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Jürgen B. Hausmann in der Stadthalle: Der klare Blick fürs Unwesentliche

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
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Jürgen Beckers machte gleich an drei Tagen hintereinander in der Alsdorfer Stadthalle den „Jürgen B. Hausmann“, der mit seinem Programm „Wie jeht et? Et jeht!“ für Stimmung sorgte. Foto: Markus Bienwald

Alsdorf. Heimat ist nicht nur ein Ort, Heimat ist auch da, wo man sich am wohlsten fühlt: Das dürften auch die Menschen gedacht haben, die sich die Zeit gegönnt haben, einen Abend lang mit Jürgen Beckers in seiner Paraderolle als Jürgen B. Hausmann den Staub von ihren Zwerchfellen zu schütteln.

Was das mit Heimatgefühl zu tun hat, ließ der „Jung“ aus Mariadorf nicht nur mit seiner unvergleichlichen Mund-Art hören – man konnte förmlich spüren, wie er bei den drei Gastspielen auf seiner Heimatbühne aufblühte. Man war sozusagen unter sich, oder „unter sisch“, wie der Jürgen es sagen würde.

Und da kamen dann im Programm, das so herrlich viel- und nichtssagend mit „Wie jeht et? Et jeht!“ überschrieben war, schonungslos Wahrheiten auf der, pardon, auf den Tisch. So zum Beispiel, dass die Erziehung bei Hundebesitzern auch schon mal ungewollt Spuren im eigenen Verhalten hinterlässt.

Oder auch, warum der Welpe von nebenan gerne mal „Baby-Bell“ genannt wird, während der Alsdorfer an sich, und der Mariadorfer im Speziellen, auch mal von „De Hünde“ spricht, wenn er die vierbeinigen Freunde meint.

Freunde wurden Publikum, der Jürgen auf der Bühne und Harald Claßen als musikalisches Genie direkt neben dem Jürgen recht schnell. „Jestern waren Doofere da“, lobte der Komödiant beispielsweise, als die Leute einen Gag sofort mit Lachen quittierten. „Dat is aber für die Stimmung besser“, legte Hausmann nach, und die Lacher wollten fast nicht stoppen. „Lachen se ruhisch, wir ham Zeit“, quittierte Hausmann das Gelächter.

Und so trieb er sich gedanklich an gleich drei ausverkauften Abenden in der Stadthalle Alsdorf in Küchen, Vereinsheimen und Musiktruhen herum, ließ nur wenige Chancen aus, sich mit eigenen Texten über prominente Musiker herzumachen oder ließ auch Sprüche, Floskeln und Lebensweisheiten mit dem Mariadorfer Blick Revue passieren. So klärte er beispielsweise auf, dass der Satz „Mir fällt die Decke auf der Kopf“ in anderen Regionen Deutschlands nur die Empfehlung nach sich zöge, den Architekten zu wechseln.

Er wusste, warum Goldfische nicht gerne spazieren gehen, dafür Frauen „viel gerner“. Zuletzt war er es auch, der mit seinem klaren Blick fürs Unwesentliche enthüllte, dass manche Konversationen eigentlich nicht stattzufinden brauchen. So zum Beispiel in einer ganz schnöden Begrüßung, wenn man bei jemandem zu Besuch kommt: „Der der Disch de Tür aufjemacht hat, der Doof, der sacht als erstes: ,Biss Du et?‘“, umschrieb Hausmann die Situation.

Verdienter Applaus

Und angesichts der vielen Lacher wusste er genau, dass die Menschen sich hier entweder wiedererkannten oder wenigstens einen kannten, dem das genau so mal passiert ist.

Für seine entwaffnende Offenheit, den königlichen Umgang mit dem hiesigen Dialekt und der Fähigkeit, das Heimatgefühl über die Sprache in die Lachmuskeln wandern zu lassen, hatte er zu Recht nicht enden wollenden Applaus verdient – und erhalten.

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