Jugendamt fragt nach: Dreck, Drogen und Alkohol stören sehr

Von: ehg
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Eine gute Einrichtung: Schüler der unterschiedlichen Schulformen kochen gemeinsam. Maike Keil (li.) und Elnas Jariani lernten sich unlängst beim Paprikaschneiden besser kennen. Das Kochevent findet regelmäßig seit sechs Jahren in Würselen statt, das jüngste fand erst vor wenigen Wochen in der Küche der Hauptschule an der Lehnstraße statt. Foto: Christina Vedar

Würselen. Die Verhältnisse der offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt haben sich in den letzten Jahren bedeutend gewandelt. Von den ehemals drei in städtischer Trägerschaft befindlichen Jugendeinrichtungen sind nur noch zwei übrig geblieben, das Nautilus in Bardenberg und das Down Town in Weiden.

Der Bahnhof ist 2010 in die Trägerschaft des Vereins „Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen“ übergegangen. Neu eingerichtet wurde unterdessen die Mobile Jugendarbeit/Streetwork. Diese Veränderungen schlugen sich auch konzeptionell nieder. Deshalb wurde für den Bereich der städtischen Kinder- und Jugendarbeit von vier Mitarbeitern des städtischen Jugendamtes in der Regie von Jugendpfleger Hans Brings eine neue Konzeption erarbeitet. Sie wurde im Ausschuss für Jugendhilfe mit großem Lob zur Kenntnis genommen und „abgesegnet.“ Für die bisher geleistete Arbeit wurde dem Jugendamt von den Sprechern aller Fraktionen Dank und Anerkennung angesprochen.

183 Teilnehmer

Um eine Bedarfsanalyse vornehmen zu können, wurde zunächst eine Befragung von Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren an den weiterführenden Schulen der Stadt mittels Fragebogen vorgenommen, an denen 60 Schülerinnen und 123 Schüler teilnahmen. Die größte Gruppe war zwischen 12 und 17 Jahren alt. Sie habe ergeben, dass die Jugendlichen ihr Leben selbstständig aktiv gestalten möchten. Soziale Beziehungen zu Eltern und Freunden seien ihnen wichtig. Der Druck, der von der Leistungsgesellschaft auf sie ausgeübt werde, sei ihnen durchaus bewusst. Und schließlich habe sich die Zeit der Internetnutzung erhöht.

Spürbar verändert

Fest zu stellen sei gewesen, dass sich die Bedarfe der Jugendlichen im Laufe der letzten Jahre „spürbar“ verändert haben. Damit sei der Eindruck bestätigt worden, der auch in der täglichen Arbeit mit den Jugendlichen in der offenen Arbeit gewonnen worden sei, „selbst bei der Arbeit im präventiven Bereich in Gesprächen mit Jugendlichen und Eltern“. Bedarf sei insbesondere bei Hilfs- und Beratungsangeboten im Bereich Schule (Nachhilfe) angemeldet worden. Die Jugendlichen wünschten sich Unterstützung bei Konflikten mit Eltern, Lehrern und der Polizei. Die jungen Menschen nehmen Anstoß daran, dass öffentliche Plätze schmutzig und abgenutzt sind. Störend wird von ihnen empfunden, dass auf Spielplätzen Drogen und Alkohol konsumiert werden. Kurzum: „Die Jugendlichen wünschen sich als Einwohner der Stadt ernst genommen zu werden.“

Experimentierfeld

Die vier Mitarbeiter des Jugendamtes betonten: „Jugendarbeit soll ein Experimentierfeld für das ‚richtige‘ Leben sein und in einem „geschützten Rahmen“ soll sie ermöglichen, den eigenen Lebensentwurf auszuprobieren, sich eine Meinung zu bilden, Vorstellungen und das eigene Wertverständnis zu kommunizieren und zu prüfen im Dialog mit Gleichaltrigen und den Mitarbeitern.

Neue Herausforderungen

Keine Frage ist für das Jugendamt, dass die Einführung des Ganztags an den Würselener Schulen die Jugendarbeit in den kommenden Jahren vor neue Herausforderungen in Bezug auf Veränderungen in der Zeitstruktur von Freizeitgestaltung stellen werde. Diese Problematik werde man bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Angebote angemessen berücksichtigen. Die Kooperation mit den Schulen habe seit der Installation des Netzwerks „Jugendhilfe und Schule“ an Gewicht gewonnen. Auch künftig würden sich die Jugendeinrichtungen als ein außerschulischer Lernort verstehen, der über eigene Stärken verfüge, die das schulische Lernen ergänzen können.

Die Basis für weitere Angebote bilden das Nautilus und das Down Town mit ihren 27 Stunden Öffnungszeiten von montags bis freitags in der Woche. Neben ihren Angeboten gibt es immer wieder Aktionen, um den „Alltag“ in den Einrichtungen attraktiver zu gestalten.

Das „Down Town“ hat einen Café-Charakter, was durch den Zuschnitt der Räumlichkeiten vorgegeben ist. Was bedeutet, dass dort zeitgleich zum offenen Jugendtreff Kleingruppenarbeit und Workshops lediglich bedingt möglich sind.

Die mobile Jugendarbeit in Würselen sucht unterdessen die Jugendlichen in ihren Sozialräumen im Stadtgebiet auf. Sie bietet und organisiert Freiräume, in denen Jugendliche ihre Energien kanalisieren können, zum Beispiel in Form eines Angebots wie „Nachtaktiv“. Schon heute stellt die Teilnahme am Projekt „KulturRucksack NRW“ von 2013 bis 2015 ein Schwerpunkt auf dem Feld der offenen Jugendarbeit dar.

<i>Ein Jugendcafé und Jugendplätze gewünscht

Im Rahmen des Konzepts der städtischen Jugendarbeit ist von den Mitarbeitern des Würselener Jugendamtes die Vision von der Schaffung eines „Jugendcafés“ entwickelt worden.

Es sollte sich dabei um einen Ort der Begegnung handeln, der zeitgemäß eingerichtet so lukrativ und einladend auf Jugendliche wirkt wie Räumlichkeiten eines kommerziellen Anbieters. Im Rahmen der Veränderungen, die sich aus dem Ganztag an den weiterführenden Schulen ergeben, könne das Jugendcafé auch eine Alternative für die Oberstufe in der Mittagspause oder bei Freistunden darstellen.

Außer Zweifel steht, dass Schüler und Schulen bei der Planung eines solchen Angebotes einbezogen werden müssen. Das Jugendcafé soll im Kern seiner Arbeit die Jugend im kulturellen Bereich fördern, daher möchte das Jugendamt lieber von einem „Jugendkulturcafé“ sprechen, „das Freude an kreativer Gestaltung weckt und fördert, ohne daraus einen wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen“.

Die zweite Vision: Die Jugendlichen wünschen sich, dass Spielplätze, die aufgrund der geänderten Altersstruktur in den einzelnen Ortsteilen nicht mehr genutzt werden, für sie in Jugendplätze umgewidmet werden. Sie gäben ihnen die Möglichkeit, sich dort legitimiert „in ihrem Stadtteil geschützt aufzuhalten“.</i>

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