Kabarettist Fatih Cevikkollu begeistert in der Burg

Von: mas
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Starker Auftritt: Fatih Cevikkollu aus Gelsenkirchen erntete in Baesweiler reichlich Beifall. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Ganzer Mann, ganzer Macho, ganzer Türke. Fatih Cevikkollu springt im weißen Anzug plus Badelatschen auf die Bühne des Kulturzentrums Baesweiler. Das ist schick. Auch das weiße Hemd passt prima zum Aufzug. Einzig die Leere hinter ihm auf der Bühne ist ein bisschen groß.

Da hätte noch ein 3er BMW hinter gepasst. Doch diesem Klischee entspricht der Kabarettist nun ganz und gar nicht. Auch wenn er mal szenenweise damit liebäugelt.

Fatih Cevikkollu ist ein selbstironischer, zeitgemäßer, witziger, scharfzüngiger und vor allem intelligenter Mann. Böse, böse manchmal. Aber er trifft mit jeder Pointe mitten ins Leben. So wie es nun mal ist.

Knapp 100 Besucher sind ins Kulturzentrum gekommen, um „Fatih Unser“ zu erleben. Nicht ausverkauft, aber die Veranstaltung mit dem Gelsenkirchener – er wurde durch seine Rolle als „Murat“ in der TV-Serie „Alles Atze“ bundesweit bekannt – entwickelte sich zu einem Luxusangebot eines Humors, der jeden irgendwann mal trifft. Und das kann ja nur gut sein.

Zu Beginn seiner Vorstellung lässt er ein Hörspiel ablaufen, in dem er selbst von einem „Mercedes der S-Klasse überfahren wird“ und offenbar zwischen Himmel und Erde schwebt. Dem Zuschauer öffnet sich nicht so ganz: Ist er nun hier – oder ist er im Jenseits? Egal, die Pointen ziehen und punkten. „Es nicht schön, überfahren zu werden, wa? Aber von einem Daimler der S-Klasse ist das einfach nur klasse!“ Dann gesteht er: „Ich war weg.“ Klärt aber in einem Atemzug auf: „Nein, nicht abgeschoben, ich war in Urlaub.“

„Lebendige Einäscherung“

Stichwort Fitness, Stichwort Nordic-Walking. „Wie viel Misstrauen müssen wir in unsere eigene Fitness haben, wenn wir uns beim Gehen an zwei Stöcken festhalten?“ Mit der Darstellung der Rauchgewohnheiten von Ex-Kanzler Helmut Schmidt gelingt dem Künstler ein erster Höhepunkt im ersten Teil. „Schmidt ist der einzige weltweite Fall von lebendiger Einäscherung“, lässt Fatih Cevikkollu sein Publikum wissen. Ähnlich geht’s bei der Besuchs-Beschreibung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. „Er ist der erste demokratisch gewählte Sultan der Türkei.“

Im zweiten Teil dreht Fatih Cevikkollu noch ein bisschen mehr auf. Vor allem in seiner Rolle als Brasilianer „Joao“. Der deutsche Karneval wird ein bisschen zwischengenommen. Dann wechselt er zur heimischen Baustelle – und die Handwerker kriegen ihr Fett weg: „Metallbauer rechnen mit Millimetern, Schreiner in Zentimetern, Maurer hoffen, dass sie auf dem Grundstück bleiben.“ Soziale Netzwerke wie Facebook sind auch auf dem Schirm.

Zu wenige Freunde

Während Gott zum Schluss des stürmischen Kabaretts darüber nachdenkt, ob er ihn zurückschickt, gibt es noch eine Geschichte über den Tod: „Gott kam zu einem Mann und sagte: Deine Zeit ist abgelaufen, du kommst mit mir.“ „Ich will aber noch leben.“ Gott: „Nun gut, wie lange willst du denn noch leben?“ Der Mann nimmt eine Handvoll Sand und sagt: „So viele Sandkörner, wie ich in der Hand hab, an Jahren.“ „Zu viel!“ „Okay, so viele Jahre, wie der Baum dort Äste hat!“ „Zu viel. Zähl mir deine guten Freunde auf, die du hast. Für jeden schenke ich dir ein Jahr.“ Und der Mann starb.

Quicklebendig zeigte sich der Künstler im Anschluss im Bistrorant. Dort gab es für jeden das gewünschte Autogramm und die Widmung.

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