Baesweiler - Joachim Wehrenbrecht wünscht der Kirche mehr Wagemut

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Joachim Wehrenbrecht wünscht der Kirche mehr Wagemut

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Setzt sich für mehr Gemeinschaftssinn ein: Pfarrer Joachim Wehrenbrecht.

Baesweiler. Was braucht Kirche im 21. Jahrhundert? Auf diese und weitere Fragen von Margret Nußbaum antwortet Joachim Wehrenbrecht. Er ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Herzogenrath.

Gott ist gnädig: So lautet eine Kernaussage Luthers und damit des evangelischen Bekenntnisses. Wo sind Menschen heute gnadenlos?

Wehrenbrecht: Da müssen wir nur mal die Augen und Ohren offenhalten und reflektieren, was wir Abend für Abend in den Nachrichten und Talk-Shows vorgesetzt bekommen: In der Marktwirtschaft – auch wenn sie noch so sozial herzukommen glaubt – gibt es viele ungnädige Prozesse: Menschen werden oft nur nach ihrer Effektivität und Leistung beurteilt.

Wie könnte Kirche hier gegensteuern?

Wehrenbrecht: Kirche sollte ein Ort sein, an dem Menschen erfahren: Hier darf ich sein – mit meiner ureigenen Lebensgeschichte, mit meinen Brüchen und Ungereimtheiten. Hier erfahre ich Gott, der mich so annimmt, wie ich bin. Hier werde ich von anderen Menschen angenommen, kann mich in der Gemeinschaft einbringen, ohne vereinnahmt zu werden.

Brauchen evangelische Kirchengemeinden im 21. Jahrhundert eine neue Reformation?

Wehrenbrecht: Wenn Kirchengemeinden einer Reformation bedürfen, dann dieser, dass sie sich als Oasen verstehen in einer Gesellschaft, die Menschen oft genug in die Wüste schickt. Hier leistet die Evangelische Kirche mit ihren diakonischen Diensten hervorragende Arbeit. Wir brauchen in Zukunft noch mehr Menschen, die bereit sind, mitzuhelfen und Ideen einzubringen.

Was erhoffen Sie sich in Sachen Ökumene für das 21. Jahrhundert?

Wehrenbrecht: Ich persönlich finde es sehr schade, dass die Katholische Kirche anlässlich des Reformationsjubiläums kein deutliches Zeichen für ein gemeinsames Abendmahl gesetzt hat. Papst Franziskus hätte das möglich gemacht. Aber die Bischöfe haben sich abgegrenzt. Katholiken und Protestanten vor Ort sollten gegenseitige Gastfreundschaft einfordern.

Wünschen Sie Ihrer Kirche mehr Mut?

Wehrenbrecht: Wir müssen dem gesellschaftlichen Bedeutungsverlust unserer Kirche entgegensteuern. Etwa indem wir mit Menschen in der Öffentlichkeit ins Gespräch kommen. Warum nicht mal auf dem Markt oder bei anderen öffentlichen Anlässen? Dazu gehört Mut. Einen solchen Wagemut wünsche ich unserer Kirche. Sie sollte auf sich aufmerksam machen und signalisieren: Wir sind auch noch da und tragen mit dazu bei, dass unsere Gesellschaft ein Stück menschenfreundlicher wird.

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