Karl der Große im Mittelpunkt

Von: Nina Krüsmann
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Klangbeispiele aus dem Karlsoffizium: Die „Schola Carolina” unter LeitungÊvon Dr. Michael Tunger beim Herzogenrather Montagsgespräch. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Das letzte Herzogenrather Montagsgespräch in diesem Jahr bot im Pfarrzentrum von St. Gertrud einen Werkstatteinblick in die Arbeit der Erforschung des Karls-Offiziums „Regali natus de stirpe” (Aus königlichem Stamm geboren).

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt, selbst liturgisch sehr interessiert, hatte Hannelore Zowislo-Wolf, Vorsitzende des Vereins zur Erforschung der mittelalterlichen Karlsliturgie, für einen Vortrag der besonderen Art gewinnen können.

„Das Leben Karls des Großen in Text und Musik steht heute im Fokus”, verdeutlichte Rodheudt, der sich auch persönlich in Zowislo-Wolfs Verein engagiert.

Mit der Erforschung des Phänomens des Karls-Offiziums hat die Vereinsvorsitzende ein längerfristiges interdisziplinäres Projekt im Hinblick auf den 1200. Todestag Karls 2014 auf den Weg gebracht. „Wir wollen das Karls-Offizium unter musikwissenschaftlichen, theologischen, sprachwissenschaftlichen, historischen und kunstgeschichtlichen Aspekten beleuchten”, erklärt Zowislo-Wolf, die auch am Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte der RWTH Aachen tätig ist.

Himmlischer Lobgesang

Als Offizium bezeichnet man zusammenfassend das Stundengebet der Kirche. Das Mittelalter verstand den Choral der irdischen Liturgie als Abbild des himmlischen Lobgesangs der Engel. Im Verlauf von 24 Stunden wird demnach achtmal zum Gebet beziehungsweise Gesang aufgerufen.

„Nach der Heiligsprechung Karls 1165 entstand ihm zu Ehren das Karlsoffizium, dessen älteste Handschrift sich heute im Aachener Domarchiv befindet”, erklärte die Referentin. Neben der Karlsmesse entstanden so liturgische Texte und Gesänge die dichterisch-musikalischen Kunstwerke gleichen.

Dabei handele es sich um ein einzigartiges und faszinierendes Zeugnis der europäischen Kultur des Mittelalters. „Optik, Worte, Akustik und Musik ergeben hier ein einmaliges Zusammenspiel, eine richtige Kostbarkeit”, betonte die Vortragende. In mehreren Klangbeispielen präsentierten die Sänger der Mönchengladbacher „Schola Carolina” unter Leitung von Dr. Michael Tunger die lateinischen Reime des Offiziums.

Das auf den ersten Blick spröde und komplex anmutende Thema zog viele interessierte Herzogenrather an und entpuppte sich als Einblick in eine faszinierende Welt.

Vor dem Montagsgespräch war erstmals seit der Säkularisation unter Napoleon wieder die Karlsmesse in der klassischen lateinischen Form des gregorianischen Ritus in Herzogenrath zelebriert. Diese besonders feierliche Messe unter dem Titel „In virtute tua” zu Ehren Karls des Großen bildet den Höhepunkt der Verehrung des bedeutenden und umstrittenen Herrschers.

„Bereits rund 50 Jahre nach seiner Heiligsprechung stand die liturgische Verehrung Kaiser Karls im Aachener Münster in hohem Ansehen”, erklärte Hannelore Zowislo-Wolf, Vorsitzende des Vereins zur Erforschung der mittelalterlichen Karlsliturgie.

Das Interesse an der von Pfarrer Dr. Guido Rodheudt zelebrierten Messe war groß, die Bankreihen dicht besetzt mit Jung und Alt. Gesanglich gestaltet wurde die Messe mit Gregorianischem Choral ebenfalls von der „Schola Carolina”.

Die berühmte Sequenz „Urbs aquensis, urbs regalis”, heute oft in der Kaiserstadt gesungen, gehörte mit ihrem jubelnden Lobgesang zum musikalischen Höhepunkt der Messe.
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