Kampfkunstschule stellt sich vor: Selbstverteidigung gefragter denn je

Von: Markus Bienwald
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Marc Springer (links im Bild) ist nicht nur Kampfkunstlehrer, sondern auch Experte für Selbstverteidigung. Schwungvolle Vorführungen zeigen den anderen Vereinsmitgliedern die vielfältigen Techniken zur Selbstverteidigung. Foto: Markus Bienwald
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Marc Springer (links im Bild) ist nicht nur Kampfkunstlehrer, sondern auch Experte für Selbstverteidigung. Schwungvolle Vorführungen zeigen den anderen Vereinsmitgliedern die vielfältigen Techniken zur Selbstverteidigung. Foto: Markus Bienwald
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Schwungvolle Vorführungen zeigen den anderen Vereinsmitgliedern die vielfältigen Techniken zur Selbstverteidigung. Foto: Markus Bienwald
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Schwungvolle Vorführungen zeigen den anderen Vereinsmitgliedern die vielfältigen Techniken zur Selbstverteidigung. Foto: Markus Bienwald
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Die Begrüßung vor jedem Training gehört natürlich dazu, sie ist den guten Sitten des Kampfsportes geschuldet. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. „Nach Silvester haben die Anfragen für unsere Selbstverteidigungskurse sprunghaft zugenommen“, sagt Marc Springer. Seit vielen Jahren bietet der hauptberufliche Polizist in Kohlscheid und Aachen in seiner freien Zeit Selbstverteidigungskurse für Kinder und Erwachsene an.

Und er weiß, dass das Gefühl, sich mit einem solchen Kurs auf mögliche Zwischenfälle vorbereiten zu können, ein besseres ist. Dabei hilft ihm sicherlich auch die Praxiserfahrung als Polizist, aber auch die Tätigkeit als Ausbilder derjenigen, die in Notsituationen schnell und überlegt handeln müssen.

Springer kommt es vor allem auf die passende Reaktion und die Einschätzung einer Situation an. Da wird beispielsweise eine Discotheken-Situation nachgestellt, bei der ein Schüler durch andere Sportler, die beispielsweise sich streitende Gäste spielen, unvorhersehbare Momente erlebt. „Selbst eigentlich durch ihre Ausbildung abgebrühte Leute reagieren da spontan ganz anders, und können gar nicht richtig damit umgehen“, so Springer.

Natürlich weiß Marc Springer um das Überraschungsmoment, um den Fluss von Adrenalin, um die Dinge, die plötzlich dem Körper den Alarm befehlen, wenn es zu einem bedrohlichen Moment kommt. „Manche Situationen entwickeln sich sehr plötzlich und für den Betroffenen völlig unerwartet“, sagt er.

Das betrifft eigentlich jeden, nicht nur Jugendliche, denen beispielsweise etwas geraubt wird, oder Frauen, die sich unvermittelt einem Bedrohungsszenario ausgesetzt sehen, und schnell entscheiden müssen, wie sie agieren. Springer weiß auch, dass nicht nur ein einfacher Kurs in solchen Fällen weiterhilft. „Man sollte am Ball bleiben“, rät er, Training und Wiederholungen sorgen dafür, dass Eingeübtes besser haften bleibt.

Wie das gehen kann, zeigt heute der Tag der Offenen Tür in der Kampfkunstschule in Herzogenrath. Über dem lokalen Gartencenter gelegen, gibt es dann Einblicke in das, was hier inzwischen vereinsmäßig betrieben wird. „Anfangs waren wir eine Schule, inzwischen haben wir gemerkt, dass wir zu einer Familie gewachsen sind“, erzählt Springer.

Da war der Schritt zur kürzlich vollzogenen Vereinsgründung als eingetragener und somit gemeinnütziger Verein nur logisch: unter dem Label „Team Springer Kampfkunstschulen e.V.“ können nun Menschen hier an verschiedenen Techniken des so genannten Remac (Realistic Martial Arts Concept) Wing Tzun lernen, wie sie sich in bedrohlichen Situationen verhalten.

Geübte Ausbilder zeigen den Kursteilnehmern oder auch künftigen Vereinsmitgliedern dann, wie es geht. „Dabei geht es oft nicht um die Abwägung, welche Technik ich einsetzen muss“, sagt Springer, während im Hintergrund die Vereinsmitglieder fleißig trainieren, „es geht auch darum, einzuschätzen, ob es vielleicht nicht besser ist, die Situation einfach zu verlassen“.

Die Sportler im Hintergrund zeigen derweil auf den ersten Blick halsbrecherisch anmutende Techniken. Angreifen lernt hier niemand, es geht einzig darum, wie man sich selbst verteidigen kann. Und es geht um das Trainieren von Techniken, die Verfeinerung des Tuns, und den Respekt vor dem anderen.

Dass sich in einer Notsituation die menschlichen Faktoren des Adrenalinflusses und des Überraschungsmomentes ausschalten lassen, das gelingt mal mehr, mal weniger gut, sagt Springer, der unter anderem Polizisten in Selbstverteidigungstechniken ausbildet. Aber es sei durchaus möglich, durch Training besser auf solche Gefahrensituationen reagieren zu können.

Dem noch jungen Verein gehören schon 130 Mitglieder an, der Zuwachs bei Frauen, die sich nach den Übergriffen an Silvester am Kölner Hauptbahnhof spürbar vermehrt anmeldeten, aber auch an Kindern, die sich in Schule und Freizeit immer öfter kritischen Momenten ausgesetzt sehen können, ist kontinuierlich.

„Auch für Kinder gibt es viele gute Gründe, sich selbst verteidigen zu können“, so Springer. Dabei legt er die Betonung auf die Verteidigung, denn Angriffstechniken vermittelt er nicht. Schließlich, so meint er abschließend, gehe es darum, Selbstbewusstsein zu vermitteln, das auf dem Gefühl beruht, für einen Notfall gerüstet zu sein.

Das kann sich auch positiv auf den Charakter auswirken. Die rechtliche Situation wird während der Trainings übrigens auch beleuchtet. Zwar gebe es dafür auch eigenständige Seminare, „aber man sollte schon wissen, was man wann wie anwenden darf“, schließt der Kampfkunstexperte. Denn nur so kann man mit einem deutlich geschärften Blick auf eine Situation angemessen reagieren.

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