Kaufhaus „Patchwork” macht Käufer und Verkäufer glücklich

Von: Anja Klingbeil
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Ob es sich darauf gut schlafen lässt? Birgit Baurmann und Töchterchen Lisa testen das Angebot im „Patchwork” direkt aus. Foto: Anja Klingbeil

Nordkreis. Laura strahlt über das ganze Gesicht. Nicht nur, dass es im ersten Gebrauchtwarenkaufhaus im Nordkreis auch eine kleine Abteilung für Kinder gibt. Die Neunjährige freut sich vor allen Dingen für ihre Mama.

Denn Birgit Baurmann ist am Montag beim ersten offiziellen Verkaufstag im „Patchwork” an der Kirchrather Straße fündig geworden. „Ich schlafe seit acht Monaten auf einer Couch, da kommen die Federn durch. Für meinen Rücken und Nacken ist das natürlich nicht sehr vorteilhaft”, erzählt die 34-jährige Alsdorferin.

Mit Lisa Trümper-Loogen, Sozialarbeiterin beim Sozialbund katholischer Frauen (SkF), ist sie nach Merkstein gekommen. „Mir gefällt es sehr gut hier. Es ist alles übersichtlich angeordnet wie in einem normalen Kaufhaus”, sagt Birgit Baurmann. 70 Euro kostet ihr neues Bett. „Dazu gab es auch noch die passenden Nachtkonsolen”, freut sich Birgit Baurmann. „Es ist natürlich ein echter Glücksgriff, dass wir auf Anhieb ein Bett gefunden haben”, sagt Lisa Trümper-Loogen.

Zeit für ein Tässchen Kaffee

Zwar kein Bett, dafür aber ein Glas und eine hübsche Pralinendose hat Christa gefunden. „Ich habe nur eine kleine Rente, kann mir nicht so viel leisten. Außerdem ist sonst in der Gegend nicht viel. Hier kann ich nach Möbeln schauen, auch nach kleineren Sachen und Kleidung. Dann gibt es noch ein Café. Das finde ich super”, erzählt die 67-Jährige. Gleich am ersten Verkaufstag tummeln sich viele Kunden in dem großen Ladenlokal, in dem vorher ein Supermarkt war.

„Patchwork” lautet der eingängige Name. „Flickwerk” ist es aber ganz und gar nicht, was hier auf die Beine gestellt wurde. „Wenn das so weitergeht, dann sind wir allerdings bald ausverkauft”, schaut Christian Jauck, Leiter von „Patchwork”, in die Verkaufshalle. Und tatsächlich: An vielen Möbeln - von der kompletten Wohnzimmergarnitur mit Ledersesseln bis hin zu Schränken und Vitrinen ist wirklich alles dabei - kleben bereits kleine Schildchen mit der Aufschrift „reserviert”.

Renate Bauer hatte Glück. Eigentlich wollte sie ja gar nichts kaufen, sondern nur mal sehen, was es in dem neuen Geschäft so alles gibt. Doch prompt hat sie für 80 Euro einen neuen Esszimmertisch mit passenden vier Stühlen ergattert. „Der passt ganz genau zu meinem Esszimmerschrank. Außerdem wackelt mein alter Tisch”, freut sich die 74-Jährige über das Schnäppchen.

Geliefert werden ihr die neuen Möbel auch. 15 Euro kostet sie das zusätzlich. Und ihr alter Tisch, der wird bei Lieferung gleich mitgenommen. Denn das ist das Prinzip von „Patchwork”: Gebrauchte, gut erhaltene Möbel, Gläser, Spielzeug und alles, von dem man sich trennen möchte, kann in dem Gebrauchtwaren- Kaufhaus abgegeben werden. „Unsere Werkstatt in der Recyclingbörse repariert alles, so dass wir es dann hier verkaufen können”, sagt Christian Jauck.

Der Clou: „Patchwork” richtet sich nicht nur an Menschen und Familien, die günstig einkaufen wollen, auch die Angestellten erhalten mit dem Projekt die Chance, einen Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu finden. Volker Wittig etwa, der gerade dabei ist, noch die letzten Sachen mit Preisen zu versehen.

„Ich bin eigentlich Mechatroniker, aber schon seit einiger Zeit arbeitslos. Ich würde gerne mehr in den Bürobereich gehen, eine Umschulung machen”, erzählt der 44-Jährige. Oder Ingrid Feiker: Die gelernte Krankenschwester hat ihren Beruf 15 Jahre nicht ausgeübt, war Hausfrau und Mutter. Auch sie arbeitet nun im „Patchwork” als Ein-Euro-Jobberin.

„Es macht sehr viel Spaß. Ich bin in allen Abteilungen”, freut sie sich. Auch Nadine Kremers will wieder eine regelmäßige Arbeit. Sie hat eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin gemacht. Doch krankheitsbedingt konnte sie in diesem Bereich nicht arbeiten.

Sie fiel durch das Raster auf dem ersten Arbeitsmarkt, „weil ich aufgrund meiner Krankheit etwas langsamer bin”, wie sie selber sagt. Die Arbeit im „Patchwork” macht ihr Freude. Nadine Kremers bedient auf der ersten Etage, im Second-Hand-Laden, der von Schneiderin Martina Bredohl geleitet wird.

Gehandelt werden darf im Übrigen auch. „Aber das soll schon im Rahmen bleiben. Unsere Preise sind ja schon niedrig. Und wir können nichts für umsonst abgeben”, betont Christian Jauck.
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