Kampf gegen „Konfliktmineralien“: Gerechtigkeit und Vertrauen im Fokus

Von: Yannick Longerich
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Eine Box für ausragnierte Handys: Daraus können Stoffe wie Gold, Zinn, Wolfram oder Coltan recycelt werden. Die Gewinnung dieser Elemente beispielsweise im Kongo wird nur mit massiven Menschenrechtsverletzungen erreicht. Referentin Dr. Eva-Maria Hertgens von Missio und Caroline Kogel, CSR-Managerin bei Lancom Systems, setzen sich für die Vermeidung von „Konfliktmineralien“ ein. Foto: Yannick Longerich

Würselen. Unter den abgenutzten Plastikhüllen verbirgt sich ein unschätzbarer Wert. Zugegeben – ein altes Handy in der Schublade macht seinen Besitzer keineswegs unverhofft Reich. Aber es hat das Potenzial, Ungerechtigkeit und Gewalt in der Welt zu vermindern. Sogenannte „Konfliktmineralien“, millionenfach verbaut in Multimedia, landen nach der Lebensdauer des Geräts oftmals achtlos auf der Deponie.

Für den Bau von Multimedia unverzichtbare Stoffe wie Gold, Zinn, Wolfram oder Coltan werden unter grausamen Umständen für Arbeiter und Bevölkerung beispielsweise im Kongo abgebaut. Als lukrative Geldquelle für verbrecherische Organisationen werden stellen solche Konfliktstoffe ein Problem dar, welches das Blut der Geschändeten buchstäblich in unsere Handy katapultiert. Die Leiden der Menschen finden in der Nachrichtenwelt kaum Gehör. Das Missionswerk Missio leistet seit Jahrzehnten Hilfe an den Brennpunkten in Zentralafrika.

Im Zuge des Management-Treffens des Regionalen Industrieclubs Informatik Aachen (Regina) referierte in den Räumen der Würselener Firma Lancom Systems Dr. Eva-Maria Hertgens von Missio über die Missstände bei der Gewinnung elementarer Baumaterialien sowie über die Verantwortung, die deutsche Unternehmen haben. Seitens der Gastgeber stellte CSR-Managerin Caroline Kogel den Fortschritt von Lancom auf diesem Gebiet vor.

Die Firma Lancom selbst ist seit 15 Jahren für hochwertigste Netzwerkinfrastruktur-Produkte für Unternehmen bekannt. Über 300 Mitarbeiter zählt die Belegschaft. Als eines der wenigen deutschen Unternehmen sieht sich Lancom auf dem Weltmarkt einer Übermacht aus asiatischen und amerikanischen Konkurrenten gegenüber. Deutsches „Know-How“ ist dabei freilich ein Trumpf, jedoch kein Allheilmittel. Vor wenigen Wochen startete das Unternehmen ein zukunftsweisendes Projekt. Das eigene Cloud-Angebot ist nunmehr auf dem Markt.

2014 entschloss die Unternehmensführung, sich stärker um „Verantwortung im Digitalen Zeitalter“ (Corporate Social Responsibility, kurz: CSR) zu bemühen. Caroline Kogel wurde zur CSR-Managerin ausgebildet. Seitdem genießen im Unternehmen Fragen nach Gesellschaftsverantwortung eine äußerst hohe Bedeutung. Es wird bei Entscheidungen vielfach hinterfragt, wie freiwillige Beiträge zu einer nachhaltigeren Entwicklung geleistet werden können.

In Zeiten globaler Vernetzung wird CSR immaterielle Werte wie Vertrauen oder Gerechtigkeit bedeutend steigern. Es diene laut Kogel ferner als „Risikoradar“ für globale Megatrends wie beispielsweise Ressourcenknappheit. Einen eigenen CSR-Bericht verfasst Lancom bisweilen noch nicht, in den kommenden ein bis zwei Jahren wird jedoch auch hier vorangeschritten.

Der Kontakt mit Missio stellte sich auf dem „kurzen Dienstweg“ ein. Eine ZDF-Reportage über die unmenschlichen Zustände bei der Gewinnung von Konfliktmineralien in Minen der „Demokratischen Republik Kongo“ machte Mitarbeiter von Lancom auf das in Aachen ansässige Missionswerk aufmerksam. Seitdem kooperieren beide Parteien und arbeiten auf eine langfristige Vermeidung von Konfliktmaterialien in der Multimedia-Branche sowie auf transparentere Lieferketten hin.

Im ersten von vielen nötigen Schritten auf dem steinigen Weg zur Gerechtigkeit schließt sich Lancom der Aktion für das Recycling von alten Handys an. Auch wenn laut Dr. Hertgens die Masse an Konfliktmineralien pro einzelnem Handy verschwindend gering ist – jedes Gramm verringert das Leid der unterdrückten Bevölkerung in den Abbaugebieten.

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