Jungs und Mädels bleiben beim Aktionstag unter sich

Von: Anja Klingbeil und Stefan Schaum
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Jungsspielzeug, selbstgebastelt. Auch hölzerne Hubschrauber konnten die Besucher des Jungentags zusammenkleben und -hämmern. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. So sind sie, die kleinen Jungs: in der Gruppe immer zu laut, ständig auf der Suche nach einer Rauferei und nie weit weg vom nächsten Fußballplatz. Und so sind sie, die kleinen Mädchen: wollen gern Prinzessin sein, lieben alles, was rosa ist, und spielen ständig mit Puppen.

Sind die wirklich so? Oder sind sie vielleicht doch ganz anders? Antworten gab es jüngst in Alsdorf. Dort blieben Jungs und Mädels einen Aktionstag lang jeweils unter sich. Um auch mal ganz weit weg vom klassischen Rollenverständnis zu sein.

Auf dem Gelände von Hüttenhausen an der Hoengener Rosenstraße waren die wilden Kerle zugange. Jungs von neun bis 14 Jahren, die nicht bloß beim Bolzen auf eine Torwand ihren Spaß hatten. Auch in der geschickten Handhabung eines „Diavolo” und im Balancieren auf einem knietief zwischen zwei Bäumen gespannten Seils übten sich rund 50 Jungen.

Sogar Malerei war im Angebot. Allerdings nicht im klassischen Sinn, nicht mit Pinsel. Stattdessen warfen die Jungs mit Farbe gefüllte Plastikbeutelchen mit derart viel Schmackes auf Leinwände, dass es nur so spritzte. Dass dabei auch die Kleidung den ein oder anderen Klecks abbekam - halb so wild. So ein paar Flecken machen Jungs doch nichts aus.

Die gehören dazu. Anders formuliert: „Jungen leben ihre Kreativität anders aus als Mädchen”, sagt Hartmut Krombholz vom städtischen Jugendtreff Altes Rathaus, das den Aktionstag gemeinsam mit der mobilen Jugendarbeit organisiert hatte. Ungehemmter nämlich. Dass kein Mädchen in der Nähe war, hat die Sache begünstigt.

Krombholz: „Sobald Mädchen auftauchen, spielen oft die Hormone verrückt. Da wird dann kräftig geneckt oder geflirtet. Doch unter sich können auch 13-jährige Jungs noch Kinder sein, was sie ja tatsächlich auch sind.” Ein wenig Rauferei gab es auch. Bei einem Schwertkampf mit Haselnuss-Stecken. Zu wild wurde die Sache allerdings nicht: Wenn niemand da ist, dem Jungs imponieren müssen, gibt es auch keine Revierkämpfe.

Typische Sachen, die Mädchen vermeintlich gerne machen, gab es auch beim Mädchentag am städtischen Jugendtreff Alte Dorfschule in Alsdorf-Ofden. Ponyreiten oder HipHop-Tanz standen auf dem Programm. Soweit das Klischee. Doch gab es auch ganz andere Dinge. Wie das Hämmern von Nagelbildern oder Holzarbeiten. Dabei waren die Mädchen froh, unter sich zu sein.

„Ich finde es schön so. Jungs können manchmal echt nervig sein”, sagt die zehnjährige Jasmin. „Hier kann ich endlich mal Sachen machen, bei denen man sonst denkt, dass nur Jungs die machen. Ich finde es jedenfalls cool, dass ich hier hämmern und sägen kann. Am Ponyreiten hab ich nicht so viel Spaß.”

Genau das ist der Sinn eines solchen Angebots: „Die Mädchen sollen die Hemmungen verlieren und sich an neue Sachen heranwagen”, sagt Agnes Migenda vom Jugendamt der Stadt, das gemeinsam mit der Gustav-Heinemann-Gesamtschule den Mädchentag organisiert hatte.

Und so waren sie denn, die kleinen Jungs: ein bißchen laut und beim Schwertkampf gern dabei. Doch auch für eine Malaktion zu haben und gar nicht mal so unkreativ. Und so waren sie denn, die kleinen Mädchen: eifrige Tänzerinnen und gern mit dem Pony unterwegs. Doch auch versiert im Umgang mit Hammer und Säge. Und so sind sie wohl beide: mal dicht dran am Klischee - und mal ganz weit davon weg.
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