Jüdische Schicksale: Baesweiler war ein „braunes Loch“

Von: mabie
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Bewegend: Peter Kullick (l.) und Günter Pesler blickten zurück auf die Zeit der Verfolgungen jüdischer Bürger. Foto: Markus Bienwald

Baesweiler. Bereits zum 75-jährigen Gedenken an die Reichspogromnacht hatte der Geschichtsverein Baesweiler eine große Materialsammlung über das Leben jüdischer Familien in Baesweiler vorgestellt. Bei einem Vortrag mit Peter Kullick und Günter Pesler im Gymnasium, verfolgten die beiden Referenten nun jüdische Schicksale in Baesweiler.

Viel Material

„Wir stützten uns dabei auch auf Material, das aus den 1950er-Jahren stammt und im Zuge der Wiedergutmachungsverfahren erstellt wurde“, sagte Günter Pesler vorab. Am Ende entstand ein wahrer Berg an Material, der auch in dem zweistündigen Vortrag nicht vollständig besprochen werden konnte. Dennoch gelang es den beiden Referenten hervorragend, mit intensiveren Blicken auf einzelne Schicksale ein Licht auf das zu werfen, was in der Zeit der NS-Diktatur in Baesweiler geschah.

Auch grundsätzliche Fragen zum Thema Antisemitismus klärte Günter Pesler. „Man hört immer wieder, dass die Judenverfolgung in der Geschichte kein Einzelfall ist“, sagte er, „das ist richtig. Aber was die Absolutheit des Vernichtungswillens angeht, ist es einzigartig.“

1933 zählte Baesweiler 33 Juden und die NSDAP war bereits 1930 stark in Baesweiler vertreten. Peter Kullick blickte auf Straßenschlachten zwischen Nazis und Kommunisten zurück, „bei denen sogar Unterstützungskräfte aus Aachen dazu kommen mussten, um die Tumulte aufzulösen.“ Und Baesweiler sei schon 1931 „ein braunes Loch“ gewesen, wie Kullick sagte. Das habe dazu geführt, dass einige Juden in dieser Zeit schon nach Alsdorf umgezogen seien.

Aber spätestens mit der Umsetzung der mehr als 2000 alleine gegen Juden gerichteten Gesetze und Verordnungen im ganzen Land, wurde es Juden immer schwerer gemacht, sich in Deutschland frei zu bewegen oder zu leben und zu überleben. Das war auch für die Familie Levy so, die in den 1920er-Jahren aus Norddeutschland nach Baesweiler kamen. Sie führte ein Bekleidungsgeschäft in der Kückstraße. Doch mit dem Boykott jüdischer Geschäfte kam auch für die Levys das Ende ihrer Tätigkeit und die Verfolgung durch die Nazischergen.

„Ich wünschte, dass wenigstens unsere Stadt damals eine Ausnahme gebildet hätte“, zitierte Günter Pesler schließlich noch Bürgermeister Dr. Willi Linkens und dessen Worte zum Gedenken im Jahr 2013.

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