„Jeder hat in seinem Leben einmal urologische Probleme“

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
12300084.jpg
Hauptreferent des Forum Medizin zu urologischen Erkrankungen: Prof. Dr. Ziya Akçetin. Foto: MZ

Würselen. Für viele sind Urologie und urologische Erkrankungen ein verschämtes Thema. Über Probleme „unten rum“ wird nicht gerne gesprochen. Die Gefahr: Vorsorgeuntersuchungen werden nicht zeitig wahrgenommen, bei Beschwerden nicht rechtzeitig der Arzt konsultiert. Das kann sehr gefährlich sein, etwa bei Prostata-Krebs.

 „Wenn jemand Krebs hat, zählt jede Minute“, sagt Professor Dr. Ziya Akçetin, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Medizinischen Zentrum in Würselen (MZ), Standort Bardenberg. Er wirbt für einen offenen Umgang mit dem Thema – ganz im Interesse der Patienten.

Und: Es muss ja nicht gleich Krebs sein. Grundsätzlich sind urologische Probleme Bestandteil des Lebens. „Jeder – vom Neugeborenen bis zum Greis – hat in seinem Leben einmal urologische Probleme, und wenn es ‚nur’ eine Blasenentzündung ist“, sagt er. Akçetin ist Hauptreferent des nächsten Forum Medizin des MZ und unserer Zeitung. Mit anderen Medizinern wird er am Mittwoch, 22. Juni, im Alten Rathaus Würselen über urologische Erkrankungen informieren sowie Interessierten und Betroffenen Rede und Antwort stehen (siehe Info).

Wer wissen will, was Urologie bedeutet, muss die alten Griechen bemühen. Der Begriff setzt sich aus ouron „Harn“ bzw. Urin und logos „Wort, Lehre, Kunde “ zusammen. Urologie ist die Lehre von den Harnorganen und befasst sich mit den harnbildenden und harnableitenden Organen, also mit Niere, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre von Mann und Frau. Hinzu kommt die Behandlung von Krankheiten der Geschlechtsorgane des Mannes, also der Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Samenbläschen, des Penis sowie der Prostata. Fächerübergreifend arbeiten Urologen mit Kollegen aus Gynäkologie, Neurologie, Onkologie und Chirurgie zusammen.

Das ist auch im MZ so, betont der Klinikleiter. Die Urologie in Bardenberg besteht seit 1972. Die Klinik für Urologie und Kinderurologie hat 52 Betten auf vier Stationen. Dies sind die Station 309 als Kernstation der Urologischen Klinik sowie die Station 310 als Kurzliegerstation, ein Teil der Betten auf der Station 303 sowie drei Intensivbetten für große Eingriffe. Angeschlossen an die Klinik für Urologie und Kinderurologie ist eine Uro-Onkologische Tagesklinik, in der Chemotherapien stattfinden. Die Klinik für Urologie und Kinderurologie verfügt über eine eigene Röntgenabteilung.

Gemeinhin gilt der PSA-Wert als Hinweis auf Krebszellen und ermöglicht die Beurteilung von dessen Verlauf und Behandlung. PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen (PSA). PSA gelangt mit dem Prostatasekret in den Samen und sorgt hier für eine Verflüssigung nach der Ejakulation. Nur Prostatazellen können dieses natürliche Antigen herstellen. Bösartige Zellen eines Prostatakarzinoms bilden erheblich mehr PSA als normale Prostatazellen. Deshalb eignet sich das PSA auch gut als Tumormarker.

„Dabei ist die Höhe des PSA-Wertes zwar wichtig, aber entscheidend ist die Frage, wie schnell er sich verändert“, sagt Akçetin. „Deshalb wäre es gut, wenn man bei allen Patienten im Alter von 40 bis 45 Jahren den PSA-Wert als Ausgangspunkt feststellen würde, um später etwaige Veränderungen besser beurteilen zu können“, macht sich der Fachmann für eine bessere Vorsorge stark. Laut Akçetin werden Vorsorgeuntersuchungen bei Krankenkassen unterschiedlich gehandhabt. Die Kosten für entsprechende Untersuchungen werden bei jüngeren Patienten nur bei Verdachtsmomenten übernommen, bedauert er.

Sollte eine Operation notwendig werden, können Akçetin und sein Team seit Januar auf hochmoderne Technik zurückgreifen, mit der er seit 2009 ununterbrochen operiert: die Da-Vinci-Technik., die nach eigenen Angaben „im Großraum Aachen nur in seiner Klinik zur Verfügung steht“. Hierbei handelt es sich um eine rechnergesteuerte Technik, bei der die Hand- und Fingerbewegungen des Operateurs auf die Instrumente übertragen werden.

Eine Hauptaufgabe der Klinik für Urologie besteht im Entfernen von Nieren- und Harnleitersteinen. Zum Einsatz kommen hochmoderne Geräte, versichert er. Akçetin spricht von „biegsamer Endoskopie“: „Es gibt keine Ecke, die Gegenstand unseres Faches ist, die wir nicht visualisieren und erreichen können.“ Dabei wird möglichst auf Zertrümmern verzichtet und der Stein möglichst in Gänze gezogen. „Falls der Stein zu groß ist, kommt modernste Lasertechnologie zum Einsatz.“

Ein weiteres wichtiges Behandlungsfeld ist die Inkontinenztherapie. Dabei liegt der Schwerpunkt entgegen der öffentlichen Wahrnehmung nicht bei Männern, sondern bei Frauen. Die Belastungsinkontinenz wird unter anderem durch Husten oder Nießen ausgelöst, bedingt durch Schwächen im Beckenboden, etwa in Folge von Geburten und Hormonumstellungen in den Wechseljahren oder wegen Übergewicht. Von Dranginkontinenz ist die Rede, wenn Harndrang schon bei recht leerer Blase auftritt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert