Jürgen Becker erzählt Skurriles aus dem Nähkästchen

Von: jk
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Kurzweilig: Kabarettist Jürge
Kurzweilig: Kabarettist Jürgen Becker begeisterte das Publikum in Alsdorf. Foto: Jule Klieser

Alsdorf. Eine Vorlesung in Kunstgeschichte der besonderen Art bekamen alle, die sich zum Kabarettisten Jürgen Becker in der Alsdorfer Stadthalle eingefunden hatten. Vorwiegend heiter schwadronierte Becker, hin und wieder auf der Bühne auf und ab wandernd, über die Kunst im Besonderen, im Einzelnen und aus dem Nähkästchen.

Das Publikum lachte sich krumm und lernte noch einiges dazu. Denn beschlagen ist er schon, der Jürgen Becker. Seine eigenartigen Perspektiven auf die Dinge eröffnen ganz neue Welten, und das Lachen darüber macht froh. Ein großformatiges Gemälde von Max Ernst hatte er dabei, eine originalgetreue Kopie, versteht sich.

Das Bild, „Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind” von 1926, sorgte seinerzeit für Skandale. Jürgen Becker nutzt das blasphemische Werk, um die katholische Religionslehre auf die Schippe zu nehmen und die Kirche mit kleinen Giftpfeilen zu attackieren. Er meint zum Beispiel, aus dem „pfui, pfui, pfui” kirchlicher Würdenträger oder Bürger, das sie seinerzeit über das Max-Ernst-Bild ausgossen hatten, sei der Tusch entstanden. Und Jesus könnte man genauso gut „Zimmermanns Jupp seine Jong” nennen.

Sein eigenes Kunstverständnis nimmt Becker sympathischerweise selbst nicht ganz ernst. Das Kirchenfenster am Kölner Dom von Gerhard Richter jedenfalls erinnert ihn an ein Kölsches Butzenfenster - „die haben ein Kirchenfenster bestellt und ein Kneipenfenster bekommen”. Eine gewisse Ähnlichkeit beweist er mit den mitgebrachten Dias.

Rauschende Lachsalven

Becker lässt sich aus über Architektur, Höhlengemälde und griechische Säulenkapitelle, und für alles findet er einen Bezug zum wirklichen Leben. Er gibt den Zuhörern ein paar Tipps an die Hand, wie man die Kapitelltypen auswendig lernen und damit Eindruck schinden kann. Er verreißt die Betonarchitektur und führt aus, dass man Fische und Bäume am besten von der Seite, einen Teich aber von oben fotografiert.

Alles ist so witzig, dass sich der Besucher in der Stadthalle fragt: „Wo holt der das alles her?” Zum Teil sind es die skurrilen Ideen, zum Teil ist es aber auch die Art, wie sich die Worte leicht kölsch eingefärbt aus seinem Mund knödeln, was die Leute so erheitert.

Und erheitert waren sie, die Besucher. Lachsalven rauschten hin und her durch den fast voll besetzten Saal, und die Zeit verstrich viel zu schnell in Heiterkeit. Gute Laune war für den Rest des Abends jedenfalls programmiert. Alle verließen fröhlich und begeistert den Saal.
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