Nordkreis - Jobsuche: Persönlicher Kontakt ist viel wert

Jobsuche: Persönlicher Kontakt ist viel wert

Von: Pia Sonntag
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Willkommen an Bord: Mit guten Kontakten geht es oft leichter. Das bestätigt eine Studie. Foto: Colourbox
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Gute Leistungen blieben in Erinnerung: Bernd Blaszkiewicz konnte auch nach längerer Auszeit wieder in den Betrieb einsteigen. Foto: Pia Sonntag

Nordkreis. Dass der Satz „Man sieht sich immer zweimal im Leben“ keine hohle Floskel ist, kann der 37-jährige Dirk Engelbrecht aus eigener Erfahrung bestätigen. Verwandte, Freunde, Bekannte, Vereinskollegen – sie alle können Türen öffnen.

Der Familienvater aus Baesweiler kannte seinen jetzigen Arbeitgeber bereits seit acht Jahren, als er ihm eine Stelle in seinem Unternehmen angeboten hat. „Während meiner Arbeit hatte ich immer wieder mit unterschiedlichen Firmen zu tun, wodurch ich dann meinen jetzigen Chef kennen lernte. Nach einiger Zeit ist man dann zum „Du“ übergegangen“, so Engelbrecht.

Ein freundschaftliches Verhältnis, das sich für den 37-Jährigen auszahlte. Er wurde gefragt, ob er nicht bei seiner jetzigen Arbeitsstelle, der Dimax-Gesellschaft in Baesweiler, anfangen möchte. Das Vorstellungsgespräch habe dann untypischerweise in einer Pizzeria stattgefunden. „Gerade in meiner Branche, wo jeder jeden kennt, ist Vitamin B der beste Jobgarant“, glaubt der Familienvater.

Gute Chancen

Auch eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kam zu diesem Ergebnis. „Die IAB-Stellenerhebung zeigt, dass es 2015 in Deutschland insgesamt 3.400.000 Einstellungen neuer Mitarbeiter in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gab. In 29 Prozent der Fälle war der erfolgreiche Besetzungsweg der persönliche Kontakt, beziehungsweise die Empfehlung eigener Mitarbeiter. So erfolgten in etwa 986.000 Neueinstellungen über diesen Suchweg“, so Judith Czepek, vom Fachbereich Arbeitsmarkt und Institutionen.

Patrick Sablotny, Inhaber von Sablotny Media in Würselen, ist ebenfalls der Ansicht, dass die richtigen Kontakte den Start ins Berufsleben erleichtern können. Gerade wenn man in der Medien-Branche Fuß fassen möchte, gehe seiner Meinung nach 80 Prozent über persönliche Beziehungen. Er sehe aber auch Nachteile, wenn Personaler auf diesem Weg die Arbeitskräfte auswählen. Es komme auf die Kenntnisse und die Fähigkeiten an, die Vorrang haben. Deswegen würde er externen Bewerbungen die gleiche Aufmerksamkeit schenken.

Auch Donato Caporale, Inhaber der Pizzeria Pinocchio in Alsdorf, ist überzeugt, dass Vitamin B in jeder Branche hilfreich ist: „Besonders in der Gastronomie bevorzugen wir den schnelleren, unbürokratischeren Weg über persönliche Empfehlungen. Wenn ich einem Mitarbeiter vertraue und er mir eine kompetente Person weiterempfiehlt, dann überlege ich mir nicht zweimal, ob ich sie zu einem Probearbeiten einlade. Da hat man eine gewisse Sicherheit.“

Beziehungen gewinnbringend einsetzen, so lautet die Devise von vielen aktiven „Netzwerkern“. Sie bauen ihre Beziehungen auf, pflegen und erweitern sie, um für eine vakante Stelle direkt in Frage zu kommen. Stellenanzeigen, ob online oder in der Zeitung – es gibt viele Möglichkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Aber keine sind so vielversprechend wie die eigenen Kontakte.

„Positiv im Gedächtnis bleiben, sollte oberste Priorität sein, denn man weiß nie, ob man einer Person im Leben noch einmal begegnet und man davon eventuell profitieren kann“, sagt Guido Schwartz von der Druckerei Holländer in Herzogenrath. Einer seiner Mitarbeiter, Bernd Blaszkiewicz, war lange Zeit als Drucker in dem Unternehmen tätig. Nach einer längeren Auszeit konnte er aufgrund seiner guten Leistungen wieder einsteigen. „Er ist uns in einem guten Sinne in Erinnerung geblieben“, so Schwartz.

Persönliche Beziehungen sind für ihn in der heutigen Gesellschaft ein Muss. „Einen Bewerber hatte ich vor einigen Jahren aufgrund seines lückenhaften Lebenslaufes und seiner ausbaufähigen Deutschkenntnisse aussortiert. Da ein Bekannter von mir den Bewerber aber persönlich kannte und in hohen Tönen von ihm sprach, gab ich dem Jungen trotz der schlechten Noten eine Chance“, erzählt er.

Der junge Mann habe sich schnell zu einer fleißigen und zuverlässige Arbeitskraft entwickelt, welche mittlerweile sogar eine höhere Position in einem anderen Unternehmen eingenommen hat. Der damalige Auszubildende der Druckerei hat von seinem Kontakt profitiert. Familie und Freunde, Bekannte aus der Schule und dem Studium, Kunden und Kollegen, Menschen, die man aus dem Verein oder dem Sport kennt – sie alle können relevant für ein erfolgreiches Berufsleben sein.

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