 1987. Fritz Bresser, damals Obersteiger auf der Grube Anna, musste bei der Befahrung der 10. Bauhöhe Flöz Q im Südwesten jedoch feststellen, dass die Strebpanzerkette, die Kohle transportierte, gerissen war.

Der Streb hatte die Verantwortlichen bis dato schon öfters vor Probleme gestellt. Die geologischen Bedingungen sowie ein schwierig zu bearbeitendes Flöz ließ die betroffenen Kumpel in der Fördertabelle im Steigerbüro abgeschlagen auf den letzten Platz sinken.

Zu allem Überfluss bereitete an jenem Tag die Geologie gravierende Probleme. Das „Hangendes“ (Gesteinsschicht oberhalb des Kohle-Flöz) hatte sich an mehreren Stellen dem „Liegenden“ (Gesteinsschicht unterhalb des Kohle-Flöz) genährt und am hydraulischen Schildausbau, welcher die Abbaustelle gegen den Druck des andernfalls einbrechenden Hangenden stützt, war „kein Druck“ mehr. Die Kohleförderung dieser Abteilung war komplett zusammengebrochen.

„Matsche, wir kegeln“

Neben dem geologischen und maschinellen Schaden blieben vor allem moralisch angekratzte Bergmänner zurück. Irgendwo in der verärgerten und enttäuschten Gruppe stand Matthias Leitz, Fahrsteiger und Stellvertreter von Bresser. An ihn waren dereinst die Worte gerichtet, die die Gründung des Alsdorfer Kegelvereins „Kein Druck 1987“ einleiteten: „Matsche, wir kegeln!“

Um die demoralisierten Kumpel wieder aufzumuntern, traf man sich am 19. Februar 1987 zum ersten Mal im Merksteiner Gasthof Stemper. Noch während des Abends wurde beschlossen, dieses Treffen künftig einmal im Monat zu wiederholen. Auch das nahende Ende des Bergbaus in Alsdorf tat der verschworenen Truppe keinen Abbruch. Als 1992 das endgültige Ende der Kohle bevorstand, einigten sich die Kumpel um Bresser und den Vorsitzenden Matthias „Mattsche“ Leitz darauf, den Verein weiterzuführen.

Schlanke 30 Jahr später sind fünf der elf Gründungsmitglieder immer noch aktiv. Mittlerweile ist man in der Gaststätte „Bei Melanie“ in der Merksteiner Römerstraße heimisch geworden. Das stolze Jubiläum ist den Männern gar nicht so wichtig, viel mehr freuen die sich verbliebenen acht Mitglieder darüber, das der Verein über so viele Jahre bestehen konnte und viele geblieben sind.

Die gemeinsame Bergbauvergangenheit ist mittlerweile zur Randnotiz geworden. Die Gespräche drehen sich um das aktuelle Geschehen.

Mit Blick auf die Geburtsjahrgänge der verbliebenen Mitglieder hält Bresser fest: „Wir müssen realistisch bleiben. Ein paar Jahre werden wir noch kegeln, danach wird es vielleicht ein Stammtisch. Ein 50-jähriges Jubiläum ist in der derzeitigen Konstellation leider utopisch.“ Nachwuchs ist auch für die Kegelbrüder fast unmöglich zu finden.

Am Donnerstag, 7. September, wird das Jubiläum im Restaurant Blumenhof ab 18 Uhr gebührend gefeiert. Wer Lust hat, kann am jeweils ersten Freitag des Monats am Vereinskegeln teilnehmen.

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