Jobcenter hat 2016 schwierige Herausforderungen gemeistert

Von: Annika Kasties
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Der Geschäftsführer des Jobcenters, Stefan Graaf (m.), blickt zufrieden mit den Leitern der Geschäftsstellen im Nordkreis, Frank Oehler (l.) und Bernd Wirtz auf das Jahr 2016 zurück. Foto: Annika Kasties

Alsdorf. Wenn Stefan Graaf auf das vergangene Jahr zurückblickt, dann ist er durchaus mit der Arbeit des Jobcenters im Nordkreis zufrieden. „Wir haben vor riesengroßen Herausforderungen gestanden und diese in enger Kooperation mit den Kommunen gut gemanagt“, sagte der Geschäftsführer am Freitag bei der Vorstellung des lokalen Geschäftsberichts für den Nordkreis über das Jahr 2016.

2370 arbeitslose Männer und Frauen konnten in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermittelt werden – nicht mitgerechnet sind diejenigen, die einen Minijob aufgenommen haben. Konkret bedeutet das: In Alsdorf fanden 804 (-98) Menschen wieder in Lohn und Brot, in Baesweiler waren es 353 (-56) und in Herzogenrath und Würselen jeweils 674 (-76) und 539 (-28). Damit sank die Zahl in allen vier Kommunen im Vergleich zum Vorjahr.

Dieses Gefälle hätte jedoch angesichts des Zuzugs von Flüchtlingen auch deutlich schwerwiegender ausfallen können, sagte Graaf. Denn ab dem Zeitpunkt der Anerkennung des Asylantrags ist das Jobcenter für sie zuständig. Am Integration Point an der Otto-Wels-Straße in Alsdorf werden Flüchtlinge, die im Nordkreis gemeldet sind, seit April zentral betreut. Bis Jahresende haben dort 720 Menschen die speziell auf Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse ausgerichtete Betreuung des Jobcenters genutzt, teilte Bernd Wirtz, Leiter der Geschäftsstelle Würselen und Herzogenrath, mit.

Mittlerweile seien es 943. Ihre Zahl wird steigen. 5400 Männer und Frauen befinden sich nach Angaben von Graaf im Anerkennungsverfahren in der Städteregion Aachen. „Selbst wenn nur 50 Prozent von ihnen anerkannt werden, kommt viel auf das Jobcenter zu.“

Die steigendende Zahl anerkannter Flüchtlinge sei auch mit ein Grund dafür, dass die Anzahl der Single-Haushalte im Zuständigkeit des Jobcenters zunehme. „Viele der geflüchteten Menschen sind Männer unter 30, die nach allein nach Deutschland gekommen sind, um später ihre Familie nachholen zu können“, sagt Graaf.

Doch das sei längst nicht der einzige Grund. Gesellschaftliche Umstände, familiäre Probleme und Bindungslosigkeit führten dazu, dass gut die Hälfte der Hartz-IV-Bezieher im Nordkreis allein wohnen. Problematisch sei dies vor allem auch deshalb, weil günstiger Wohnraum im Nordkreis zunehmend schwerer zu finden sei.

Sorgenvoll blickt Graaf auf die konstant bleibende Zahl der Langzeitarbeitslosen. „Sie partizipieren nur bedingt am Wirtschaftsaufschwung“, sagte der Geschäftsführer. Im Oktober 2016 waren in Alsdorf 965 von 1739 erwerbsfähigen Hartz-IV-Beziehern länger als ein Jahr ununterbrochen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anteil von 55 Prozent, der in den vergangen zwei Jahren relativ konstant blieb.

In den anderen Kommunen zeigt die Statistik ein ähnliches Bild. Bei den Arbeitssuchenden sei deshalb Flexibilität gefordert, sowohl hinsichtlich des Ortes als auch der Beschäftigung. Doch Graaf appelliert auch an die Arbeitgeber, verstärkt denjenigen eine Chance zu geben, die schon länger nach Arbeit suchen.

Auch deshalb legt Graaf Wert auf Weiterbildung: „Bildung ist der beste Erfolgshebel, um langfristig eine Stelle zu finden, und das beste Medikament gegen den Fachkräftemangel.“ Es werde zunehmend schwieriger, gering Qualifizierte in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Deshalb hat das Jobcenter im vergangenen Jahr mit Beginn einer Förderoffensive im März in der Städteregion Aachen insgesamt 905 Bildungsgutscheine ausgegeben.

Davon wurden 249 Maßnahmen im Nordkreis begonnen. Diese Gutscheine galten sowohl für abschlussorientierte Maßnahmen als auch für weitere Qualifizierungen. Denn rund ein Fünftel der Jobcenter-Kunden verfügen laut Wirtz nicht über einen Schulabschluss; 68 Prozent hätten keine qualifizierte Berufsausbildung.

Die Zahl der Aufstocker steigt

Nach wie vor hoch ist auch die Zahl der sogenannten Aufstocker. Sie verdienen trotz Jobs so wenig, dass sie zusätzlich auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. „Ihr Anteil wird immer höher“, sagt Frank Oehler, Leiter der Geschäftsstelle Alsdorf und Baesweiler. In Alsdorf erzielten im vergangenen Oktober rund 800 der 1739 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten Einkommen aus einem Job.

Die meisten (456) hatten zwar nur einen Minijob, doch 113 Männer und Frauen verdienten mehr als 1200 Euro Brutto im Monat und konnten trotzdem nicht den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien sichern. In Baesweiler mussten im selben Monat 342 von 615 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aufstocken, in Herzogenrath waren es 652 von 991 und in Würselen 583 von 766.

Aktuellere Zahlen liegen dem Jobcenter für die vier Nordkreis-Kommunen nicht vor. Mit der Ausnahme von Baesweiler (-7) ist der Anteil der Aufstocker damit im Vergleich zum Vormonat in allen drei Kommunen leicht gestiegen (Alsdorf +23, Herzogenrath +24, Würselen +13).

„Wir versuchen, immer mehr Minijobber in sozialversicherungspflichtige Jobs zu vermitteln“, sagte Graaf. Einfach sei dies jedoch nicht. Für das laufende Jahr nimmt sich der Geschäftsführer trotzdem vor: „Wir wollen das Gute aus 2016 nach 2017 mitnehmen.“

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