Kabarettisten halten das Publikum in der Alten Scheune in Atem

Von: mas
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„Früher waren die Hühnerställe so groß, dass meine Oma mit dem Motorrad dadurch fahren konnte“, nahm sich Frank Küster den Bio-Eier-Skandal vor. Foto: Sigi Malinowski
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„Meine Mutter duscht sogar im Liegen, damit es nicht so spritzt“, erzählte Tahnee Schaffarzczyk dem Baesweiler Publikum aus ihrem Familienleben.

Baesweiler. Ob dort früher mal Pferde untergebracht waren? Es „wieherte“ jedenfalls knackig in der Alten Scheune des Kulturzentrums Baesweiler. Als das Thema Pferdefleischskandal vom Hauptdarsteller auf die Tagesordnung gehoben wurde, machte sich der wortgewaltige Kabarettist zum Furi(oso) Küster.

„Pferdefleisch soll ja sehr eisenhaltig sein“, warf der Düsseldorfer Frank Küster mit seinen Kenntnissen um sich. Also näherte er sich den Tiefkühltruhen seiner Wahl „nur mit einem Magnet“. So ortet man das Übel auf die Schnelle. „Und wenn die Packung dann noch von selbst aus der Truhe in den Einkaufswagen springt, war‘s ein Turnierpferd!“

Frank Küster präsentierte sich in seiner „Küster-Nacht“ sehr ausgeschlafen. Gemeinsam mit dem Original Baesweiler Burgorchester, bestehend aus den Musikern Andreas Hirschmann und Marcel Mader, brachte Küster sein Publikum sehr schnell in stürmisch-heitere Frühlingsstimmung. Und das zur Fastenzeit! Wie sehr er es selbst mit dem Fasten hält, machte er mit Fingerzeig auf sein Hemd klar: „Sehen Sie mal, Fisch!“

Fasten ja, aber Sparen mit Gags, nein, ganz und gar nicht. Die Sexismus-Debatte wird angerissen, doch springt Küster schnell weiter zum weltbewegenden Thema „Papst-Rücktritt“. Küster beleuchtete die Regularien eines solch außergewöhnlichen Schrittes. „Rücktritt, wie macht man das eigentlich, bei wem wird sowas eingereicht?“ Und, wie verabschiedet man sich von einem Papst: „War es bisher nicht immer so, dass ein Papst beerdigt wird? Aber das kannst‘e jetzt wohl nicht bringen“, mäßigt der Künstler sein prustendes Publikum. Eins will er aber noch wissen. „Was zieht man an, wenn man kein Papst mehr ist“? Er schlägt selbst eine Lösung vor: „Er nimmt das kleine Weiße“.

Zurück zum Pferdefleisch, das nun auch in der Ikea-„Nationalspeise“ Köttbullar gefunden wurde. Für den Star keine Sensation: „Ich habe nichts anderes erwartet. Nur, wie kam das da rein“? Es gibt Gesangseinlagen. Aus dem „Roten Pferd“ wird nun „da hat das Tote Pferd ganz plötzlich Hackfleischwert“. Auch der Klaus&Klaus-Karnevalssong bekommt einen neuen Anstrich, in dem Küster zur Mitklatsch-Arie ansetzt: „Im Hack ist Pferd wieder nur.“

Auch SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück bekommt Küstersche Haue. Thema Clowns aus Italien: „Das sagt man doch nicht“, hebt der Kabarettist den Zeigefinger und korrigiert, „wenn schon, dann muss das ein Clown und ein Verbrecher heißen. Das ist dann auch juristisch einwandfrei formuliert.“ Peer Steinbrück erweckt bei Küster den Eindruck, „bei dem weiß man nun wirklich nicht, bewirbt der sich fürs Kanzleramt oder fürs Dschungelcamp“. Die Zuschauer empfinden den Ritt durch die aktuellen Themen sehr amüsant, die Stimmung schaukelt sich hoch, zumal der TV-erfahrene Kabarettist auch noch Horst Seehofer und das Thema Bonuszahlungen an Topmanager („Probiert‘s mal mit Genügsamkeit“) mitten ins Fadenkreuz nimmt.

Als Open Spot greift Tahnee Schaffarzcyk, gebürtig aus Heinsberg und nun in Köln lebend, ein paar kräftige Einheiten an Applaus ab. Die 21-jährige Newcomerin im Comedy-Geschäft hat eine besonders pointenreiche Nummer mit ihrer Beschreibung über die WDR-Sportreporterin Sabine Töpperwien und aus Ihrer Zeit als Aushilfskellnerin. „Da fragte mich doch tatsächlich mal ein Gast, ob ich fünf Stunden nackt bei ihm putzen würde.“ Tahnees empörte Antwort: „Du krankes Schwein, ich und putzen...?“.

Bevor Kathrin Piplies und Betty LaMinga – zwei Drittel des Kölner Trios „Frizzles“ – mit ihrer kurzen Improvisations-Show„20 Minuten den Saal rockten“, wie Kulturamtsleiter Wolfgang Ohler später begeistert lobte, lieferte Frank Küster noch einen knallharten Spruch ab. Zum Prozess des beinamputierten Olympioniken Oskar Pistorius, der seine Lebensgefährtin erschossen haben soll, bemerkte Küster: „Stellen Sie sich mal vor, da wird dauernd davon geredet, diesen Mann auf freien Fuß zu setzen. Wie zynisch ist das denn...?“

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