Joachim Bolder ist der „Staatsanwalt vor Ort”

Von: Beatrix Oprée
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Alsdorf. Messer gezückt und das Butterbrot des Schulkameraden „abgezogen”: So ist es jüngst in der Pause auf einem Alsdorfer Schulhof geschehen. Dagegen soll nun der „Staatsanwalts vor Ort” wirken.

Wenn auch die Fallzahlen 2009 insgesamt um gut 300 Fälle leicht zurückgegangen sind, so bleibt die Entwicklung im Bereich Jugendkriminalität alarmierend. Das neu eingeführte Konzept des „Staatsanwalts vor Ort”, das Behördenleiterin Elisabeth Auchter-Mainz am Mittwoch der Öffentlichkeit vorstellte, soll deswegen besonders auch in Alsdorf ziehen.

Strafe folgt auf dem Fuße

Joachim Bolder heißt der Staatsanwalt, der sich seit Januar schwerpunktmäßig um auffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende in der Ex-Bergbaustadt kümmert. Bislang war der 51-Jährige schon zuständig für jugendliche Intensivtäter aus dem gesamten Nordkreis. Das neue Konzept ist ein nächster, ergänzender Schritt zu den seit zwei Jahren regelmäßigen Diversionstagen, an denen - bisher zentral in Aachen - Ersttäter mit Bagatelldelikten zum zeitnahen konzentrierten Verfahren vorgeladen werden.

Sie ersparen sich aufwändige Gerichtsverhandlungen, wenn sie erscheinen, um zunächst polizeilich vernommen und dann von einem Vertreter der Jugendgerichtshilfe beraten zu werden. Gemeinsam mit dem Staatsanwalt wird das weitere Vorgehen beraten. Schließlich erhält der Delinquent seine Strafe auf dem Fuße, garniert mit einer passenden Gefährdeansprache. In absehbarer Zeit sollen derartige Verfahren für Alsdorfer Jugendliche in der Polizeiwache an der Hauptstraße in Ost abgehalten werden.

Abzieherei wie jüngst auf dem Alsdorfer Pausenhof und mittlerweile leider alltäglich auf unseren Straßen, ist allerdings kein Delikt, das im Diversionsverfahren abgehandelt werden könnte. Bolder betont: „Hier handelt es sich eindeutig um Raub. Und der landet sofort beim Jugendschöffengericht.”

Erstaunliche Erkenntnisse

Als sehr gut und konstruktiv kennzeichnet der Staatsanwalt seine bisher schon geknüpften Kontakte mit den Handelnden vor Ort. Die Polizei im Nordkreis habe zwar keinen speziellen Sachbearbeiter für Alsdorf, vielmehr werde hier nach Art der Delikte aufgeteilt. Aber die Bezirksbeamten kennen ihre Pappenheimer und die Strukturen, in denen sie sich bewegen, dafür umso besser.

„Die Beamten sind sehr nett und haben erstaunliche Erkenntnisse”, sagt Bolder. Die beziehen sich auf Lebensbedingungen genauso wie auf das Umfeld. Auf Basis eines Falles können ganze Strukturen aufgedeckt werden. Mit ihren wertvollen Kenntnissen können die Beamten die Arbeit des Staatsanwalts wesentlich erleichtern - und beschleunigen.

„Begeistert” ist Bolder auch vom großen Engagement der Jugendgerichtshilfe. „Wir versprechen uns Enormes von dem neuen Konzept”, sagt der Jurist, für den die Ex-Bergbaustadt zunächst „völliges Neuland” war. Schnell hat sich der gebürtige Kölner, der seit 14 Jahren in Aachen lebt, in seinem neuen Beritt eingearbeitet, dabei unter anderem auch schon Kontakt mit den Schulen aufgenommen. Der Vorteil des neuen Systems: Im Gegensatz zur Zuteilung der straffällig Gewordenen nach Anfangsbuchstaben, „habe ich jetzt alle aus einem Wohnort im Blick!”
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