Jugend stellt kritische Fragen zu Europa

Von: Andrea Thomas
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Haben beim Dialog die Antworten parat: Leo Jongen und Will Terpstra von der Stadt Kerkrade, Sabine Verheyen (MdEP) und Rodas Bürgermeister Christoph von den Driesch (v.l.).

Herzogenrath. 75 Jugendliche aus aller Welt haben sich mit der Europaabgeordneten Sabine Verheyen auf Burg Rode zu einer Dialogrunde getroffen.

„Bleibt weiter im Dialog, ihr seid die Zukunft von Europa!” Mit diesen Worten appellierte Kerkrades Wedhouder Will Terpstra an das Engagement vieler junger Leute. Fast anderthalb Stunden lang stellten er und sein Kollege Leo Jongen sowie Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch als Vertreter von Eurode sich gemeinsam mit der Aachener Europaabgeordneten Sabine Verheyen (EVP/CDU) Fragen von Jugendlichen aus aller Welt.

Die Veranstaltung auf Burg Rode war Teil der Begegnungswoche „Jugend im Dialog” im Rahmen der Euriade 2010. An dieser Woche nahmen 75 junge Menschen aus Russland, Österreich, Georgien, Rumänien, Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Israel, Palästina und Südafrika teil.

Eine abstrakte Sache

Europa sei für die meisten von ihnen sehr abstrakt, brachte eine der deutschen Teilnehmerinnen es zum Einstieg in die Diskussion auf den Punkt. „Was empfinden Sie, wenn Sie an Europa denken?”, wollte sie von den vier Politikern wissen.

Für die noch junge Europaparlamentarierin Verheyen ist Europa „der freiwillige Zusammenschluss von 27 Ländern, die erkannt haben, dass vieles gemeinsam besser geht. Aber vor allem ist Europa das größte Friedensprojekt, das wir haben”.

Herzogenraths Bürgermeister sieht Europa als „vielfältigen gemeinsamen Kulturraum mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden, die manches kompliziert machen, aber gerade auch das Besondere an Europa sind”. Seine Kerkrader Kollegen verbinden mit dem heutigen Europa vor allem die Freiheit und Selbstverständlichkeit, ohne und über Grenzen hinweg zu leben.

Wie Europa mit seiner schrecklichen jüngeren Vergangenheit umgehe und dem in vielen Ländern aufkeimenden Nationalismus, interessierte die Jugendlichen ebenfalls. Sabine Verheyen appellierte in diesem Zusammenhang, „die Vergangenheit nicht zu vergessen, aus ihr zu lernen, aber auch gemeinsam nach vorne zu schauen”. Nur so ließen sich Lösungen für die Probleme der Zukunft von Armutsbekämpfung bis Klimawandel finden. „Wir können das nicht alleine.”

Christoph von den Driesch formulierte, dass Europas gemeinsame Wurzeln - wie das Christentum oder der Humanismus - nicht von Nationalismen überdeckt werden dürften. Wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu überwinden, machten auch Leo Jongen und Will Terpstra deutlich.

Niederländer und Deutsche hätten einst auf verschiedenen Seiten gestanden, doch es sei gut, dass die Feindbilder heute keine Rolle mehr zwischen ihnen spielten. Der Beweis dafür sei Eurode, das die drei Kommunalpolitiker den Jugendlichen mit all seinen Vorteilen und alltäglichen Problemen näher brachten.

Länder tun sich schwer

Bei weiteren EU-spezifischen Fragen war vor allem Sabine Verheyen gefragt. So sprach sie über die Außenpolitik („Mit einem europäischen Außenminister tun sich viele Länder immer noch schwer”), die Türkei-Frage („Da gibt es vor einem Beitritt noch vieles zu klären. Die Verhandlungen sind derzeit völlig offen”) und die Einwanderungspolitik der EU.

Letztere sei deshalb nicht ganz einfach, weil man unterscheiden müsse zwischen Menschen mit hoher Bildung, die die EU brauche, und Menschen, die aufgrund von Armut oder politischen Problemen ihr Land verließen. Beides habe mehrere Seiten, wie sie deutlich machte. „Zum einen profitieren wir von Fachkräften, zum anderen darf das nicht dazu führen, dass die jeweiligen Heimatländer intellektuell ausbluten. Flüchtlingsströme lassen sich nur stoppen, wenn Menschen in ihrer Heimat eine Perspektive haben. Europa kann das Problem der Armut aber nicht alleine lösen.”

Hier wie auch bei allen anderen großen Zukunftsfragen brauche es gemeinsame Lösungen. Ihr Dank an die Jugendlichen: „Dazu gehört auch, innerhalb von Europa zusammenzuwachsen und aufeinander zuzugehen, wie ihr es hier vorlebt.”

Diesem Dank schloss sich Dr. Werner Janssen an, der Leiter und Motor der Euriade und der „Jugend im Dialog”: „Danke, dass ihr Eure Herzen, Seelen und Köpfe für Europa geöffnet habt.”
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