Alsdorf - Job-Speed-Dating: Zehn Minuten, um sich in Szene zu setzen

Job-Speed-Dating: Zehn Minuten, um sich in Szene zu setzen

Von: Jule Klieser
Letzte Aktualisierung:
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Mit Job-Speed-Dating bietet „TÜV Nord Bildung“ Langzeitarbeitslosen eine Chance, sich auf Bewerbungsgespräche vorzubereiten. Foto: Klieser

Alsdorf. Im Saal der Stadthalle sitzen Firmenvertreter an Tischen und warten auf Bewerber. Jeder Bewerber, der an einen Tisch kommt, hat zehn Minuten Zeit, um sich vorzustellen bei einer ersten Kontaktaufnahme mit dem potenziellen Arbeitgeber. Wenn er oder sie Glück hat, wird er zum Probearbeiten eingeladen.

Doch die Stimmung ist entspannt bei diesem Job-Speed-Dating, denn das Ganze hat einen Probecharakter, es geht nicht um alles oder nichts. Die Bewerber auf eine Stelle haben einen zweitägigen Kursus mit Bewerbungstraining hinter sich und wenden das Gelernte nun an.

172 Coaching-Teilnehmer

Die TÜV Nord Bildung GmbH & Co KG veranstaltete im Auftrag des Jobcenters zum dritten Mal diese Jobbörse in der Region, bei der Arbeitgeber und Arbeitsuchende auf unkomplizierte Weise zusammen finden können. 44 Unternehmen aus diversen Branchen haben sich an der Aktion beteiligt. Bau, Gas-tronomie, Pflege, Reinigung, Handel, IT, Lager und andere sind vertreten. 60 Prozent von ihnen sind Zeitarbeitsfirmen. 172 arbeitssuchende Teilnehmer des Coachings beim TÜV haben sich angemeldet und nehmen ihre 10-Minuten-Termine wahr.

Eine junge Frau nimmt am Tisch der ESS Elektronic Service Platz. Thomas Heck, leitender Angestellter, wartet dort. Das Unternehmen mit 25 Mitarbeitern sucht zwei Leute, die Leiterkarten bestücken, eine Tätigkeit, die für ungelernte Kräfte geeignet ist, aber etwas handwerkliches Geschick erfordert.

Zuerst erklärt Heck die Tätigkeit und macht sie schmackhaft: „Es ist interessant und abwechslungsreich. Haben Sie Interesse?“ Die Frau, eine hübsche, kompetent wirkende Person, bejaht. Sie erzählt, dass sie aus der Tourismus-Branche kommt und gerne umsatteln möchte. Neun Euro pro Stunde bezahlt das Unternehmen für die Helfertätigkeit.

Die Bewerberin überreicht dem potenziellen Arbeitgeber ihren persönlichen Flyer, den sie im Coaching entwickelt hat. Heck ist davon angetan. Man bleibt in Verbindung. An seinen Tisch werden im Laufe des Tages 30 bis 40 Bewerber kommen. Aus diesem Pool wird er mit einigen Probearbeiten vereinbaren.

An einem anderen Tisch wartet der „German Recruter“ Marcus Schmidt auf Bewerber. Er ist in seiner Firma, einem niederländischen Personaldienstleister, dafür verantwortlich, deutsche Mitarbeiter für die Bereiche Bau, Technik, Lager, Logistik anzuwerben. Denn deutsche Arbeitskräfte sind im Nachbarland sehr beliebt, weiß Schmidt. Deutsche sollten keine Bedenken wegen sprachlicher Barrieren haben, denn „wir Holländer sprechen alle Deutsch.“

Schmidt preist die Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen in seinem Land an. Zeitarbeitsfirmen seien anders aufgebaut als in Deutschland, Zeitarbeiter bekämen den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft. „Außerdem kennen wir keine Hierarchien, außer bei der Königin“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Zwei Tage lang haben sich zuvor die Kandidaten auf die Speed-Bewerbungen vorbereitet. Die Referenten von TÜV Bildung haben individuelle Gespräche geführt, Stärken-Schwächen-Analysen erstellt, Bewerbungsgespräche simuliert.

Außerdem gab es auf Wunsch Unterricht in Sachen Styling. Frisur und Kleidung könnten eine große Rolle spielen, erläuterte Gabriele Steffens, Bereichsleiterin beim TÜV Nord Bildung, am Rande der Veranstaltung. „Als Produktionshelfer zum Beispiel erscheint man nicht in Anzug und Krawatte. „Wenn wir uns nicht wohl fühlen, strahlen wir das auch aus.“

Die Teilnehmer wurden zudem über die Arbeitsmarktsituation und Fördermöglichkeiten informiert. Steffens sieht in dem Projekt eine Chance für Arbeitssuchende. Das Wichtigste an dem Training sei, die Menschen zu motivieren. „Oft haben Langzeit-Arbeitslose wenig Selbstbewusstsein. Doch jeder Mensch hat seine Stärken. Wir wollen Zuversicht vermitteln.“

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