Alsdorf - „Jugend trifft Erfahrung“: Grundschüler früh fördern

„Jugend trifft Erfahrung“: Grundschüler früh fördern

Von: ssc
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Beratungsgespräche vor dem Einsatz als Mentor: Kathrin Michels (r.) will die Ehrenamtler vorbereiten. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Als Sara aus Somalia nach Aachen kam, war sie schon fast sieben Jahre alt und sprach kein einziges Wort Deutsch. Ein fremdes Land, viele fremde Kinder und ein Lernstoff, den sie nicht verstehen konnte: Jeder Tag im Klassenzimmer wurde für das Mädchen zur Herausforderung, jeder Tag im Klassenzimmer wurde zu einer Erfahrung des Scheiterns. Bis Gisela Brettschneider kam und sich neben sie setzte. Zwei, drei Mal pro Woche für ein paar Stunden im Unterricht und auch mal am Nachmittag.

Die Mentorin des Projekts „Jugend trifft Erfahrung“ (Jute) hat Sara Kartoffeln und Gurken gezeigt, mit denen die Kinder im Unterricht rechnen und sie hat die Tiere benannt, die die beiden sich im Tierpark angeschaut haben. Drei Jahre lang hat sie Sara begleitet. Heute spricht das Mädchen fließend Deutsch und ist dem Lerntempo in der Schule gewachsen. Eine Erfolgsgeschichte, wie es sie in Aachen schon häufig gab. Fortgesetzt werden soll sie nun in Alsdorf.

„Das tut unheimlich gut“

Auch dort will Kathrin Michels vom regionalen Caritasverband ein Mentoren-Netzwerk unter dem Dach von „ABBBA“ aufbauen. Derzeit sucht sie nach Menschen wie Gisela Brettschneider. Damen oder Herren, die Zeit und Lust haben, ehrenamtlich Kinder im Grundschulalter zu unterstützen. Profis müssen das nicht sein. „Wir brauchen Menschen, die gut Deutsch sprechen und Geduld und Erfahrung mitbringen.“

Ein Mentor soll ein Kind über einen längeren Zeitraum hinweg betreuen. Nicht als Nachhilfelehrer, obwohl ein Tipp hier und da bei Rechenaufgaben oder Deutschübungen nicht schadet. „Es geht vor allem darum, die Kleinen zu motivieren, sie zu fördern, ihr Selbstwertgefühl zu stärken.“ Denn nicht selten sind die Kinder frustriert, wenn sie sehen, dass alle anderen im Unterricht viel schneller zurechtkommen. „Denen tut es unheimlich gut, wenn sie gemeinsam mit den Mentoren Erfolgserlebnisse haben.“

An vier Alsdorfer Schulen sollen Mentoren eingesetzt werden: in der Grundschule Annapark, in der Primarstufe der Elisabeth-Förderschule sowie in den Grundschulen in Schaufenberg und Kellersberg-Ost. „Der Bedarf ist ganz klar da“, sagt Kathrin Michels, die von etwa 30 Kindern ausgeht, denen Unterstützung hilfreich wäre. Entsprechend viele Ehrenamtler braucht sie nun, die zwar kein Hochschulstudium, aber ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen sollten.

In Gesprächen werden die Mentoren auf ihre Aufgabe vorbereitet, zudem gehören Reflexionsrunden zur Tätigkeit, in denen die Ehrenamtler ihre Erfahrungen austauschen können. „Eine möglichst frühe Förderung kann Kindern so viele Chancen eröffnen“, sagt Kathrin Michels. Ob das nicht eigentlich die Aufgabe der Schulen sei? „Doch, klar. Aber so wie die Schulen derzeit aufgestellt sind, fallen Kinder einfach durch das Raster. Da muss sich politisch etwas tun – mehr Lehrer, kleinere Klassen, individuellere Förderung.“ Aber einfach darauf warten könne man nicht. „Ich vergleiche das Mentoren-Netzwerk gern mit Lebensmittelausgabestellen für Bedürftige: Man kann nur langfristig etwas an den Bedingungen ändern. Aber Hilfe brauchen die Betroffenen jetzt sofort.“

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