Kabarettist: Heinz Strunk serviert feinen Schwachsinn

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So wird ein Schuh draus: Das Phänomen „Heinz Strunk“ machte im Rahmen des „Kulturfestivals X“ der Städteregion Aachen im Alten Rathaus in Würselen Halt und erklärte die Welt aus einem etwas anderen Blickwinkel. Foto: Markus Bienwald

Würselen. So vielschichtig, wie sich Heinz Strunk seinem Publikum nähert, sollte man sich auch ihm nähern. Oder es zumindest versuchen, denn das, was da an sprachlicher und gedanklicher Genialität und Akrobatik scheinbar zeitgleich, aber dennoch wohlgeordnet und selten ohne den Blick auf die Pointe aus dem Mund des 52-Jährigen entweicht, will erst einmal verstanden werden.

Dass das Publikum beim „Kulturfestival X“ der Städteregion Aachen diesen Willen zum Verstehen mitbrachte, davon konnte getrost ausgegangen werden. Das war ohne Zweifel auch daran ablesbar, dass manche der Gäste im ausverkauften Saal des Alten Rathauses schon kicherten oder losprusteten, wenn Strunk da vorne „nur“ ein paar eher besorgniserregende Tanzschritte vorführte, oder beim Singen wie zufällig eingestreute Laute von sich gab.

Eine Laute hatte er allerdings nicht dabei, dafür aber eine Querflöte, die er in einem Ian-Anderson-ähnlichen Stil wie ein Flamingo mit Bauchkrämpfen und entsprechend verschlungenen Beinen spielte. Das war aber nur die äußere Ebene, die Heinz Strunk offenbarte, und auch durch den Einsatz feiner Kleidung oder eines wirklich sehr absurden Panzerknacker-Kostüms noch unterstrich. Denn unter dem Outfit steckte der gleiche Strunk wie immer: ein fein ums Eck denkender Mensch, der in banalen Abläufen den Witz entdeckt oder schonungslos erklärt, warum Pferde eigentlich nutzlose Tiere sind, die ohne den Menschen nicht lebensfähig wären. Auch Motivationstrainern, die sich nach dem Motto „Hurra, wir aktivieren Dich bis in die letzte Faser hinein“ um Kopf und Kragen reden, bekamen ihr Fett weg.

Als Klammer des Ganzen entwickelte der Mann, der mit dem Titel „Kabarettist“ vielleicht nur ansatzweise umschreibbar ist, noch das „Strunk-Prinzip“. „Es wird ein Abend mit mehr als nur Unterhaltung, sondern mit Information plus Spiritualität“, versprach Mathias Halfpape, wie er im bürgerlichen Leben heißt. Und er hielt Wort. Dabei galt es nicht nur aufzudecken, warum Motivationstrainer schon seit Jahrhunderten den gleichen Käse erzählen, sondern auch die negative Inselbegabung zu definieren. „Das ist, wenn jemand vieles schlecht kann, aber ein Ding besonders schlecht“, so Strunk.

Zum Glück zählt er nicht zu dieser Gruppe von Menschen, sondern er begeisterte sein Publikum mit einer atemlosen und atemberaubenden Mischung aus Lesung, Zwiegespräch zwischen Gesang, Musik und zwei Mikrofonen und der einzigartigen Manier, der Gesellschaft schonungslos den Spiegel vorzuhalten. Dafür gebührte dem Entertainer, der mit dem Song „Dackelblut“ noch eindrucksvoll bewies, warum Hunde in ihm ein kaum auslöschbares Kindheitstrauma auslösen, zu Recht viel Applaus und die Hoffnung, dass auf den ersten Blick schwachsinnig Scheinendes zur Heilung der Gesellschaft beitragen kann. (mabie)

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