Junge fast ertrunken? Aquana wehrt sich gegen Vorwürfe

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Unübersichtliches Freizeitbad: Dieser Teil des „Aquana“ ist nicht wie klassische Hallenbäder mit Schwimm-Bahnen ausgestattet. Vielmehr geht es hier um den Erlebnischarakter. Foto: Stenzel-Zenner
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Aus seiner Sicht wurde und wird im „Aquana“ mehr für einen möglichst sicheren Schwimmbetrieb getan als vorgeschrieben: Geschäftsführer Matthias Dovermann. Foto: Stenzel-Zenner

Würselen/Jülich. „Mein achtjähriger Sohn, der seit vier Jahren sicher und mit Schwimmabzeichen schwimmt, wäre fast ertrunken. Direkt vor den Augen eines Schwimmmeisters! Zum Glück war ich in der Nähe,“ berichtet Sabine Bräker. Die 31-jährige Jülicherin war im Aquana zu Gast, im Spaßbad mit Rutsche, Wasserlauf und Schwimmbecken.

Gemeinsam mit anderen Erwachsenen und Kindern ihrer Familie wollte sie einen entspannten Tag verbringen, wie sie unserer Zeitung darlegt. Nach nur einer halben Stunde Badespaß hatte sie die Lust verloren, behielt jedoch weiterhin ihren Sohn im Visier.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt Aquana-Geschäftsführer Matthias Dovermann: „Ich empfehle, Kinder bis zum 14. Lebensjahr beim Schwimmen in unserem Freizeitbad im Blick zu behalten, um die Sicherheit zu erhöhen.“ Der Geschäftsführer lässt bis zu acht Schwimmmeister in einer Schicht die Menschen beobachten. Das erfordern nicht nur die Besucherzahlen von 245.000 Schwimmbegeisterten im Jahr, wodurch sich bei 362 Öffnungstagen ein rechnerischer Tagesdurchschnitt von 676 Besuchern ergibt.

Gutachten erstellt

„Das fordert vor allem auch die Unübersichtlichkeit des Bades“, erklärt Matthias Dovermann. Allerdings fordere das nicht das geltende Recht, denn eine gesetzliche Vorgabe für Schwimmhallen und die Aufsichtsführenden gebe es nicht, sagt er. „Die Rechtsprechung verlangt eine ausreichende Anzahl von Schwimmmeistern, was immer von den örtlichen Gegebenheiten abhängt“, sagt der Fachmann.

Deshalb hat er, als 1998 das Aquana unter seiner Geschäftsführung eröffnete, ein Gutachten vom Bundesverband für öffentliche Bäder (BÖB) erstellen lassen. Seither richtet sich Dovermann mit dem Personaleinsatz danach. „Welches Interesse könnte ich als persönlich haftender Geschäftsführer haben, zu wenig Personal einzusetzen und damit in die zivil- und auch strafrechtliche Haftung genommen zu werden?“, fragt der Geschäftsführer, der nur Fachleute zur Aufsicht einsetze.

Die Schwimmmeister und Fachangestellten für Bäder haben eine dreijährige Berufsausbildung. Rettungsschwimmer werden angelernt und müssen regelmäßig ihre Rettungsfähigkeit nachweisen. Nach dem BÖB reicht ein solcher Nachweis alle zwei Jahre. „Im Aquana fordern wir diesen Nachweis jedes Jahr“, berichtet Dovermann, der die Sicherheit seiner Gäste so gut wie möglich gewährleistet wissen will.

„Neben der den Vorgaben des BÖB entsprechenden jährlichen Abnahmen nehme ich zusätzlich über das Jahr verteilt alle Kollegen der Beckenaufsicht jeweils einzeln auf die Seite und prüfe unangekündigt noch einmal den einen oder anderen Teil der für den Nachweis der Rettungsfähigkeit geforderten Leistungen“, sagt der Geschäftsführer. Ebenso werden Erste-Hilfe-Schulungen im jährlichen Turnus gemacht, obwohl auch hierfür nur ein zweijähriger Turnus vorgegeben ist.

Diese ganzen Vorsichtsmaßnahmen und Bemühungen vermag Mutter Sabine Bräker nicht zu erkennen, die ihren Sohn im Auge hatte. „Er steckte in einem Reifen fest und wäre fast ertrunken“, erzählt die Jülicherin. „Ein Schwimmmeister hätte viel schneller als ich bei dem hilfesuchenden Kind gewesen sein müssen“, sagt sie, die zwei Schwimmmeister gesehen hat, die miteinander geredet, aber nicht aufgepasst hätten.

Regelmäßig Unterweisungen

„Eine lückenlose Überwachung des Bades und der Badegäste ist nicht möglich und der Rechtsprechung nach auch nicht erforderlich“, sagt Matthias Dovermann, der außerdem erklärt: „Selbstverständlich ist aus unserer Sicht für die Beckenaufsicht eine besondere Konzen-tration erforderlich. Damit diese gewährleistet werden kann, empfiehlt der BÖB, die Standorte regelmäßig zu wechseln, damit kein Tunnelblick entsteht. Auch dies ist im Aquana eine Selbstverständlichkeit.

Es müssen und dürfen allerdings Gespräche unter Kollegen geführt werden, alleine schon aus dienstlichen Gründen. Über Art und Weise der Beckenaufsicht und den damit verbundenen Pflichten werden die betreffenden Kollegen regelmäßig unterwiesen. Diese Unterweisungen werden dokumentiert und von den betroffenen Kollegen unterschrieben“, berichtet der Geschäftsführer. Im speziellen Fall des Sohns von Sabine Bräker habe ein Schwimmmeister gesehen, dass der Achtjährige in Not geraten sei.

„Die Mutter war aber schneller bei ihrem Kind als mein Kollege“, sagt Dovermann. „Wir erleben es immer wieder, dass Eltern meinen, dass jedes Kind lückenlos überwacht werden muss“, sagt der Geschäftsführer. Das sei auch wünschenswert, aber bei einem verwinkelten Spaßbad sei genau das nicht möglich und nach der Rechtsprechung auch nicht erforderlich. Dovermann weiß, dass die Unzufriedenheit von Eltern sich wie ein Lauffeuer verbreitet und die Stimmung im Bad schlecht machen könne.

„Wir tun unser Bestes“

„Wir tun unser Bestes“, sagt er und stellt sich vor seine Kollegen, die im Zwei-Schicht-Betrieb die Besucher im Aquana im Blick haben. „Meine Kolleginnen und Kollegen aus der Beckenaufsicht sind sich der Verantwortung ihres Berufes bewusst und tun alles Mögliche und Erforderliche für die Sicherheit der Gäste“, urteilt Dovermann, der sich wünscht, „dass diese gute Arbeit verantwortungsbewusste Eltern nicht davon entbindet, sich ein Stück weit mit einzubringen – im Interesse ihrer Kinder“. Und da gibt es ja auch die grundsätzliche Aufsichtspflicht der Eltern.

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