Karl-Heinz Lambertz zu Gast bei „Schwarz auf Weiß”

Von: ehg
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Lebhafter Austausch: Karl-Hein
Lebhafter Austausch: Karl-Heinz Lambertz, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, und Moderator Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung (l.), in Foto: Sevenich

Würselen. Hand aufs Herz! Wer kannte bis zu seinem Auftritt bei „Schwarz auf Weiß” in St. Marien schon den deutschsprachigen belgischen Vollblutpolitiker Karl-Heinz Lambertz? In der vom Chefredakteur dieser Zeitung, Professor Bernd Mathieu, im Stile einer Talkshow flott und frech moderierten Jubiläumsveranstaltung - die Reihe wurde fünf Jahre alt - präsentierte er sich offenherzig und schlagfertig mit seinen vielen Ecken und Kanten den mehr als 100 Besuchern und steigerte damit seinen Bekanntheitsgrad diesseits der Grenze um ein Vielfaches.

Als ersten Gast aus dem benachbarten belgischen Königreich und Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens begrüßte ihn Hans-Peter Pütz, der Sprecher des Organisationsteams, herzlich in Scherberg.

Nicht minder aber auch den Gastmoderator, mit dem vor fünf Jahren als ersten Interviewgast die Reihe erfolgreich auf den Weg gebracht worden war. Bei ihm bedankte sich Pütz am Ende der unterhaltsamen und kurzweiligen Veranstaltung mit dem freiwilligen Eintritt und einem „kleinen” Zuschlag für „sein” Hilfsprojekt „Menschen helfen Menschen”.

Mit zehn Jahren Kühe gemolken

Dass Lambertz, der Präsident von rund 78 000 deutschsprachigen Belgiern, links neben seinem Interviewer Platz nahm, war kein Zufall.Vor 62 Jahren im 400 Seelendorf Schopen in kleinbäuerliche Verhältnisse („Ich durfte mit zehn Jahren schon Kühe melken.”) hineingeboren und aufgewachsen, sollte er auf Wunsch der Mutter Priester werden.

Doch ging er nach Abschluss seines Jurastudiums an den altehrwürdigen Universitäten von Löwen und Heidelberg in die Politik, indem er Mitglied der Sozialistischen Partei wurde. Der Sozialist Lambertz, dessen Vater die leidvolle Geschichte Ostbelgiens an seinem eigenen Leibe erlebte, ist stolz auf seine Eltern: „Sie haben sich das Geld für mein Studium vom Munde abgespart.”

Anders als sein Vater habe er eine akademische Bildung erlangen können. Die seit dem Versailler Vertrag 1919 leidvolle Geschichte Ostbelgiens habe seine Eltern stark geprägt.

Rechnen wie die Deutschen

Lambertz, der seit 1999 mit unterschiedlichen Koalitionen regiert, gesteht: „Wir müssen schon etwas dafür tun, dass wir als Minderheit in Brüssel gehört werden.” Scherzhaft: „Für die Ostfriesen ist es schwieriger in Berlin Anerkennung zu finden als für die Deutschsprachige Gemeinschaft in ihrer Hauptstadt.”

Von der Mentalität her seien die deutschsprachigen Belgier mehr mit den Flamen als mit den Wallonen verwandt, „obwohl sie im Alltag unsere Nachbarn sind”. Weiter sagte er zu deren Charakterisierung: „Wir rechnen wie die Deutschen, aber leben wie die Wallonen, nicht umgekehrt.”

Das heutige Verhältnis zu Deutschland veranschaulichte Lambertz an einem lustigen, aber denkwürdigen Beispiel: „Die deutschsprachigen Belgier sind Fans von deutschen Bundesligaclubs. Sie freuen sich aber, wenn die deutsche Nationalmannschaft verliert.”

Als Ministerpräsident der kleinen Minderheit in Belgien sei ihm an guten Kontakten zu allen deutschsprachigen Ländern bis hin nach Südtirol gelegen.

Wie sehr er der Folklore verbunden ist, dafür sprechen die drei Kappensitzungen, die er mit Unterstützung der Roten Funken aus Köln, deren Ehrenmitglied er ist, bisher in Brüssel veranstaltete. „Der Aachener Karnevalsverein will mit einsteigen.” Dreimal in der Woche führt er nach Brüssel, wo er neben dem König vor allem die Großen der europäischen und der Weltpolitik trifft.

Von dem „Schwarz-auf-Weiß”-Interviewer Bernd Mathieu nach Stärken und Schwächen gefragt, gesteht die interessante politische Persönlichkeit aus der Gemeinde Amel: „Ich weiß genau, was ich will.” Er gehe nicht sehr kleinlich vor, wenn er politische Ziele durchsetzen wolle. Er schätze Ehrlichkeit und Engagement. Er könne schnell ungeduldig und auch sehr heftig werden, was ihm im Nachhinein leid tue.

Für Lambertz besteht kein Zweifel daran: „Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist ein Glücksfall für die Menschen in Ostbelgien.” Und auf die Frage, was das Beste an Belgien sei, folgt ohne lange nachzudenken: „Seine Fähigkeit, Kompromisse zu schließen.” Und mit einem Augenzwinkern: „Belgien funktioniert, auch wenn es keine Regierung hat.”

Dass der Vollblutpolitiker 2014 noch einmal für das Amt des Ministerpräsidenten kandieren wird, ist so gut wie sicher.

Am Ende konnte sich Bernd Mathieu bei Karl-Heinz Lambertz im Namen aller Anwesenden „nur” für einen amüsanten Abend bedanken. Und Hans-Peter Pütz zog den Hut vor einem engagierten deutschsprachigen belgischen Politiker und einem überzeugten Europäer. Das zu sein, durfte der Gast von jenseits der Grenze mit Fug und Recht von sich behaupten.
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