Jede Menge Müll: Weniger Plastik? Einen Versuch wert!

Von: Laura Laermann
Letzte Aktualisierung:
muell Grafik: ZVA/Bild: dpa/Quelle: Kommunen
Leichtverpackungsmüll im Nordkreis: Angegeben in Kilogramm pro Einwohner pro Jahr. Grafik: ZVA/Bild: dpa/Quelle: Kommunen

Nordkreis. Ein Blick durch eine durschnittliche Wohnung im Nordkreis reicht, um die Ausmaße erahnen zu können: Tüten, Flaschen, Verpackungen – jeder Einkauf im Supermarkt bringt jede Menge Plastikmüll mit sich. Das größte Übel steht im Bad: Duschgel- und Shampooflaschen, Zahnpastatuben, Cremetiegel und Seifenspender bestehen nicht nur aus Plastik, sondern enthalten auch Mengen von Mikroplastik.

Plastikmüll vollständig zu vermeiden, ist damit fast ein Ding der Unmöglichkeit – aber in vielerlei Hinsicht einen Versuch wert. Im Nordkreis nimmt der Abfall, der durch Leichtverpackungen entsteht, zu. Dazu zählen alle Verpackungen, die über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack eingesammelt werden. Die bestehen nicht nur aus Kunststoffen, sondern auch aus Weißblech, Aluminium sowie Verbund-Verpackungen wie zum Beispiel Tetra Pak.

Baesweiler verzeichnet dabei den stärksten Anstieg in den vergangenen vier Jahren. Während 2013 noch 46,6 Kilogramm pro Einwohner weggeworfen wurden, waren es 2016 bereits 53 Kilogramm. Das macht für die gesamte Stadt einen Unterschied von knapp 200 Tonnen mehr.

In Alsdorf sieht es sehr ähnlich aus: 2016 sammelten sich pro Person 6,3 Kilogramm mehr Leichtverpackungsmüll an als 2013. Im Vergleich zur ähnlich großen Stadt Herzogenrath (2016: 46.583 Einwohner), warfen die Alsdorfer (2016: 46.880 Einwohner) 2016 insgesamt fast 200 Tonnen mehr Leichtverpackungen weg.

Ein Lichtblick ist Würselen: Hier wurden 2016 pro Person nur 28 Kilogramm Leichtverpackungsabfall produziert. Im Vergleich zu den Vorjahren ist dieser Wert kaum gestiegen. Obwohl die Stadt in den vergangenen vier Jahren immer etwa 12.000 Einwohner mehr als Baesweiler hatte, warfen die Würselner 200 bis 300 Tonnen Leichtverpackungen weniger weg. Pro Jahr.

Aber wo landet der ganze Abfall? Betrachtet man nur den Plastikmüll, wird nur ein geringer Teil recycelt. Die Verpackungsverordnung schreibt vor, dass mindestens 36 Prozent der Kunststoffverpackungen wiederverwertet werden. Weitere 24 Prozent dürfen als „Ersatzbrennstoff“ statt Öl oder Erdgas genutzt werden. Der Rest, 40 Prozent, darf in Müllverbrennungsanlagen landen.

Doch die Realität sieht anders aus, sagt Michael Uhr, Pressesprecher der Awa Entsorgung GmbH. „Der Großteil des Plastikmülls wird nicht recycelt, da es günstiger ist, ihn zu verbrennen als ihn zu sortieren.“ Das liegt vor allem daran, dass im Gelben Sack eben nicht nur Plastik zu finden ist. Und selbst wenn man ihn aussortieren würde, gibt es ein weiteres Problem: Verpackungsmaterial, das den Großteil des Plastikmülls ausmacht, ist meist ein Gemisch aus verschiedenen Kunststoffen, wie Polyethylen, Polystyrol oder Polypropylen.

Oft sind auch Weichmacher beigemischt, um eine hohe Flexibilität zu erreichen. Daraus können nur minderwertige Produkte hergestellt werden, wie Plastiktüten oder Plastikeimer. Lebensmittelverpackungen dürfen nur aus „sauberem“ Kunststoff hergestellt werden: „Ein Joghurtbecher wird nie mehr ein Joghurtbecher“, sagt Uhr. „Aus hygienischen Gründen darf nur neues Kunststoffgranulat verwendet werden.“

Heike Stiller, Abfallberaterin der Awa, sieht sogar ein weiteres Problem: „Manche Kunststoffverpackungen stehen in Verdacht, Chemikalien an Lebensmittel abzugeben.“ Daher rät sie bei Baby- und Kinderspielzeug besonders kritisch darauf achten, ob der Hersteller darauf hinweist, dass die Produkte frei von BPA sind. Babynahrung sollte man nur im Glas kaufen, ebenso Getränke. Auch ein Sprudelautomat für Leitungswasser sei eine Alternative.

Bei Obst und Gemüse empfiehlt Stiller, möglichst frisch und unverpackt einzukaufen. Das ist nicht in jedem Geschäft möglich – aber auf jedem Markt oder Bauernhof. Sogar Käse, Fleisch, Fisch oder Eis kann man sich an wenigen Ladentheken in einer mitgebrachten Dose einpacken lassen.

Eine Entscheidung, die man aber in jedem Geschäft selbst treffen kann, ist die Wahl der Tasche: „Die Plastiktüte kann jeder verweigern und stattdessen mit der Mehrweg-Tasche einkaufen“, sagt Stiller. Da Plastiktüten in vielen Geschäften mittlerweile 20 Cent kosten, lohnt sich die Umstellung nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel.

Weniger Plastik kann aber auch bedeuten, dass der Einkauf schwerer wird, wenn es durch Glas ersetzt wird. „Plastik hat viele Vorteile in der Handhabung und teilweise überragende Eigenschaften,“ sagt Marco Stabe, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Alsdorf. „Diese werden jedoch durch die Probleme der Entsorgung überschattet.“

Denn gefährlich werden Kunststoffe, wenn sie in die Natur geraten, denn sie können nicht auf natürlichem Weg abgebaut werden. „Sie zerfallen in immer kleinere Einzelteile, reichern sich in Gewässern an, werden von Tieren als Nahrung aufgenommen, schädigen oder töten diese und gelangen über die Nahrungskette wieder auf unserem Teller“, erklärt die Abfallberaterin für die Städteregion nachdrücklich.

Plastik belastet die Umwelt aber schon bei seiner Produktion aus Erdöl – eine Ressource der Natur, die begrenzt ist. Daher ist Wiederverwertung und die Rückkehr zu „verjährten“ Alternativen wichtig. Michael Uhr appelliert vor allem an die Verantwortung der Unternehmen: „Allein das Bedrucken eines Joghurtbechers macht Recycling enorm aufwendig, da er erst gereinigt werden muss“. Daher müssten Firmen sich mehr Gedanken über Verpackungen machen.

Dieses Bewusstsein scheint sich langsam durchzusetzen. Aktionen wie der Taschen-Tüten-Tausch-Tag, das Sammeln von wildem Müll oder die Brotdosenaktion finden Aufmerksamkeit im Nordkreis. Im Netz findet man immer mehr „Zero-Waste“-Initiativen, die zeigen, wie es sogar ganz ohne Müll geht.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert