Kaffeeklatsch mit Angela Merkel: Double in Roda zu Gast

Von: mabie
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Treffen an der Neustraße: Christel (l.) und Josef (r.) Lemoine aus Herzogenrath hatten zwar nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast, aber die auch ehrenamtlich sehr engagierte Doppelgängerin Ursula Wanecki aus Attendorn. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Staatsbesuch in Herzogenrath? Die Regierungschefin privat bei Christel und Josef Lemoine? Nicht doch, die Dame auf dem Foto heißt Ursula Wanecki, ist eigentlich Steuerfachangestellte und wohnt in Attendorn, und arbeitet nicht in Berlin wie Angela Merkel, für die sie aber ohne Weiteres gehalten werden könnte.

„Frau Merkel ist aber ein bisschen kleiner als ich“, weiß Wanecki, die als Double bei einer Agentur einige Auftritte im Jahr als Kanzlerinnen-Double absolviert. Wie es dazu kommt, dass sie nun bei den Lemoines in der Neustraße am Wohnzimmertisch sitzt, und ganz gemütlich eine Tasse Kaffee genießt, erzählt Josef Lemoine.

„Zum ersten Mal trafen wir uns im polnischen Generalkonsulat in Köln“, so Lemoine, das war vor zwei Jahren und der frühere Schulamtsdirektor fühlte sich beim Anblick von Ursula Wanecki gleich an die Kanzlerin erinnert. „Ich dachte, dass Frau Merkel einen Überraschungsbesuch im Konsulat gemacht hat“, so Lemoine, der sich gerne an diesen ersten Blick erinnert.

Das Amt des Pädagogen eint übrigens beide, denn Ursula Wanecki war früher in Polen Lehrerin, ehe sie ihrem Mann Mitte der 1980er-Jahre nach Olpe folgte. Damals fiel natürlich noch keinem die wirklich frappierende Ähnlichkeit auf, das kam erst bei einer Karnevalsfeier vor vier Jahren. „Ich wusste nicht, welche Verkleidung ich nehmen sollte, da kam ich auf die Idee, meine Ähnlichkeit zu nutzten“, erzählt sie beim Kaffee in Herzogenrath. Flugs waren die passenden Hosen – Frau Wanecki trägt lieber Rock statt wie Frau Merkel Hosen – und eine rote Jacke besorgt, und keine Minute später klickten unaufhörlich die Kameras von Freunden und Bekannten. „Jeder sagte mir, dass ich so aussehe wie die Kanzlerin“, erzählt die überaus sympathische Frau, die heute mit ihrem Mann in Attendorn lebt. Das fand sie bis zu diesem Moment eigentlich nicht, änderte aber nichts an der Tatsache, dass sie seit gut zwei Jahren hin und wieder von einer Künstleragentur für Auftritte meist werblicher Art gebucht wird.

Da stimmt einfach alles

Übrigens brauchte sie den Gang und die Gestik und Mimik von „Angie“ nicht einzustudieren. Denn schon bei der Begrüßung und bei den paar Schritten zum von Christel Lemoine österlich dekorierten Wohnzimmertisch fällt auf, dass auch hier alles stimmt. „Ich übe das nicht, ich bin einfach so“, sagt sie, und auch, wenn die typischste aller Merkel-Haltungen, die mit beiden Händen geformte Raute ansteht, hat der Beobachter nie das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Ob es ein Teil des tief empfundenen Respekts für die Leistungen des „Originals“ ist, weiß sie nicht. Wohl aber, dass sie den Werdegang und die Arbeit, die von der Bundeskanzlerin geleistet werden, sehr schätzt. „Frau Merkel ist ein tolles Beispiel dafür, wie eine Frau sich durchsetzen kann“, so Ursula Wanecki. Die Doppelgängerin ist sie zwar gerne, aber sie weiß auch, dass sie nicht jeden Wunsch erfüllen kann, den Menschen mit ihr in Merkel-Optik planen. „Am Anfang war ich dahingehend vielleicht etwas naiv“, gibt sie zu, doch inzwischen macht sie nur, was ihr Spaß macht und was dem Original nicht schadet.

Und auch eigenes Engagement steht ganz oben für die ausgebildete Pädagogin, die wie ihr Gastgeber an diesem Tag sich ehrenamtlich für Integration einsetzt. So arbeiten Josef und Christel Lemoine in einem Dürener Verein, der sich für Integration einsetzt. „Wir müssen Angebote schaffen, sonst gibt es für die Leute weniger Chancen, sich zu integrieren“, so Lemoine. Und Ursula Wanecki hat in ihrer neuen Heimatstadt ein Projekt gegründet, die es Kindern ermöglicht, Polnisch zu lernen und die polnische Kultur kennenzulernen. Mit ihrem Engagement wurde sie schon mit dem Pro-Ehrenamt-Preis der Volksbank Bigge-Lenne ausgezeichnet. Doch das ist ihr nicht so wichtig, ebenso wenig wie Josef Lemoine, der sich gerne in den Dienst der guten Tat in Sachen Integration stellt.

Bei ihrem Treffen ging es damit auch um Sachthemen, ganz so, wie es vielleicht auch bei einem realen Besuch der Kanzlerin im Wohnzimmer an der Neustraße der Fall gewesen sein könnte. Dass Ursula Wanecki weiter denkt, zeigt sie, in dem sie beispielsweise Sprachkurse für die immer mehr in Deutschland verbreiteten Haushaltshilfen aus Polen fordert. „Ich finde, dass den Leuten ein Sprachkurs zur Verfügung gestellt werden sollte“, schloss sie. „Denn Integration kann nur über die Sprache kommen“, weiß sie, „keiner kommt aus dem Niemandsland, jeder bringt Wurzeln und Traditionen mit, aber um zu wissen, wie das Leben in einem anderen Land funktioniert, muss man die Sprache des Landes beherrschen“.

Ob das auch Ansicht der Kanzlerin ist, war beim Treffen in Herzogenrath nicht das Thema. Klar ist aber am Ende, wer eigentlich von wem etwas abgeschaut hat. „Die Frisur, die hat Frau Merkel von mir“, findet Ursula Wanecki.

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