Junge Leute sind Zielgruppe Nummer 1 für rechtsextreme Gruppierungen

Von: Daniel Gerhards
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Viele Infos über rechtsextreme Gruppen: Silke Peters (l.) vom Integrationsbüro der Städteregion klärt in Bardenberg über das Vorgehen rechter Gruppen auf. Foto: Daniel Gerhards

Würselen. Die aufrüttelnden Nachrichten über gewaltbereite Neonazis werden immer häufiger: Am Wochenende noch wurden sechs junge Leute zwischen 17 und 23 Jahren aus Aachen und Stolberg festgenommen, die in Köln Polizisten angegriffen haben, die sie daran hindern wollten das Straßenschild Judengasse abzureißen.

Wer sich einer rechtsextremen Gruppe anschließt, ist meist ziemlich jung. Es gibt ein umfangreiches Netz von fest oder lose zusammengeschlossenen Organisationen am äußeren rechten Rand des politischen Meinungsspektrums.

Symbole und Codes

Diese rechten Gruppen versuchen ständig, neue Mitglieder zu gewinnen. „Junge Leute sind die Zielgruppe Nummer 1 für die Rechtsextremen. Die gesamte Strategie zielt auf Jugendliche ab”, erklärte Silke Peters vom Integrationsbüro der Städteregion jetzt bei einem Workshop im Bardenberger Jugendtreff „Nautilus”.

Peters war gekommen, um Aufklärungsarbeit rund um rechtsextreme Musik, Symbolik und Internetseiten zu betreiben. Die Informationsveranstaltung richtete sich an Jugendliche und an Aktive aus der Jugendarbeit. Jugendliche Würselener aber verschlug es nicht zu dieser Veranstaltung - schon gar nicht solche, die gefährdet sind, ins radikale Milieu abzurutschen. Das allerdings ist auch nicht überraschend.

So erklärte Peters den Betreuern aus den Jugendtreffs und den hauptamtlichen Aktiven aus der Jugendarbeit, wie Rechtsextreme in der Region ihr Unwesen treiben. Symbole und Codes seien ein integraler Bestandteil der rechtsextremen Jugendkultur. Diese aber seien immer schwerer zu erkennen. „Vor 20 Jahren liefen Neo-Nazis mit Bomberjacke, Springerstiefeln und Glatze rum. Heute tragen sie auch Che-Guevara-Shirts.”

Und ein schwarzer Block, wie er eigentlich von Demos linker Gruppen bekannt sei, marschiere heute auch bei den „Autonomen Nationalisten”. Die Erkennungszeichen der Gruppen seien indes subtil. Selbst die „88” sei schon abgegriffen. Das „H” ist der achte Buchstabe des Alphabets, somit steht „88” für den Hitlergruß.

Solche Symbole, ebenso Runen oder die Triskele, stellen einen Ersatz für verbotene Zeichen wie das Hakenkreuz dar. „Diese versteckte Symbolik sorgt für Eingeschworenheit in der Gruppe”, erklärte Peters. „Zahlen und Symbole sind für Leute, die sich nicht in der Szene auskennen, sehr perfide. Sie verstehen sie nicht. Das schweißt die Gruppe zusammen.” Und gerade für so etwas seien Jugendliche empfänglich.

Gemeinschaftsgefühl

„Das Gemeinschaftsgefühl ist für die Jugendlichen sehr ansprechend. Die Ideologie, die dahinter steht, bekommen sie gar nicht mit. Das verstehen sie erst später.” Und dann wollten sie die einmal gewonnene Clique nicht wieder verlassen. Solche Symbole fallen dem ungeschulten Auge kaum auf. Doch: „Eingeritzte Runen habe ich auch an Bushaltestellen in Würselen gesehen”, sagte Peters.

Das Thema ist auch für Peter Brings, Jugendpfleger der Stadt Würselen, sehr aktuell. „Im Aachener Raum gibt es Aktivitäten. Das ist ja bekannt. Allerdings glaube ich nicht, dass die in Würselen stärker sind als anderswo.” Brings bekomme auch Berichte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund über rechtsextreme Aktivitäten.

Das Internet erleichtere rechtsextremen Gruppen die Kontaktaufnahme. Zudem seien bestimmte Kleidungsstücke nur über den Internetversand zu bekommen.

Auf vielen dieser Homepages werde schnell klar, dass rechtsextreme Gruppen den historischen Nationalsozialismus glorifizieren. Und stets schwinge latente Gewaltbereitschaft und Fremdenhass mit. Am Ende des Abends gab es viele neue Erkennnisse für die Würselener Jugendarbeiter. Vielleicht erreichen diese nun auch die gefährdeten Jugendlichen. Denn die werden wohl auch in Zukunft nicht zu Informationsveranstaltungen kommen.
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