Jürgen von der Lippe in der Stadthalle: Die Dürren bekommen ihr Fett weg

Von: Holger Bubel
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Zweieinhalb Stunden Comedy pur: Jürgen von der Lippe (M.) und seine Bühnenpartner Iris Wehner (r.) und Mario Hené (l.) trafen den humoristischen Nerv des Publikums in der ausverkauften Stadthalle. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Darf man einen Künstler im „gesetzteren Alter” eines Jürgen von der Lippe als „Rampensau” bezeichnen? Man darf, er wäre nicht böse. Was jedenfalls den Unterschied zwischen einem Comedian wie Jürgen von der Lippe, der seit über 30 Jahren auf der Bühne steht, und Mario Barth ausmacht, wurde jetzt in der ausverkauften Stadthalle einmal mehr deutlich.

Während ein Mario Barth mit seinem berlinernden „Spätpubertierenden-Humor” auch eher selbige Zielgruppe anspricht, vereint Jürgen von der Lippe die Generationen - zumindest, die ab 18 Jahren. Denn sein Witz zielt nicht selten auf Zweideutigkeiten ab und spielt mit den ureigenen Instinkten, die jedem Menschen irgendwo inne wohnen, mal verdeckt, mal ganz offensichtlich. Ob als Stimmen- und Geräusch-Immitator Bubi Kirsch, als Rocker-Kalle, Peter Maffay, Clint Eastwood...

Oder ganz einfach als „Jürgen himself” - auf seinem Streifzug durch 30 Jahre Bühnenprogramm nahm er seine begeisterte Fan-Gemeinde mit, lud sie ein, teilzuhaben, an seinem reichen Erfahrungsschatz als Ehemann, Übergewichtiger, Supermarkt-Kunde, Pastor, Bewundererder weiblichen sexuellen „Primärorgane”. Und gab in diesen Rollen etwa auch handfeste Tipps für Paare, die sich „auf ewig binden” wollen.

„Schlaft erst ein paar Mal miteinander. Und ich meine auch Schlafen! Was ihr da erlebt, darauf solltet ihr vorbereitet sein”, rät der Beziehungsgroßmeister. Von Bettlakendiebstahl („Selbst wenn man sich das Plumeau an den Hintern tackert, schafft es die Frau, es dir zu entreißen”) bis zur Schlummerschlägerei und ausgefeilter Schnarchdramartugie, bei der an Schlaf nicht zu denken ist, plaudert von der Lippe aus dem vermeintlichen Nähkästen.

Das Publikum weiß Bescheid, wovon er redet, wenn er alltägliche Situation beschreibt, etwa als letzter in der Schlange an der Supermarktkasse zu stehen und ganz vorne zahlt entweder jemand „mit Karte” oder es handelt sich da vorne um eine Dame weit in den 70ern, die „es klein hat” und im Portemonnaie rumwühlt.

Natürlich bekamen auch Vegetarier, Nicht-Raucher und allzu Dürre ihr Fett vom klugen Beobachter und Analysten weg. Begleitet von Mario Hené, dem Musik-Schamanen, der auf seiner 6-Saiten-Midi-Gitarre ganze Bands hervorzaubert, und von Iris Wehner an ihrer Wunderorgel, gab es immer wieder musikalische Einlagen aus drei Jahrzehnten Bühnenpräsens - von der jazzigen Version des Stimmungsliedes „Guten Morgen, liebe Sorgen” bis zum Vortrag mit dem „Gemeinschaftschor Publikum” mit dem Song über den Leistungsschwitzclub Saunafreunde Aufguss 09 erinnerte von der Lippe an erfolgreiche Titel.
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