Kahlschlag: Reaktionen auf Vorwürfe der AG Wurmtal

Von: ger/red
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Ebenfalls bekämpft: Borkenkäfer im Wurmtal. Foto: imago stock

Herzogenrath/Würselen. Die extensiven Rodungen im Further Wald haben die Gemüter vieler Anwohner, Spaziergänger und Naturschützer erregt (wir berichteten). Auch die AG Wurmtal hat sich bezüglich der umfangreichen, wohl aber legalen Fällaktionen zu Wort gemeldet. Doch nun ist die Stadt Herzogenrath erbost – und zwar über die AG Wurmtal.

Die Naturschützer haben nach eigenen Angaben herausgefunden, dass die Waldarbeiter neben den Flächen des privaten Waldbesitzers aus der Eifel auch Bäume auf kommunalem Grund gerodet hätten (wir berichteten ebenfalls). Nach Angaben der AG Wurmtal gehören nur etwa 200.000 von den rund 500.000 abgeholzten Quadratmetern Wald dem Eifeler Holzunternehmer Schmitz.

Der Rest gehöre anderen privaten Eigentümern und der öffentlichen Hand. Demnach sollten sich die kommunalen Stellen nicht über die Abholzungen beschweren, sie seien vielmehr „Mittäter“, da vorher in Kenntnis gesetzt. Rüdiger Staron, Technischer Dezernent der Stadtverwaltung Herzogenrath, empörte sich im Stadtrat über die Anwürfe der AG Wurmtal: „Das stimmt für Herzogenrath nicht“, sagt er.

Die Stadt sei nicht beteiligt gewesen und habe auch kein Vorkaufsrecht für solche Waldflächen. Zuständig sei zudem nicht die Stadtverwaltung, sondern die Städteregion, betonte er. Den Behörden – auch dem Umweltamt der Städteregion – hatte die AG Wurmtal „totale Ignoranz gegenüber den Belangen des Naturschutzes“ vorgeworfen.

Überdies befürchteten die Naturchützer, dass die Wege in dem Waldgebiet nun auf Kosten der Steuerzahler hergerichtet werden müssten. Durch den Einsatz von schwerem Gerät beim Fällen der Bäume seien die Wege arg in Mitleidenschaft gezogen. Auch hier stellte Staron klar: Die Wege habe der Holzfäller auch selbst wieder in Stand zu setzen.

Bereits 2006 markiert

Auch die Stadt Würselen ist wenig begeistert von den Vorhaltungen der AG Wurmtal. Auf Würselener Grund sind Durchforstungen vorgenommen worden, auf einer Fläche von 1,73 Hektar, das sind 17300 Quadratmeter. „Hierbei wurde kein Wald abgeholzt“, stellt die Stadt klar, vielmehr seien „hauptsächlich Fichtenbestände durchforstet“ worden: „Insgesamt fielen circa 20 Prozent Laubhölzer an, die in den Fichtenbeständen gemischt vorkamen.“

Laubhölzer würden gegenüber Nadelholz bevorzugt gefördert, „gemäß der potenziellen natürlichen Waldgesellschaft“. Die Bäume seien bereits 2006 angezeichnet worden, die Durchforstung dann jedoch aufgrund des Sturms „Kyrill“ 2007 zurückgestellt worden. Besagte Flächen hätten nach der Forsteinrichtung aus dem Jahr 1999 durchforstet werden müssen.

Dabei sei an keiner Stelle ein Kahlschlag entstanden. „Um eine weitere Verbreitung der Borkenkäferpopulation zu vermeiden, wurde angrenzend an den Privatwaldbesitzer Udo Schmitz ein ‚Borkenkäfernest‘ entfernt. Menge circa 15 Festmeter.“

Stadtsprecher Bernd Schaffrath stellt zudem fest: „Desweiteren ist mir seitens der Firma Schmitz bekannt, dass die AG Wurmtal zu Beginn des Holzeinschlages Kontakt zu dem Privatwaldbesitzer aufgenommen hat. Der neue Waldbesitzer einigte sich mit der AG, betroffene Nistkästen abzunehmen und zur Seite zu stellen. Außerdem wurde vereinbart, dass einige Totholzbäume auf Wunsch der AG stehen bleiben.“

„20 Jahre nicht gepflegt“

Auch eine Fläche eines Privatwaldbesitzers aus Würselen sei durchforstet worden – und zwar ein junger Waldbestand aus Fichte, Rot- und Zerr-Eiche von rund vier Hektar Größe, die bereits 20 Jahre nicht gepflegt worden sei. Schaffrath: „Damit stabile Waldbestände mit vitalen Kronen entstehen, müssen junge Wälder durchforstetwerden, damit aus ihnen ebenso alte und vitale Wälder werden, wie die im Wurmtal.“

Beim Vorwurf, dass die AG Wurmtal bereits Entwürfe an die Bürgermeister von Würselen und Herzogenrath geschickt habe, seien sich beide Kommunen einig, dass das Konzept nicht nur mit einem Naturschutzverein diskutiert werden solle, sondern im Rahmen der neuen Forsteinrichtung mit allen Trägern öffentlicher Belange, „zumal bereits große Anteile der Altholzbestände der natürlichen Entwicklung überlassen werden und keine Eingriffe vorgenommen werden“.

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