Jobcenter ist gewappnet, doch auf Fluren herrscht Leere

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Zufriedenheit auf beiden Seiten: Sachbearbeiterin Fatima Frehse kann mit den Kunden auch auf Arabisch kommunizieren. Foto: Beatrix Oprée

Nordkreis. Um Neuankömmlingen nach erfolgreichem Abschluss des Asylverfahrens die nötige Orientierung zu bieten, haben die Jobcenter so genannte Integration-Points eingerichtet. Denn mit dem Tag der Anerkennung unterliegt ein Flüchtling nicht mehr dem Asylbewerberleistungsgesetz, sondern muss im Folgemonat die Grundsicherung gemäß Sozialgesetzbuch (SGB) II beim Jobcenter in der Stadt beantragen, in der er seinen Wohnsitz wählt.

Wer überdies zwischen 15 und 65 Jahre alt ist, gilt als erwerbsfähig und muss sich um seine Eingliederung in den Arbeitsmarkt kümmern.

Anlaufstelle im Nordkreis ist die Alsdorfer Jobcenter-Geschäftsstelle an der Otto-Wels-Straße 2. „Hier haben wir die nötige Kompetenz gebündelt, können auch Dolmetscher vorhalten“, erläutert Frank Oehler, Geschäftsstellenleiter Nordkreis I. Sechs Mitarbeiter sind für die Belange der Neuankömmlinge tätig.

Zwei, um die neuen Kunden im Eingangsbereich in Empfang zu nehmen und ihre Angelegenheiten zu sondieren; zwei, um die Leistungen für den Lebensunterhalt sicherzustellen. Und weitere zwei eigens geschulte Integrationsfachkräfte kümmern sich um die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, allem voran Deutschkursen.

Zurzeit indes herrscht Leere in den Fluren – zum einen kommen wegen des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei weniger Hilfesuchende in Deutschland an. Zum anderen ist aufgrund der Abarbeitung komplexer Altfälle die Bearbeitungszeit der Asylverfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestiegen. 163 anerkannte Flüchtlinge sind seit Jahresbeginn beim Jobcenter im Nordkreis vorstellig geworden, davon 88 im seit dem 4. April eingerichteten Integration-Point.

Zwei junge Männer, die gerade das Büro von Fatima Frehse verlassen, gehören zu den wenigen Kunden in diesen Tagen. Ihre zufriedenen Mienen verraten: Hier sind sie einen entscheidenden Schritt weitergekommen. „Die Menschen sind zunächst immer etwas unsicher, wenn sie den Raum zum ersten Mal betreten“, erzählt die Sachbearbeiterin. „Wenn ich sie dann aber auf Arabisch anspreche, haben sie sofort Vertrauen – und dann natürlich viele Fragen. Es ist ja alles ganz neu und recht schwer für sie.“

Fatima Frehse stammt aus Marokko. Im Integration-Point ist sie für die Leistungsvergabe zuständig. Ein Job, der auch sie mit großer Zufriedenheit erfüllt. „Es macht einfach Freude, Menschen weiterzuhelfen. Besonders, wenn sie so viel durchgemacht haben und endlich zur Ruhe kommen können“, stellt sie fest.

Generell leistet ein Jobcenter viel mehr als den reinen Leistungsbezug zu regeln, stellt Pressesprecher Christian Neuß klar – von der Schuldner- über die Suchtberatung bis zur psychosozialen Betreuung.

Gebündelte Hilfe, von denen Flüchtlinge besonders profitieren können. Werden etwa Traumata vermutet, kann sicherheitshalber der psychologische Dienst eingeschaltet werden. „Arbeit kann aber auch die Möglichkeit bieten, schreckliche Erlebnisse auf der Flucht zu verarbeiten“, sagt Oehler.

So sind die Mitarbeiter des Integration-Points bemüht, Wartezeiten, etwa auf die Integrationskurse – in Verantwortung des BAMF und mit zu wenig Plätzen ausgestattet – sinnvoll auszufüllen: in Zusammenarbeit mit Partnern durch einen Kompetenzcheck beispielsweise, der das Sprach- und Rechenvermögen ebenso absteckt wie strategisches Denken, Teamfähigkeit und motorische Fähigkeiten.

Speziell für Bleibeberechtigte können danach Arbeitsgelegenheiten („Ein-Euro-Jobs“) der Einstieg für die weitere Eingliederung in den Arbeitsmarkt sein. „Hier bekommen die Menschen Kontakt zu anderen Flüchtlingen und zu Einheimischen“, hebt Oehler hervor. Und wo könne man eine Sprache besser lernen als bei der Arbeit?

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